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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 21.04.2019

Rubrik: Nienburg & Umgebung

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Nienburg

„Das Firmament färbte sich rot“

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: das ezidische Neujahrs- und Frühlingsfest „Roter Mittwoch“

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Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Texte... Foto: DHDie kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes. Foto: DH
Die gefärbten Eier erinnern laut Nurten Akan an die Vollendung der irdischen Schöpfung und den damit einhergehenden Be-g...
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Foto: DH
Die gefärbten Eier erinnern laut Nurten Akan an die Vollendung der irdischen Schöpfung und den damit einhergehenden Be-ginn des Lebens. Foto: DH
Die gefärbten Eier erinnern laut Nurten Akan an die Vollendung der irdischen Schöpfung und den damit einhergehenden Be-ginn des Lebens.
Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes. Foto: DH
Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes.

Das Neujahrs- und Frühlingsfest der Eziden steht im Mittelpunkt der heutigen Folge von „Willkommen in Nienburg“. Dazu schreibt CJD-Mitarbeiterin Nurten Akan:
„Çarsema Sor“ ist kurdisch und bedeutet „Roter Mittwoch“. Am 17. April beginnt das Neujahrs- und Frühlingsfest der Eziden. Das êzîdîsche Neujahr wird am ersten Mittwoch im April gefeiert, was nach êzîdîschem Kalender stets auch der erste Tag im Monat April und des neuen Jahres ist. Da der êzîdîsche Kalender dem in Deutschland gültigen gregorianischen Kalender um 13 Tage nachgeht, wird das Neujahresfest am ersten Mittwoch im Monat April gefeiert, der auf den 14. April des gregorianischen Kalender fällt oder danach.

Das Neujahr ist einer der wichtigsten und ältesten Festtage der Eziden. Genauso feiern in diesem Jahr in derselben Woche die Christen das Osterfest. Am „Roten Mittwoch“, so heißt es in der Ezidischen Mythologie, vollendet Gott die Schöpfung der Welt, und die ersten Sonnenstrahlen trafen auf die Erde. Das Firmament färbte sich daraufhin rot, woher sich der Name unter anderem herleitet. Die am Neujahr gefärbten Eier erinnern an die Ur-Perle, aus der das materielle Sein, Universum und alle Materie erschaffen wurde.

Das Neujahr steht auch im Zeichen des obersten der sieben Erzengel, Tawisi Melek, der die Kernlehre der Religion bildet. Der Mittwoch ist der Ruhetag der Eziden, welcher dem Erzengel Tawisi Melek zugeordnet ist. In der Heimat wurden anlässlich des Neujahresfestes von den Menschen Fackeln durch die Dörfer getragen, begleitet von Instrumenten und gesprochenen Texten. In diesem Monat findet traditionell keine Hochzeit statt. Diese Tradition wird bis heute, auch in der Diaspora, weitgehend eingehalten. Nach der Vorstellung der Eziden heiraten in diesem Monat die Engel.

Der Monat April wird bei den Eziden daher auch als Braut des Jahres bezeichnet. Auch soll der Boden, Acker und Weiden, nicht bewirtschaftet werden, damit die Natur sich erholen kann. Deswegen ist das Neujahrsfest auch zugleich ein Frühlingsfest. Im zentralen Heiligtum Lalish (Irak) entzünden die Eziden am Abend tausende von heiligen Lichtern. Am Roten Mittwoch werden von Würdenträgern die gesegneten rot weißen Frühlingsarmbänder, Bezinbar verteilt, die solange getragen werden, bis sie von alleine abfallen. Beim Umbinden spricht oder denkt man einen Wunsch aus. Wenn das Band alleine abfällt, geht der Wunsch in Erfüllung. Des Weiteren sollen an diesem Tag alte Feindschaften und Streitigkeiten beigelegt werden. Das Neujahrsfest nimmt man zum Anlass für einen Neubeginn belasteter Beziehungen. Die Erde, so sagt man, ist auf Basis der Liebe erschaffen. Ostern hingegen ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi.

„Çarsem“ besteht aus dem kurdischen „çar“ für Vier und „sem“ für Woche, damit ist der „vierte der Tag der Woche“ gemeint, der vergleichbar mit dem Aschermittwoch ist. Kurdisch „sor“ bedeutet rot. Einen Tag vor dem Roten Mittwoch werden die Vorbereitungen für das Neujahrsfest getroffen. Es wird in jeder Familie ein Opfer in Form eines Tieres, in der Regel ein Schaf, dargebracht, was ebenfalls zum Akitu-Fest der Babylonier getan wurde. Außerdem wird ein besonders Brot namens „Sewik” gebacken. Das Brot ist bei den Êzîden, sowie bei den Juden, etwas sehr Heiliges.

Es werden bunte Blumen an den Hauseingängen angebracht, womit Tawisî Melek und das Neujahr begrüßt werden sollen. Außerdem wird Erde mit Löwenzahn, Rosen usw. und Eierschalen vermischt und an der Haustür angebracht, was das ganze Jahr über Glück bringen soll. Ein weiterer Brauch am Tag vor dem roten Mittwoch ist das Färben von Eiern, sowie es die Christen zu Ostern tun. Das Färben von Eiern ist êzîdîschen Ursprungs. Im Êzîdentum haben diese gefärbten Eier eine besondere Bedeutung. Sie stellen die Ur-Perle dar, aus dessen Explosion das gesamte Universum entstanden ist.

Sie wird als SDur” bezeichnet. Die gefärbten Eier erinnern an die Vollendung der irdischen Schöpfung und den damit einhergehenden Beginn des Lebens. Die Schalen dieser Eier verteilen die Êzîden in der Heimat auf ihren Ackerflächen, um damit eine ertragsreiche Ernte zu erhoffen. In diesem Jahr fand das gemeinsame Feiern des Festes in Sulingen in der Nienburger Straße 23 und in Nienburg im Saal 2.000 statt.

Das Begegnungscafé St. Martin findet am Dienstag, 23. April, um 16 Uhr im Gemeindehaus St. Martin in Nienburg statt. Alle Menschen sind herzlich dazu eingeladen.

Dieser Beitrag ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

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