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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 18.06.2017

Rubrik: Lokalsport

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Boxen

Auf Schmills Spuren

Unverhoffter Box-Neuzugang: Tom Tran strebt schon bald den deutschen Meistertitel an. Der für gestern angesetzte DM-Kampf in Halle platzte kurzfristig

Tom Tran und sein Trainer Marek Jewiarz wollten gestern den deutschen Meistertitel erobern, doch der Kampf platzte kurzfristig – sein Gegner hat sich einen Rippenbruch zugezogen.
Tom Tran und sein Trai­ner Ma­rek Je­wiarz woll­ten ges­tern den deut­schen Meis­ter­ti­tel er­obern, doch der Kampf platzte kurz­fris­tig – sein Geg­ner hat sich einen Rip­pen­bruch zu­ge­zo­gen.Foto: Schwiersch

Unverhofft verzeichnet die Boxszene im Kreis Nienburg einen „Neuzugang“, der offenbar das Zeug hat, schon bald das männliche Pendant zu Bintou Schmill abzubilden. Tom Tran heißt der junge Mann von 25 Jahren, der auf den ersten Blick mit einem Gewicht von knapp 55 Kilogramm und einer Größe von von 1,75 Metern eher unauffällig daherkommt. Wer Tran jedoch im Ring erlebt, wer die Physis dieses sehnigen und gleichsam geschmeidigen Athleten bestaunt, der erkennt auf Anhieb die Kraft, die Wucht und die Explosivität. Die wird untermauert durch einen Blick in die Vita: Tom Tran hat in verschiedenen Jugendklassen sechs deutsche Meistertitel erobert.

Tran ist in Brandenburg aufgewachsen, ging in Cottbus aufs Sportinternat, boxte für Klubs aus Wismar, Schwedt, Berlin und Cottbus, kämpfte sechs Jahre in der Bundesliga. Ende 2013 legte Tran eine schöpferische Pause ein, setzte neue Prioritäten. Doch das Boxen ließ ihn nicht los.

Vor gut einem Jahr spülte ihn das Schicksal in den Kreis Nienburg. Seine Mutter lebt bereits seit vier Jahren in Liebenau, Tran folgte ihr, fand eine Anstellung im Estorfer Kunststoffbetrieb. Und im Nienburger Budox-Sportpark eine erste sportliche Anlaufstation. Gecoacht wird Tran von Marek Jewiarz, dem Ehemann und Trainer der zweifachen Europameisterin Bintou Schmill. „Wir hassen uns jetzt seit einem Jahr“, flachst Tran, ohnehin läuft die Kommunikation zwischen Trainer und Schützling irgendwo zwischen frech, manchmal derb und doch immer mit gefühltem Respekt voreinander ab. „Er denkt, er kann schon alles“, sagt Jewiarz. Also lässt er Tran schuften. Dem gefällt die harte Gangart.

In seiner zweijährigen Pause verstärkte sich irgendwann das Gefühl, dass ihm etwas fehlt. Also nahm er Ende 2015 wieder das Training auf. Sechsmal stieg er seitdem in den Ring, sechsmal gewann er die Aufbaukämpfe im Super-Bantamgewicht bis 55 Kilo.

Der gestrige Sonnabend sollte eigentlich der nächste Meilenstein der Karriere werden: In Halle in Sachsen-Anhalt visierte Tran den ersten DM-Titel bei den Senioren an. Groß war die Erwartung angesichts der Chance, die da geboten wurde. Doch am Dienstag sagte sein Gegner ab: Der Armenier Aram Khachatryan mit einer Profi-Kampfbilanz von sechs Kämpfen und sechs Siegen (fünf durch K.o.) zog sich im Training einen Rippenbruch zu; das nur 1,65 Meter große Kraftpaket muss eine Zwangspause einlegen. „Das ist wirklich bitter für Tom“, sagt Marek Jewiarz, der sich das Coaching bei Kämpfen gemeinsam mit Janusz Trybala teilt. Tran hatte in den vergangenen Wochen täglich eineinhalb bis zwei Stunden trainiert – mittlerweile in der Halle des CJD-Jugenddorfs. Jewiarz war überzeugt vom Erfolg seines Schützlings: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl – wir sind gut bewaffnet“, meinte er im Vorfeld. Nun ist die Titelchance aufgeschoben – aber gewiss nicht aufgehoben.

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