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Rubrik: Kolumnen

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Höhlen ausbauen und Felder bestellen, um seine Zwerge zu ernähren muss man bei Caverna - die Höhlenbauern.
Timo Schwiersch
Der Großteil unserer Spiele steht in drei Regalen im Keller.

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Volles Brett

Höhlen ausbauen und Felder bestellen, um seine Zwerge zu ernähren muss man bei Caverna - die Höhlenbauern.
Höhlen ausbauen und Felder bestellen, um seine Zwerge zu ernähren muss man bei Caverna - die Höhlenbauern.Foto: Ines Schwiersch

In Amerika fallen Brettspiele bis heute eher in die Kategorie Kinderspielzeug und sind unter Erwachsenen oft verpönt. Wer trotzdem gerne spielt, hat seinen Stempel als „Nerd“ schnell weg. Zu meinem Glück hatten und haben die Deutschen eine etwas andere Sicht auf die Dinge, so dass Spiele hierzulande zwar nie die breite Masse erreichen konnten, aber auch unter Erwachsenen gesellschaftlich immer akzeptiert waren und inzwischen sogar in Mode kommen.

Meine Brettspiel-Vergangenheit begann in frühester Kindheit in den 80er Jahren mit Klassikern wie Monopoly, Mühle, Halma und Mensch-ärgere-dich-nicht. Spiele, mit denen fast jeder schon einmal in Kontakt gekommen ist und an die man verklärt-romantische Erinnerungen hat. Aus heutiger Sicht allerdings können sich diese Brettspiel-Dinosaurier nicht mehr mit dem messen, was der Spielemarkt in den letzten Jahren an fast schon revolutionären Neuheiten entwickelt hat.

Frust war gestern

Wer früher bei Mensch-ärgere-dich-nicht kurz vorm Zuhause rausgeworfen wurde oder partout keine Sechs würfeln konnte, um ein Männchen ins Spiel zu bringen, der weiß, was Spielfrust bedeutet. Doch die Zeiten sind größtenteils vorbei. Heutzutage bieten Brettspiele oft viele Möglichkeiten und hohen Wiederspielwert bei niedrigem Frustfaktor, so dass auch die Verlierer nicht mit einem schlechten Gefühl vom Tisch aufstehen.

Ich vermute, der Wandel am deutschen Brettspielmarkt war irgendwann in den 90ern, rund um das Erscheinen von „Die Siedler von Catan“. Ein Spiel, das schnell erklärt war und dennoch genug Raum für Taktik und Strategie bot. Damals entdeckten viele das Spielen für sich, hielten über die Jahre an diesem Interesse fest, und dürfen sich aktuell über zahlreiche neue innovative Spielmechaniken freuen.

Neue Spielmechaniken bereichern den Markt

Relativ neu am Markt sind die Exit-Spiele, die im vergangenen Jahr auch zum „Spiel des Jahres“ gekürt wurden. In Anlehnung an den Boom der Escape-Räume (auch hier in Nienburg) gibt es den Nervenkitzel, Rätsel im Team und unter Zeitdruck lösen zu müssen, nun auch für zu Hause. Nachteil: die Spiele können nur einmal gespielt werden, sind dafür aber recht günstig.

Ebenfalls stark im Kommen sind sogenannte „Legacy-Spiele“, bei denen sich Regeln und Spielbrett im Laufe der Partien dauerhaft verändern, zum Beispiel indem während des Spielens Aufkleber auf dem Spielbrett angebracht werden. Nach einigen Partien hat man so ein Spiel „entwickelt“, das in dieser Zusammenstellung vermutlich kein anderer Spieler auf der Welt hat. Und das Spielmaterial erst nach und nach auspacken zu können, und dann mitzuentscheiden, wie sich das Spiel verändert, hat einen ganz besonderen Reiz. Bekannter Vertreter dieses Genres ist das recht neue Spiel „Charterstone“, dessen liebevoll gestaltete Spielwelt ich derzeit mit meiner Frau Ines gemeinsam entdecke.

Die Preise sind zu niedrig

Lösen müssen wir uns hierzulande nur noch von der Vorstellung, dass Spiele günstig sind und sein müssen. Qualität hat nun mal ihren Preis, und für ein Spiel, das mir stundenlangen Spielspaß bereitet, gebe ich auch gerne 70 Euro oder mehr aus. Gerade vor wenigen Tagen hat es übrigens ein neues Spiel geschafft, den Spitzenplatz „Bestes Spiel der Welt“ auf der Internet-Bewertungsplattform „BoardGameGeek“ für sich zu beanspruchen: Gloomhaven – sein Preis: stolze 150 Euro.

Wir suchen dich!

Apropos 150: in unserem Spieleregal tummeln sich mittlerweile rund 150 Spiele, von Neuheiten bis Klassikern. Daher hier eine kleine Aufforderung: wenn du dich ebenfalls für Spiele begeisterst, kannst du mich gerne bei Facebook anschreiben. Wir freuen uns immer über neue Mitspieler. Oder du schaust einfach mal beim Landesberger Brettspielclub vorbei, zu dem auch wir vor wenigen Monaten gestoßen sind. Der trifft sich immer am ersten und dritten Freitag im Monat um 20:00 Uhr in der Landesberger Mühle und veranstaltet regelmäßig Aktionstage mit Neuheiten aus der Welt der Brettspiele.

In einer Welt, in der die Jugend immer mehr in digitalen Welten versackt, freue ich mich, dass es immer mehr Fans gibt, die sich gemeinsam an den guten alten Holztisch setzen statt vor einen Monitor. Und was ist mit dir? Das Abenteuer wartet!

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