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Erschienen in der HARKE von Freitag, dem 19.07.2019 auf Seite 28

Rubrik: Nienburg & Umgebung

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Aschen

Notbergung im Moor

Archäologischen Ausgrabungen am Bohlenweg bei Aschen haben begonnen

Der über 2000 Jahre alte Bohlenweg im Aschener Moo... Foto: Marion Heumüller (NLD)Der über 2000 Jahre alte Bohlenweg im Aschener Moor. Foto: Marion Heumüller (NLD)
Der über 2000 Jahre alte Bohlenweg im Aschener Moor. Foto: Marion Heumüller (NLD)
Der über 2000 Jahre alte Bohlenweg im Aschener Moor.

Der über 2.000 Jahre alte Bohlenweg „Pr 6“, der durch das ausgedehnte Moor zwischen Diepholz und Lohne führte, wird seit wenigen Wochen wieder archäologisch untersucht. Die Ausgrabung und Erkundung des Weges sind Teil des Projektes „Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor“, das vom Verein „Naturpark Dümmer“getragen wird und mit Hilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und mehreren Fördern finanziert wird. Unterstützung erfolgt auch durch verschiedene lokale Kulturinstitutionen. Fachlich wird die Ausgrabung vom Referat Moorarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege begleitet.

Das 520 Meter lange Teilstück des Weges, das in den kommenden drei Jahren ausgegraben wird, lässt sich als Folge von Torfabbau und der geplanten, unter dem Höhenniveau des Bohlenweges liegenden Wiedervernässung des Moores nicht an Ort und Stelle bewahren. Daher wird der Weg im Rahmen einer Notbergung ausgegraben. Im Zuge der Grabungen durch eine in Vechta ansässige Grabungsfirma werden aber die neuesten Methoden zur Dokumentation eingesetzt. Mit den qualitätvollen Drei-D-Ansichten wird es anschließend möglich sein, den Weg zumindest virtuell wiederauferstehen zu lassen.

Das Ausgrabungsprojekt ist das größte, das seit Jahrzehnten an einem Bohlenweg stattgefunden hat. Dabei sind nicht nur neue archäologische Funde zu erwarten, die gewonnenen Daten werden auch neue Informationen zur Landschaft und Landnutzung vor 2000 Jahren beinhalten.

Das Ziel des Projektes ist es, die Ergebnisse der Ausgrabung erlebbar zu machen. Eine moderne Rekonstruktion des Bohlenweges soll in Form einer ein Kilometer langen „Moorloipe“ zu einer Aussichtsplattform führen, von der aus ein Stück natürlich erhaltene Moorfläche, die sogenannte „Heile-Haut-Fläche“ überblickt werden kann, in der der Bohlenweg auch in Zukunft erhalten bleiben wird. Am Wegesrand der „Moorloipe“ sollen breitgefächerte Informationen über die kulturhistorische Bedeutung des Weges, den Lebensraum Moor sowie die Bedeutung des Moores für den Klimaschutz vermittelt werden.

Info
Die vermoorte Geestniederung, die sich zwischen Lohne und Diepholz und dem Dümmer See im Süden erstreckt, erreicht in Nord-Süd-Richtung eine Länge von fast 50 Kilometern, während sie in Ost-West-Richtung stellenweise eine Breite von zwei bis drei Kilometern aufweist. Seit der Steinzeit suchten die Menschen dieses Hindernis mit dem Bau von Bohlenwegen zu überbrücken – bis heute wurden 20 solcher Wege aus der Zeit zwischen etwa 3000 v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Der Bohlenweg Pr 6, der das Moor über eine mehr als vier Kilometer lange Strecke durchquerte, zählt zu den längsten Bohlenwegen Nordwestdeutschlands. Er führte von der Südseite eines weit ins Moor ragenden Mineralbodensporns, der Lindloge, in südwestliche Richtung auf eine nördlich von Kroge gelegene mineralische Erhebung zu. Der um 50 v. Chr. gebaute Weg hebt sich durch seine Länge, seine Konstruktionsweise sowie durch die Qualität der Funde ab.

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