Landkreis widerspricht dem Referenten

Flächenverlust Thema beim 13. Adventsgespräch des Landwirtschaftlichen Vereins Nienburg

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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 23.12.2012

Rubrik: Lokalnachrichten

Nienburg (DH). „Flächenverbrauch geht alle an“, sagte Dr. Frank Schmädeke, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Vereins Nienburg, eingangs in seinem Vortrag. Der Druck auf landwirtschaftliche Flächen war das Thema des 13. Adventsgesprächs, das jetzt im Blattpavillon der Deula Nienburg stattfand.

„In den letzten 15 Jahren haben wir 4 800 Hektar an landwirtschaftlicher Fläche im Landkreis Nienburg verloren“, sagte Schmädeke. „Das sind 0,88 Hektar pro Tag, die unwiederbringlich der landwirtschaftlichen Nutzung verloren gehen, der Trend scheint ungebrochen.“

Ansätze zur Verringerung des Verbrauchs lieferte Gastreferent Prof. Dr. Albrecht Mährlein von der Fachhochschule Kiel. Von 1992 bis 2009 beobachtete er bundesweit eine stetige Abnahme der landwirtschaftlichen Nutzfläche, während der Anteil von Verkehrs-, Wald- und Siedlungsflächen wuchs. In diesem Zeitraum machte er im Gebiet der Bundesrepublik einen Verlust von 126 Hektar pro Tag aus. „Bei einem Weizenertrag von 75 Dezitonnen pro Hektar, entspricht das etwa 345.000 Tonnen jährlich“, rechnet Mährlein vor.

Er kritisierte den ungebrochenen Zuwachs naturschutzrechtlicher Kompensationsflächen, über die fehlende statistische Erfassung dieser Flächen. Diesen Vorwurf ließ sich in der anschließenden Diskussion Klaus Gänsslen, Fachdienstleiter Naturschutz beim Landkreis, nicht gefallen: „In unserer Naturschutzbehörde gibt es seit Ende der 1990er Jahre ein Kompensationskataster.“ Auch Thomas Schwarz, Baudezernent des Landkreises, erklärte einige der vorgetragenen Äußerungen für „nicht zutreffend in Nienburg.“ „Vielleicht sollte der Landkreis Nienburg in künftigen Vorträgen als einer der Landkreise benannt werden, die in Sachen Kompensation bereits jetzt mit Transparenz und Augenmaß vorangehen“, schlug Schmädeke dem Referenten vor.

Überspitzt machte Mährlein an einem weiteren Beispiel deutlich, dass es bei derzeitigem Flächenverbrauch einschließlich des Verbrauchs durch entsprechende Ausgleichsflächen in 155 Jahren keine landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr gäbe. Als Ansatz zur Verringerung des Flächenverbrauchs fordert er den Abbau rechtlicher Hürden bei der Nutzung von Industriebrachen und schlägt eine „Abwrackprämie“ für nicht mehr benötigte Gebäude vor. Er halte viele bestehende Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen für naturschutzfachlich fragwürdig. Da die Landwirtschaft an gesellschaftlicher Bedeutung verliere, würde vielerorts dementsprechend auch über die Flächennutzung entschieden.

Dr. Frank Schmädeke machte nochmals deutlich, dass der Landkreis Nienburg im Hinblick auf einen durch Kompensation bedingten Flächenverbrauch offenbar schon jetzt besser dastehe, als viele andere Landkreise in Niedersachsen.

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