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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 30.01.2005

Rubrik: Kolumnen

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Guten Tag

Edda Hagebölling Foto: DH
Edda Hagebölling Foto: DH
Edda Hagebölling

Mit der Erkenntnis, dass es Dinge gibt im Leben, die man nicht verstehen muss, kommt man in der Regel ganz gut zurecht. Wie oft trifft man auf Begebenheiten oder Entscheidungen, die auch nach sorgfältiger Erwägung der Umstände beim besten Willen nicht nachvollziehbar scheinen. Manchmal ist es aber auch schlicht eine Frage des Alters, die zwei Welten aufeinander prallen lässt. Der „Fall Pocher“ ist dafür ein prima Beispiel. Da pöbelt ein junger Mann, der bereits durch derbe Werbesprüche auf sich aufmerksam gemacht hat, vor laufender Kamera und einem Millionen-Publikum herum, und es scheint klar: Damit hat sich dieser hoffnungsvolle Nachwuchs-Moderator selbst ins Abseits befördert, ist als Werbefigur untragbar geworden. Doch offenbar weit gefehlt. Während ein Teil der Fernseh guckenden oder Zeitung lesenden Zeitgenossen genau dieser Meinung ist, bringt eine mindestens ebenso große Zahl von Mitmenschen Verständnis für diesen jungen Mann auf, ja, sieht sogar im Opfer seiner Pöbeleien die wahre Schuldige. Verkehrte Welt? Eine Frage des Alters? Opfer der in zahllosen Sendungen vorgelebten Streitkultur?... Man muss eben nicht alles verstehen im Leben. Beruhigend dagegen die Beobachtung, dass sich gerade gestern besonders viele junge Leute im Nienburger Rathaus mit der Thematik „Nationalsozialismus“ auseinandergesetzt haben. War man zwischenzeitlich schon geneigt, dafür zu plädieren, auch in Nienburg die Gedenkveranstaltungen rund um das Thema Holocaust doch endlich zu reduzieren, haben gerade die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate die Einsicht reifen lassen, dass das Schicksal der jüdischen Bevölkerung gar nicht oft genug thematisiert werden kann. Dabei bildet der Umgang mit den rechten Kräften allerdings eine ständige Gratwanderung. Widmet man ihrem Treiben zu viel Aufmerksamkeit, macht man sie nur zusätzlich interessant, lässt man sie jedoch gewähren, leistet man ihrem Tun ebenfalls Vorschub.

Einen schönen Sonntag, womöglich verbunden mit einem Spaziergang zum „Heisenhof“, wünscht Ihre „HamS“.

Edda Hagebölling

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