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Rubrik: Nienburg & Umgebung

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Bild der beschädigten Glocke
Text des Bekennerschreibens

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Schweringen

Hakenkreuz aus Glocke geflext

Stellungnahme der Landeskirche Hannovers zur Entfernung des Hakenkreuzes und des Schriftzugs von der Glocke in Schweringen

Bild der beschädigten Glocke
Bild der beschädigten GlockeFoto: Lechler/Landeskirche Hannover

Wie bereits berichtet haben Unbekannte vor Ostern das Hakenkreuz aus der Schweringer Glocke geflext. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat hierzu nun Stellung genommen.

Am Abend des Gründonnerstags, 29.03.2018, setzte der für die Kapellengemeinde Schweringen zuständige Pastor Axel Hellwege aus Balge den Superintendenten des Kirchenkreises Nienburg, Martin Lechler, über folgenden Vorgang in Kenntnis: Er habe am Donnerstagabend entdeckt, dass von der Glocke im Glockenturm der Schweringer Kapelle das Hakenkreuz wie auch der Schriftzug „dies Kreuz gab Gelingen half Zwietracht bezwingen" entfernt worden seien. An der Kapellentür hing ein Bekennerschreiben.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers prüft aktuell, wie mit der Sachbeschädigung der Glocke umzugehen ist. Zudem wird ein Sachverständiger untersuchen, inwieweit die Beschädigung den Klang der Glocke verändert.

Sorgfältig prüfen, welche rechtlichen Schritte zu ergreifen sind

Dr. Petra Bahr (Hannover), Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover, zu dem auch Schweringen gehört, sagt: „Die Gemeindeglieder und die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde, aber auch der gesamte Ort Schweringen haben in den letzten Wochen und Monaten sehr intensiv über den weiteren Umgang mit der Glocke diskutiert. Aufgrund des langwierigen Diskussionsprozesses und der strittigen Entscheidung, die Glocke weiterläuten zu lassen, kann ich einerseits nachvollziehen, wenn jetzt Fakten geschaffen worden sind. Andererseits sehe ich die Verantwortlichen in der Kapellengemeinde unverändert in der Pflicht, die Aufarbeitung der Geschichte der Schweringer Kirchenglocke weiterzuführen. Als Landeskirche werden wir jetzt sorgfältig prüfen, ob und ggf. welche rechtlichen Schritte jetzt zu ergreifen sind.“

Kurze Übersicht der bisherigen Ereignisse

Im September 2017 wurde bekannt, dass im Turm der Kreuz-Kirche in Schweringen eine Glocke mit Hakenkreuz und nationalsozialistischer Inschrift hängt. Die Kirchengemeinde hatte daraufhin die Glocke vorläufig außer Betrieb gesetzt, was im Ort und darüber hinaus für Diskussionen sorgte.

Am 14. März 2018 beschließt der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Balge, zu der die Kapellengemeinde Schweringen gehört, die Glocke wieder in Betrieb zu nehmen.

Am 16. März 2018 beanstandet der zuständige Pastor Jann-Axel Hellwege den Beschluss zur Aufhebung der Stilllegung sowie den Beschluss, die Glocke nicht zu ersetzen und macht Verfahrensfehler geltend. Die Beanstandung hat zur Folge, dass der Beschluss, die Glocke wieder in Betrieb zu nehmen, vorerst nicht ausgeführt werden kann. Die Stilllegung der Glocke bleibt daher bis zur abschließenden Klärung des Beanstandungsverfahrens bestehen.

Das Beanstandungsverfahren läuft zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch.

