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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 14.05.2017

Rubrik: Kolumnen

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Nienburg

Kleine Meise

Edda Hagebölling
Edda Ha­ge­böl­lingFoto: DH

Wochenlang haben sie sich die Seele aus dem Leib geflogen, die beiden kleinen Meisen, die sich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang damit abwechselten, ihre Jungen mit kleinen Würmchen zu versorgen. Immer wieder haben sie mächtig geschimpft, wenn die Bewohnerin des Hauses es wagte, sich auf der Terrasse blicken zu lassen. Oder wieder einmal die schwarze Katze direkt unter dem stylischen Nistkasten saß. Vermutlich in der Hoffnung, dass ihr einer der kleinen Piepmätze direkt ins Maul plumpsen würde. Jetzt ist wieder Ruhe auf der Terrasse. Kein Gefiepe mehr im Meisenkasten und auch keine Meiseneltern, die im Akkord hin und her fliegen. Hoffentlich sind ihre Kinder wohlauf.

Der NABU hat an diesem Wochenende dazu aufgerufen, die Vögel zu zählen, die im heimischen Garten anzutreffen sind. Und unter www.nabu.de zur Sicherheit noch einmal die Piepmätze abgebildet, die uns im heimischen Garten begegnen könnten. Blaumeise, Kohlmeise, Rotkehlchen, Buchfink, Amsel...

Super interessant auch die Führung, zu der der BUND am vergangenen Sonntag in den Nienburger Bruch eingeladen. Bei optimalem Wetter streiften rund 20 Interessierte unter Leitung von Erk Dallmeyer rund drei Stunden lang durch das weitläufige Waldgebiet, um heimische Schmetterlinge kennenzulernen. Mit Erfolg. Worte wie Aurorafalter, Waldbrettspiel oder Bläuling gehen einem seitdem viel leichter über die Lippen.

Und selbst dem Laien ist an diesem Tag noch einmal klar geworden, wieviel ärmer die Welt wäre, wenn es all die kleinen Wunderwerke der Schöpfung, die um uns herum kreuchen und fleuchen, eines Tages nicht mehr gäbe.

„Unsere fleißigsten Mitarbeiter sind die Hummeln.“ Mal ehrlich: Haben Sie schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit aus den Blüten an die Bäumen und Sträuchern leckeres Obst werden kann?
Damit die Erdbeeren im geschützten Anbau unter dem Tunnel besser gedeihen können, haben die Familien Stute und Brodthage in Wendenborstel Hummelvölker gekauft. Für jeden Tunnel eins. Hummeln machen sich schon bei acht Grad auf den Weg, um Pollen zu sammeln. Und so ganz nebenbei die Blüten der anderen Erdbeerpflanzen zu bestäuben. Ohne Hummel wäre die Erdbeere nur halb so lecker. Wieder was gelernt.

Was bei dem Besuch in Wendenborstel aber auch deutlich wurde: bis die Erdbeere im Hofladen, auf dem Wochenmarkt oder im Geschäft landen kann, ist ganz viel Arbeit investiert worden. Arbeit, die nur von Hand erledigt werden kann. Wenn der Landwirt im Ort weiter existieren soll, müssen seine Produkte nun mal ihren Preis haben, so Heike Stute. Wegen des Mindestlohns, aber auch wegen eines verantwortungsbewussten Umgangs mit den Pflanzen.

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