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Autor

  • Chris Würzberger

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Veröffentlicht am

Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 19.05.2019 auf Seite 13

Rubrik: Lokalsport

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Leichtathletik

Mensch gegen Maschine

Chris Würzberger und ihr Erfahrungsbericht vom Kampf gegen eine 119 Jahre alte Dampflok

Chris Würzberger lief ein Wettrennen gegen eine 11... Foto: WürzbergerChris Würzberger lief ein Wettrennen gegen eine 119 Jahre alte Dampflok. Foto: Würzberger
Chris Würzberger lief ein Wettrennen gegen eine 119 Jahre alte Dampflok. Foto: Würzberger
Chris Würzberger lief ein Wettrennen gegen eine 119 Jahre alte Dampflok.

Unter ihrem korrekten Namen Christiane kennen sie nur nahe Angehörige und gute Freunde, der Name Chris Würzberger hingegen ist nahezu der kompletten Kreis-Nienburger Lauf- und Triathlonszene ein Begriff. Die Nienburgerin ist bei vielen Wettkämpfen präsent, oft ist dabei die Uhr ihr Gegner. Auch bei ihrem jüngsten Projekt trat sie gegen die Technik an: Chris Würzberger wagte den Versuch „Mensch gegen Maschine“, sie lief mit 180 Gleichgesinnten ein Rennen gegen eine echte Dampflok. Hier ist ihr Bericht: Von Chris Würzberger

Prustend und gefährlich fauchend steht sie vor mir. Ihr schwarzer Körper glänzt in der Sonne… meine Gegnerin! Doppelt so hoch wie ich, mehr als doppelt so alt wie ich, ein Koloss aus Stahl. Au Backe!

Und da stehe ich, nicht annähernd so groß und schwer, aber zu allem bereit. Angetreten zum unfairen Duell „Mensch gegen Maschine“.

Angesagt ist ein 7,8 Kilomter langes, provozierendes Wettlaufen mit der Museumseisenbahn „Hoya“ von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf. Die Idee zu diesem in Deutschland einzigartigen Wettrennen stammt übrigens aus Melbourne.

Sonntagmorgen, 11 Uhr. Anstatt gemütlich am Frühstückstisch zu sitzen, stehe ich am Bahnhof Bruchhausen-Vilsen an der Startlinie, bereits jetzt vom Regen durchnässt und die Hände zu Fäusten geballt. Neben mir der Lokführer, auch mit einer Startnummer vor dem Bauch. Schließlich zählt ja die Zeit von der Start- bis zur Ziellinie. Sein „Baby“ wartet schon ungeduldig; mit den Hufen scharrend einhundert Meter neben ihm. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Endlich fällt der Startschuss, die Lok brüllt schrill auf und wir jagen los.

Kaum aus dem Bahnhof raus, trennen sich streckenbedingt auch schon unsere Wege. Mich führt meine Laufstrecke erst durch den Ort, dann rein in die Wiesen und Felder. Ich wusste bis dato gar nicht, dass es in dieser Gegend so hügelig ist. Trotz Regen ist es zwar warm, aber die Luft drückt ganz ordentlich. Dieser Anstieg durch das Vilser Holz nimmt ja wohl gar kein Ende.

Die Lok kann ich zwischendurch immer wieder pfeifen hören, hm, kommt irgendwie näher. Nach knapp drei Kilometern dann der Schreck: oh nein, aus dem vor mir liegenden Wäldchen steigt Dampf hoch, kein gutes Zeichen. Heißt es doch, dass die alte Lady vor mir fährt. Endlich erreiche ich die Hauptstraße, endlich wieder Asphalt unter den Schuhen. Jetzt aber los, Gas geben! Meine Aufholjagd gelingt, nach zwei Kilometern habe ich tatsächlich aufgeschlossen und laufe jetzt auf Höhe des letzten Waggons. Die freundlichen Fahrgäste lehnen sich aus den Fenstern, winken mir zu und feuern mich johlend an. Wow, was für ein irres Gefühl. Doch dann: ein Bild für die Götter. Kaum, dass die schon schnaufende Lok mich entdeckt hat, bremst sie vor Schreck kurz ab, bäumt sich schier auf, um dann mit einem ohrenbetäubenden Kampfschrei eine gewaltige Ladung schwarzen Qualms auszuspucken und laut dröhnend davonzupreschen. Charlie verschwindet hustend und eingenebelt in der riesigen Dampfwolke.

Nachdem ich wieder klar gucken und atmen kann, muss ich trotz Niederlage lachen. Auf was für verrückte Ideen der Mensch doch kommt! Wesentlich entspannter setze ich mich wieder in Bewegung und rolle, äh, laufe vier Minuten nach der Lok in den Asendorfer Bahnhof ein. Einige von den ganz schnellen Jungs haben es tatsächlich geschafft, mit einem deutlichen Vorsprung vor der Lokomotive im Ziel zu sein, Respekt. Wie sollte es anders sein: Kaum ist der Wettlauf zu Ende, hört auch der Nieselregen auf und die Sonne lässt sich blicken.

Der Lokführer hat seinen Sprung aus dem Führerhäuschen und Zielsprint offenbar gut überstanden. Er ist gerade dabei, sein Baby mit frischen Kohlen zu versorgen. Müde schaut sie aus, die alte Lady. „Kein Wunder, sie ist ja auch schon 119 Jahre alt. Eine von unseren ganz alten Schätzchen, die hat schon so einiges erlebt!“, erklärt mir der Lokführer.

So, meine Gute, es war mir eine Ehre und hat Spaß gemacht, gegen Dich antreten zu dürfen, auch wenn ich es heute nicht geschafft habe, Dich in die Knie zu zwingen. Aber nächstes Jahr – das verspreche ich dir – wird es garantiert eine Revanche geben.

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