Kommentare

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Bereits abgegebene Kommentare:
  • Matthias Schulz
    Matthias Schulz am 04.04.2018 um 09:52 UhrDas Hakenkreuz ist für mehr als 1 Mrd. Menschen ein religiöses Symbol, u.a. für den Dalai Lama. Das muss man natürlich abflexen, denn hier herrscht nur die Kultur der BRD.
  • stephan räcke
    stephan räcke am 03.04.2018 um 22:35 UhrAlex Müller, WIR haben die Geschichte nicht vergessen, wir haben die Meinungsdiktatur der Nazis nicht vergessen, und WENN man vor etwas "Angst und Bange" sein muß, dann vor dieser menschenfeindlichen Ideologie, die ja wieder viele Fans hier hat. Abgesehen davon ist die Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eine Straftat (§86a StGB), die Sie offensichtlich nicht stört. Das läßt tief blicken...da ist sie wieder, die typisch rechte Doppelmoral.
  • J.H. V.
    J.H. V. am 03.04.2018 um 22:23 UhrAuf ähnliche Weise hat man nach dem Krieg überall die Hakenkreuze entfernt, in der Aula meiner Almer Mater kann man auch heute noch sehen wo mittels Flex aus einem Hakenkreuzverzierten Geländer ein unverfängliches Muster gemacht wurde. Insofern ist die Modifikation der Glocke eigentlich historisch korrekt, nur 70 Jahre zu spät durchgeführt worden. Damals hätte auch niemanden interessiert, ob die Glocke anschließend noch identisch klingt, Hauptsache, sie bimmelt.
  • Birk  Czifra
    Birk Czifra am 03.04.2018 um 19:01 UhrDankeschön. Wenn Restauration dann sicher ohne Hakenkreuz.
  • Harry Boeck
    Harry Boeck am 03.04.2018 um 18:53 UhrNa ja: Mit dieser Modifikation ist der historische Denkmalscharakter dieser Glocke nur umso reicher geworden. Photos vom früheren Zustand sind ja vorhanden. Es ist nicht so, dass durch die Modifikation irgendetwas, von dem irgendeine Person an irgendeinem Ort dieser Welt in irgendeiner Weise abhängen würde, zerstört wurde. Man KANN diesen Akt also auch durchaus als einen Akt des zivilen Widerstands aus der Bevölkerung begreifen. Nicht von 99% der Bevölkerung gegen einzelne böse Herrscher, aber durchaus von WESENTLICHEN Teilen der Bevölkerung gegen einen bürokratischen Apparat. Da die Glocke auch keinen Handelswert etwa auf dem Kunst-Schwarzmarkt gegenüber Alt-Nazis oder so hat, kann ich hier auch keine Wertminderung am künstlerischen Wertanteil erkennen. Fazit: Ich empfehle, diese Aktion mitnichten zum Ausbruch eines Bürgerkrieges zu missbrauchen, sondern schlicht ihren Wert als Geschichtsaufarbeitung anzuerkennen und mit einer ordentlichen Dokumentation im Kirchengebäude allen zukünftigen Interessierten eine vollständige Geschichte der Glocke zu präsentieren - einschließlich bis zu den letzten Ereignissen, die ja nun in ganz Deutschland reflektiert wurden. Damit braucht Ihr die Glocke WEDER abreißen NOCH umbauen, um es letztlich doch allen gerecht zu machen.
  • Holger Gensicke
    Holger Gensicke am 03.04.2018 um 18:21 UhrSich 'Antifa' nennen, aber durch und durch 'Fa' sein. 'Frühjahrsputz' ist der Ausdruck des Schwarzen Blocks für ihre kriminellen Aktivitäten. Diese Linksfaschisten begreifen den Unterschied zwischen Legalität und Legitimität nicht. Das macht sie zu Feinden des Rechtsstaates. Hoffentlich wird Strafanzeige gestellt, damit polizeiliche Ermittlungen beginnen können.
  • Wilfried Hölscher
    Wilfried Hölscher am 03.04.2018 um 18:13 UhrHerzlichen Glückwunsch zu der gelungenen Aktion - lieber Sachbeschädigung zur Entfernung radikalen Gedankenguts als Hakenkreuzläuten! Mit Kultur-GUT hat diese Glocke nichts zu tun - als historisches Dokument hätte sie ja in ein Museum wandern und dort mahnen können...
  • Kai Schmitt
    Kai Schmitt am 03.04.2018 um 17:28 UhrEvangelisch halt. Dem Zeitgeist damals wie heute treu ergeben.
  • Sascha Powalowski
    Sascha Powalowski am 03.04.2018 um 17:02 UhrGute Arbeit! Respekt!
  • Le Tapir
    Le Tapir am 03.04.2018 um 16:23 UhrEs handelt sich um einen politischen Anschlag auf ein historisches Relikt aus der NS-Diktatur, das einen Denkmalwert hat und gegeignet ist, uns etwas über das Verhältnis von Kirche und Nationalsozialismus zu lehren. Auch andere historische Glocken berichten von den Zeitumständen ihrer Entstehung. Das kann - und sollte - man heute kommentieren und einordnen. Die Leute, die so etwas eigenmächtig zerstören und dabei Begriffe wie "Anstand" und "Säuberung" benutzen, merken gar nicht, wem sie nacheifern. Nicht nur den Nazis selbst, auch Taliban, IS und Co., die Kulturgüter und historische Monumente angriffen, die nicht in ihr Weltbild passten. Die Täter müssen gefunden und hart bestraft werden. Ich hoffe, die Glocke kann restauriert werden und wird in Zukunft besser geschützt. Wenn man in der Zeitung liest, dass die Täter vielleicht einen Schlüssel hatten, fragt man sich: Woher?
  • Jürgen Schulze
    Jürgen Schulze am 03.04.2018 um 16:02 UhrDanke. Eine richtige und gute Aktion. Ein selbstverständliche Aktion. Was für eine Schande, dass diese Glock noch 2018 hängen durfte. Welcher Alt-Nazi unter den Kirchgängern ist dafür alle die Jahre eigentlich verantwortlich gewesen? Der Name (und sein Symbol) eines Mannes, der der Meinung war, dass es eine gute Aktion sei, jüdische Kleinkinder zusammen mit ihren Müttern in Gemeinschaftsduschen mit Gas umzubringen, hat NICHTS auf einer Kirchenglocke verloren. Wären mal alle ab 1933 so mutig gewesen, vielleicht wäre Deutschland manches erspart geblieben. Nochmals, aus tiefster Seele: DANKE
  • Alex Müller
    Alex Müller am 03.04.2018 um 15:07 UhrHirnfreie Sachbeschädigung geschichtsvergessener Krimineller will einen demokratischen Beschluß torpedieren und bekommt dafür auch noch Beifall von offenbar ebenfalls kriminell gesinnten Leuten, die offenbar vergessen haben, daß die letzte Meinungsdiktatur noch gar nicht so lange her ist - und da soll einem nicht Angst und Bange werden...
  • Richard Vielhaber
    Richard Vielhaber am 03.04.2018 um 14:40 UhrAus ganzem Herzen: Danke!
  • eran elijahu ben joseph
    eran elijahu ben joseph am 03.04.2018 um 13:56 UhrDanke Mr/Mrs Flex Opa Eran Tel Aviv