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Rubrik: Kolumnen

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Amazon Echo Look, Kamera mit Stil-Berater.
Oliver Hartmann

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„Hey Alexa, was ziehe ich heute an?“

Amazon Echo Look, Kamera mit Stil-Berater.
Ama­zon Echo Look, Ka­mera mit Stil-Be­ra­ter. Foto: Amazon

Vor zwei Wochen hat Kollege Timo Schwiersch an dieser Stelle von seiner neuen Mitbewohnerin Amazon Echo berichtet und wie sie sein Leben bereichert hat. Die Integration der Software in einen kleinen Lautsprecher ist erst der Anfang für Amazon, die Technik dahinter soll an Firmen lizenziert werden. Denkbar sind zum Beispiel Kühlschränke, denen ihr gleich die nächste Online-Bestellung aufgeben könnt.

Amazon selbst hat jetzt Amazon Look vorgestellt. Eine Kamera, die in Modefragen berät. Die Idee dahinter ist, dass Nutzer sich in zwei verschiedenen Outfits vor die Kamera stellen. Durch maschinelles Lernen und Input von Modespezialisten soll Alexa dann eine Empfehlung aussprechen. Das System soll laut Amazon-Angaben mit der Zeit dazulernen und immer bessere Ratschläge abgeben. Die üblichen Funktionen von Amazon Echo kann die Kamera natürlich auch.

Ich habe aus mehreren Gründen ein Problem damit. Zunächst fällt mir die Sicherheitsproblematik ein. Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, wenn ein mit Kamera bestücktes Gerät mit Netzanbindung in meinen vier Wänden steht. Generell besteht bei derartiger Technik immer die Gefahr eines Missbrauchs durch Dritte. Amazon bekommt zudem mehr Informationen, als Nutzer es zunächst glauben. Durch die Ganzkörperaufnahmen sind leicht Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand oder die aktuelle Stimmung und psychische Verfassung des Nutzers möglich. Amazon kann diese Informationen dazu nutzen, besser passende Werbung auszuliefern und so den Absatz zu steigern. Aktuell ist dabei auch noch unklar, ob Amazon diese Daten an Dritte weitergeben wird.

Müssen wir hier mit den gleichen Vorurteilen und Idealen zurechtkommen, die Mode-Ikonen auch in Formaten wie „Germany's Next Topmodel“ predigen?

Die durch die Kamera angefertigten Bilder und Videos will Amazon standardmäßig auf unbestimmte Zeit speichern. Das wird bei Behörden Begehrlichkeiten hinsichtlich möglicher Überwachungen wecken, warnen Sicherheitsexperten. In der Vergangenheit hatte sich Amazon klar geweigert, entsprechende Daten der Geräte herauszugeben. Also schauen wir doch einfach auf den eigentlichen Verwendungszweck, der Modeberatung. Wie gut kann die Beratung durch eine Künstliche Intelligenz sein, die eine Meinung auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen abgibt. Müssen wir hier mit den gleichen Vorurteilen und Idealen zurechtkommen, die Mode-Ikonen auch in Formaten wie „Germany's Next Topmodel“ predigen? Hierzu fällt mir noch meine erste Erfahrung mit dem Balance Board für die Nintendo Wii ein. Als ich seinerzeit auf das Board stieg, beschimpfte mich die Software, ich sei zu schwer. Ich war beleidigt und rührte das doofe Stück Technik nie wieder an.

Ich stehe neuer Technik normal sehr aufgeschlossen gegenüber. Bei Amazon Echo fehlt mir persönlich lediglich der sinnige Verwendungszweck. Bei Amazon Look bekomme ich hingegen eher Angst. Ich werde also auch zukünftig lieber einen guten Freund mitnehmen, um zu beurteilen, wie groß mein Hinterteil in der neuen Jeans aussieht. Wie seht ihr das?

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