Autor

Zum Artikel

Veröffentlicht am

Erschienen in der HARKE von Donnerstag, dem 14.09.2017 auf Seite 16

Rubrik: Nienburg & Umgebung

Fotos

Die Aktiven am Grubenhaus.
Ulrich Klages (links) bei der Präsentation von „Macht und Pracht“.

Anzeige

Liebenau/Steyerberg

Leben wie im frühen Mittelalter

Archäologie-Verein „Rauzwi“ lud ins Grubenhaus des altsächsischen Gräberfeldes ein

Die Aktiven am Grubenhaus.
Die Aktiven am Grubenhaus.Foto: Rauzwi/Klages

Auf gleich zwei Veranstaltungen gab der Verein „Rauzwi – Lebendige Archäologie Mittelweser“ am landesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag einen umfangreichen Einblick in seine Aktivitäten.

In den vergangenen sechs Wochen hatten archäologische Grabungen auf einer Fläche an der Steyerberger Straße stattgefunden. Hier konnte nun die Öffentlichkeit über die Ergebnisse dieser Arbeit sowie über das Thema Archäologie im allgemeinen informiert werden. Die erste Vorsitzende des Vereines, Gundula Tessendorff sowie der Grabungsleiter Tobias Scholz standen für alle Fragen Rede und Antwort. Selbstverständlich gab es auch Führungen über das Ausgrabungsgelände.

Am etwa einen Kilometer entfernten altsächsischen Gräberfeld hatte der Verein im vergangenen Jahr ein sogenanntes Grubenhaus errichtet. Unter dem diesjährigen Museumsmotto „Macht und Pracht“ wurde dieses am Sonntag von Geschichtsdarstellern „belebt“. Die ehrenamtlichen Mitglieder Sandra und Michael Wiemann, Melanie Vogt, Kathrin Homann sowie Ulrich Klages begrüßten die Besucher an diesem Tag in historisch korrekt nachempfundener Bekleidung und brachten ihnen das Leben in der Spätantike sowie des frühen Mittelalters nahe.

In einer Erdesse schmiedete Michael Wiemann das Eisen und fertigte einige Haken und weitere Metallteile vor Ort an. Im Grubenhaus selbst ging es um das Thema Textilherstellung. Hier hatten die Aktiven eine frühmittelalterliche Webstube mit einem Gewichtswebstuhl eingerichtet, deren Funktion von Kathrin Homann erläutert wurde. Weitere Methoden von textilen Techniken wurden von Sandra Wiemann an einem zweiten Webstuhl außerhalb des Grubenhauses anschaulich erklärt.

Zum Thema „Macht und Pracht“ präsentierte Ulrich Klages seinen handgewebten Prachtmantel sowie einen Sax, ein einseitig geschliffenes Hiebschwert. Beide Exponate sind nach archäologischen Fundlagen rekonstruiert worden. Sie griffen das Museumsthema hervorragend auf und wurden von den etwa 100 Besuchern an diesem Tag ausgiebig bestaunt.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages war eine zweistündige Führung über das altsächsische Gräberfeld. Anhand „mobiler Gräber“ konnte Ulrich Klages den etwa 30 Teilnehmern das Leben und die Lebensverhältnisse der Menschen in der damaligen Zeit plastisch vor Augen führen. Er unterstrich hierbei die kulturhistorisch wichtige Bedeutung dieses im Jahr 1953 entdeckten Gräberfeldes, dass eine kontinuierliche Belegungszeit vom 4. bis zum 9. Jahrhundert aufweist.

Das Interesse war groß. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über die frühe Geschichte vor den Toren von Liebenau und Steyerberg zu informieren. Dabei konnten sie sich auch mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen stärken. Viele Besucher waren positiv beeindruckt über das Wissen und Engagement der Vereinsmitglieder und äußerten den Wunsch, den weiteren Aufbau der frühmittelalterlichen Hofanlage zu verfolgen.

Beworben wurden beide Aktionen von „Rauzwi“ auch in der „Denkmaltour“ des Landkreises Nienburg, der gemeinsam mit der Samtgemeinde Liebenau, dem Flecken Steyerberg, dem ADFC und den Denkmaleigentümern eine geführte Fahrradtour zu diesen sowie weiteren Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals angeboten hatte.

Kommentare

Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen Kommentar abgeben zu können.