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Erschienen in der HARKE von Dienstag, dem 21.03.2017 auf Seite 20

Rubrik: Nienburg & Umgebung

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Nienburg

„Engagierten den Rücken stärken“

Eröffnung der Ausstellung „PerspektivWechsel“ an der VHS Nienburg

Andrea Müller referierte bei der Eröffnung.
Andrea Müller referierte bei der Eröffnung.Foto: WABE

Kürzlich fand die Eröffnung der Ausstellung „PerspektivWechsel“ des gleichnamigen Jugendprojektes des Weser-Aller-Bündnisses (WABE) an der Volkshochschule Nienburg in Verbindung mit einem Fachvortrag von Andrea Müller zum Thema „Anforderungen an eine ernstzunehmende politische Beteiligung von Jugendlichen“ statt.

Eröffnet wurde die Ausstellung durch VHS-Leiter Dieter Labode und Vera Hilbich, vom Jugendprojekt „PerspektivWechsel“. Hilbich stellte zunächst das Projekt vor, das das Ziel hat, Bildungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene zu den Themen Rassismus, Neo-Nazismus und Diskriminierung anzubieten und umzusetzen. Gleichzeitig setzt sich das Projekt für die Förderung eines positiven Bildes von Menschen mit Migrationsgeschichte ein, teilt WABE mit.

Überall höre man es von Eltern, Lehrern, Politikern, in der Zeitung, im Fernsehen: „Die Jugendlichen von heute sind desinteressiert, engagieren sich nicht und haben kein Interesse an Politik.“ Die Ausstellung solle diesem oft stereotypen Bild von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein vielfältiges Bild der Lebensrealitäten von jungen Menschen vor Ort entgegensetzen.

Der Referent Andrea Müller erläuterte den etwa 30 Personen im Publikum die Frage nach den Anforderungen an eine ernstzunehmende politische Beteiligung von Jugendlichen. Oft ist laut Müller die erste Erfahrung, die man als junger Mensch mache, dass, wer sich einmische, Ärger bekomme. Das Ziel von Erwachsenen sollte es sein, ein Signal zu geben, dass die Interessen der jungen Menschen gehört worden sind und bestenfalls zu einem demokratischen Diskurs führen. Denn, diejenigen, die positive Erfahrungen mit Beteiligung gemacht hätten, seien stärker in der Lage, demokratische Werte in ihren Interessenbekundungen einzubauen. Umgekehrt neigten die „Sündenböcke“, also die, die schlechte Erfahrungen oder Ärger mit Beteiligung verbinden, eher dazu, autoritäre Lösungen zu bevorzugen.


Positive Beteiligungserfahrungen sind ein Beitrag zur Sicherung und Entwicklung von demokratischen Lebensformen.

Laut Müller sind Menschen, die wenig Bindung zur Demokratie oder negative Erfahrungen mit demokratischer Beteiligung gemacht haben, offener für „alternative“ Angebote, wie autoritäre Systeme.

Um einen ergebnisoffenen Lernprozess zu ermöglichen, sollte man neue Perspektiven in Entscheidungsprozesse einbringen lassen und Engagierten den Rücken stärken. Andere Perspektiven würden für alle andere Einschätzungen und Wahrnehmungen bringen. Bei Beteiligung gehe es auch immer um die Abgabe von Macht. Damit Partizipation gelingen könne, müsse die Bereitschaft zur Abgabe von Macht bestehen und Machtverhältnisse thematisiert werden. Wichtig sei dabei auch eine Kommunikation auf Augenhöhe. Müller schloss mit dem Appell: „Positive Beteiligungserfahrungen sind ein Beitrag zur Sicherung und Entwicklung von demokratischen Lebensformen.“

Im Anschluss fand eine Diskussion mit dem Referenten statt, bei der unter anderem als wichtig erachtet wurde, dass Jugendliche in der Politik nicht nur angehört, sondern auch über den Stand der Bedürfnisse auf dem Laufenden gehalten werden müssten. Dabei sei es ebenfalls wichtig, dass dies zeitnah geschehe. Was bringe es beispielsweise für eine 14-Jährige, die sich für den Bau einer Skaterbahn engagiere, die dann in sechs Jahren gebaut werde?

Aber auch das Selbstverwalten von Geldern durch Jugendliche, wie durch den WABE-Jugendaktionsfonds, könne das demokratische Engagement von Jugendlichen fördern und bringe eine Anerkennung dessen mit sich. Die Ausstellung kann kostenfrei ausgeliehen werden und soll dieses Jahr durch die beiden Landkreise Verden und Nienburg touren.

Weitere Infos finden sich unter www.wabe-info.de. Wer die Ausstellung gerne in einer Institution, einer Schule oder im Verein zeigen möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse wenden an info@wabe-info.de.

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