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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 16.07.2017 auf Seite 13

Rubrik: Lokalsport

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Die zwei Bühnen des Marcel Sonderwerth – an der Seite von Tanzpartnerin Luca-Marie Timke
geht der Nienburger für das 1. TSZ Nienburg an den Start.
Eine ebenso gute Figur gibt Sonderwerth als Mittelfeldmann
des FußballKreisklassisten
SSV Pennigsehl-Mainsche ab.

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Nienburg/Pennigsehl

Tänzer am Ball

Marcel Sonderwerth meistert seit Jahren den Spagat zwischen Fußballfeld und Tanzparkett

Die zwei Bühnen des Marcel Sonderwerth – an der Seite von Tanzpartnerin Luca-Marie Timke
geht der Nienburger für das 1. TSZ Nienburg an den Start.
Die zwei Büh­nen des Mar­cel Son­der­werth – an der Seite von Tanz­part­ne­rin Luca-Ma­rie Timke geht der Ni­en­bur­ger für das 1. TSZ Ni­en­burg an den Start. Foto: Schwiersch

„Tanzen war ein geiles Erlebnis. Tanzen ist immer noch ein geiles Erlebnis“, sagt Marcel Sonderwerth. Der Pennigsehler ist seit einigen Jahren regelmäßig auf zwei Sportbühnen unterwegs: Für das 1. TSZ Nienburg stand er zuletzt mit seiner Mannschaft im Formationstanzen auf dem Parkett, für den SSV Pennigsehl-Mainsche kämpfte der 27-jährige Allrounder in der abgelaufenen Fußballsaison um den Klassenerhalt in der 1. Kreisklasse.

Das Tanzfieber, erinnert sich Sonderwerth, erwischte ihn im Alter von 14 oder 15 Jahren. Damals machte er einen Tanzkurs bei der Tanzschule Beuss in Nienburg. „Ich habe alle Kurse absolviert, vom Grundkurs bis hin zum Super Goldstar Rang 3.“
Tanzlehrer Tim Weinholz machte Sonderwerth zudem die Rolle des Gasttänzers bei den Kursen schmackhaft. „Ich ging bis zu viermal die Woche in die Tanzschule“, erzählt der gelernte Dachdecker, der in Langendamm wohnt. „Tanzen ist einfach ein Teil von mir und ich gehe darin auf.“

Tanzen ist einfach ein Teil von mir und ich gehe darin auf.

In den vergangenen sieben, acht Jahren stand der Tanzsport bei ihm an erster Stelle. Sonderwerth: „Für jedes Training habe ich Fußball sausen lassen. Aber das war immer vorher mit den Trainern in Pennigsehl abgesprochen. Ich habe da immer mit offenen Karten gespielt.“ Egal ob Heiner Stronk oder auch der aktuelle Coach Markus Thielker – alle akzeptierten Sonderwerths sportliche Ausrichtung.

Für seine Tanz-Leidenschaft wurde er von seinen Fußballkameraden, vor allem anfangs, gern belächelt. „Da stand ich drüber. Ihr wisst nicht, was da los ist. Und wahrscheinlich werdet ihr das auch nicht erfahren, weil ihr euch das nicht traut“, begegnete er seinen „Kritikern“. Übrigens: Einige Jahre fuhr Sonderwerth sogar dreigleisig, gehörte zwischendurch dem Talentpool des Niedersächsischen Badminton-Verbandes an und war vor allem bei Bezirks- und Kreismeisterschaften im Doppel, Einzel und Mixed am Start.

Für eine Tanzsportveranstaltung in Nienburg besorgte Sonderwerth einst auf Wunsch des heutigen Teammanagers Ulf Sudhop der gesamten Fußball-Mannschaft Karten, Respekt und Anerkennung vor der Leistung der Tänzerinnen und Tänzer nahmen deutlich zu. Sonderwerth tanzte anfangs noch für den TSC Blau-Gold Nienburg und wechselte anschließend zum 1. TSZ Nienburg.

„Das erste Jahr beim 1. TSZ Nienburg war supergeil und wir stiegen von der Oberliga in die Regionalliga auf, waren zudem in den Niederlanden bei einem internationalen Turnier dabei.“ Dem Auf- folgte aber prompt der Abstieg. Sonderwerth erwischte keine gute Saison, konnte wegen eines Arbeitsunfalls nur drei Turniere tanzen.

Nach einem Umbruch in der Mannschaft lässt es Sonderwerth nun tänzerisch etwas gemächlicher angehen. „Wir trainieren mit unserem Team, das wir aus Spaß das Oldie-Team genannt haben, nur noch einmal die Woche. So wie ich Zeit habe, bin ich da.“
Sein Hauptaugenmerk gilt somit in der kommenden Saison dem Fußball in Pennigsehl.

„Markus Thielker habe ich zugesagt, dass Fußball in diesem Jahr wieder bei mir die Nummer eins sein wird.“ Ursprünglich im offensiven Mittelfeld angefangen, hat ihn Thielker mittlerweile auf die Sechserposition beordert. Neben einer guten Technik zeichnet sich Sonderwerths Spiel nicht zufällig durch Übersicht, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten aus.

Die Tanzfläche ist im Vergleich zum Fußballfeld um ein Vielfaches kleiner, nur 16 mal 16 Meter groß. Entfernungen zu den Tanzkameraden richtig ein- und abschätzen zu können, Schnelligkeit und kurze Bewegungen – seine tänzerischen Fähigkeiten kann Sonderwerth in gewisser Weise auf das Fußballspiel übertragen. „Viele Fußballer sind so hüftsteif und kommen nicht aus dem Knick.“ Auf der Sechserpositon und regelmäßig im Pennigsehler Mittelfeld an der Seite von Peter Sinner, fühlt sich Sonderwerth gut aufgehoben. „Wir ergänzen uns ganz gut.“

Viele Fußballer sind so hüftsteif und kommen nicht aus dem Knick.

Die Pennigsehler lieferten eine schlechte Saison ab, mussten am Ende sogar um den Klassenerhalt zittern. „Das war ganz schwach.“ Platz sieben oder acht, so Sonderwerth, wäre für die Pennigsehler in der Saison 2017/18 eine realistische Zielsetzung“. Alles darüber hinaus sei ein Bonus.

„Ich wünsche mir, dass wir diesmal eine deutlich besser Saison spielen. Das Trainerteam ist super, menschlich top. Alles passt zusammen. Für uns als Mannschaft wünsche ich mir vor allem, dass wir alle möglichst gesund und verletzungsfrei durch die Saison kommen.“

In geraumer Zeit den Aufstieg in die Kreisliga zu schaffen, ist für Marcel Sonderwerth durchaus ein erstrebenswertes Ziel. Und als Tänzer? „Ich wünsche mir, dass wir unser Teamgefühl beibehalten können und vielleicht nochmal in der Oberliga tanzen.“

Den Spagat zwischen Fußballplatz und Tanzparkett möchte er noch möglichst lange schaffen. „So lange der Körper sagt, dass es geht, mache ich weiter.“

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