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Veröffentlicht am

Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 04.08.2019

Rubrik: Nordkreis

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Helzendorf

Wo die Kühe Namen haben

Auf dem Hof der Familie Derboven haben gerade wieder drei Azubis ihre Prüfung mit Bestnoten bestanden

„Goldlieschen“ – Siegerin in einem Schönheitswettb... Foto: Achtermann„Goldlieschen“ – Siegerin in einem Schönheitswettbewerb – mit Sarah Fackiner, Anna-Lena Derboven, Gesine Hellberg, Jannik Otto-Knapp und Chef Conny Derboven (von links). Alle sehen die Kuh als Mitgeschöpf. Foto: Achtermann
„Goldlieschen“ – Siegerin in einem Schönheitswettbewerb – mit Sarah Fackiner, Anna-Lena Derboven, Gesine Hellberg, Janni...
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Foto: Achtermann
„Goldlieschen“ – Siegerin in einem Schönheitswettbewerb – mit Sarah Fackiner, Anna-Lena Derboven, Gesine Hellberg, Jannik Otto-Knapp und Chef Conny Derboven (von links). Alle sehen die Kuh als Mitgeschöpf. Foto: Achtermann
„Goldlieschen“ – Siegerin in einem Schönheitswettbewerb – mit Sarah Fackiner, Anna-Lena Derboven, Gesine Hellberg, Jannik Otto-Knapp und Chef Conny Derboven (von links). Alle sehen die Kuh als Mitgeschöpf.

Jannik Otto-Knapp (20) aus Bohmte, Gesine Hellberg (20) aus Lohe bei Celle und Sarah Fackiner (19) aus Frankenberg in Hessen sind die jüngsten Absolventen mit hervorragendem Abschluss im Kreis der vielen Auszubildenden im traditionsreichen Familienbetrieb Bünkemühle in Helzendorf.

„Wir sind hier, weil der Milchvieh- und Rinderzuchtbetrieb Derboven ein Vorzeigeunternehmen mit Familienanschluss ist und die Kuh hier als Mitgeschöpf gesehen und mit Namen angesprochen wird“, betonte Gesine Hellberg in dem Gespräch, das DIE HARKE am Sonntag mit den Azubis führte.

Derbovens sind bundesweit zwischen Konstanz und Flensburg in der Landwirtschaft bekannt, unterstreichen die drei frischgebackenen Landwirte nach erfolgreichem Abschluss des dritten Lehrjahres in der Berufsschule Sulingen.

„Halten, Ernähren, Züchten.“ Mit dieser Maßgabe haben Annette und Conny Derboven ihren Rinderzuchtbetrieb mit dem Markenzeichen „RZB Derboven“ in 50 Jahren von ehemals 20 Kühen in eine Milchviehherde von 500 Kühen verwandelt. In dieser Zeit sind auch die Töchter Anna-Lena (staatllich geprüfte Landwirtschaftsmeisterin) und Dorothee (Bachelor in Agrarwissenschaften) in den Rinderzuchtbetrieb eingestiegen.

Futterbau, Pflanzen, Milchvieh und Tierproduktion sind die Schwerpunkte im dritten Ausbildungsjahr und damit auch Prüfungsinhalt. Die Abiturienten Gesine Hellberg hat mit der Gesamtnote 1,7 als Klassenbeste von 30 Schülerinnen und Schülern abgeschlossen.

Als Dankeschön gab es ein T-Shirt und ein Abo für eine Landwirtschaftszeitung. Sechs Semester Agrarwissenschaft mit Bachelor als Abschluss an der Uni Kiel schließen sich an. „Das sehe ich als Weiterbildung, besser geht es nicht, um dann zuhause wieder einen Milchviehbetrieb aufzubauen“, so die Junglandwirtin.

Gesine Hellberg und Sarah Fackiner sind zudem für das beste Berichtsheft mit je 80 Euro belohnt worden. Abiturient Jannik Otto-Knapp, (Note 1,4) wurde als zweitbester Absolvent mit 100 Euro belohnt. An der Fachhochschule Osnabrück folgen für ihn sechs Semester Landwirtschaftsstudium, um dann zuhause den Betrieb mit 60 Milchkühen plus Nachzucht, der zurzeit von seiner Mutter geführt wird, zu übernehmen.

Sarah Fackiner (Note 2,3) hat mit Realschulabschluss vor, nach einem Gesellenjahr ein Auslandspraktikum in Kanada zu absolvieren, um dann in den Familienbetrieb mit 300 Kühen einzusteigen.

„Sehr kompetent, verlässlich, offen und mit einem besten betriebswirtschaftlichen Überblick, mit anderen Worten: eine Allrounderin. Wir haben viel von Anna-Lena gelernt.“ Größer konnte das Lob der überaus erfolgreichen Auszubildenden kaum ausfallen. Ganz familiär wird es bei Derbovens, wenn alle gemeinsam am Mittagstisch sitzen. Und rechnen können sie auch.

„Einen Liter Milch zu produzieren kostet 30 Cent“, aber davon kann man nicht leben und einen Betrieb aufbauen, es muss schon mehr sein“, so Jannik Otto-Knapp. Die frischgebackenen Junglandwirte stehen mit beiden Beinen in ihrem zukünftigen Beruf, sie lernen in ihrem dritten Lehrjahr auch von Dorothee Derboven, wie Herden gemanagt werden.

Die Verantwortlichen auf dem Hof Bünkemühle sehen in diesen drei ehemaligen Lehrlingen „ein tolles Team, das untereinander sehr harmonisch und grenzenlos im Einsatz ist“. Auch über die Umwelt machen sich die jungen Landwirte Gedanken. „Wenn die Milchleistung steigt und das schneller als der Methanausstoß, desto umweltfreundlicher ist der Vorgang“, erklärt Jannik Otto-Knapp.

Dreimal am Tag – um 5 Uhr, um 14 Uhr und um 21:30 Uhr – wird auf dem Hof Bünkemühle gemolken. Pro Kuh und Tag 38 Liter. Ob Fütterung – Einstreuen der Liegeboxen – Kälberaufzucht oder Sozialleben der Kühe, die jungen Landwirte erzählen mit Begeisterung und viel Freude über ihre Arbeit in der Ausbildung.

Am 1. August haben bei Derbovens vier neue Auszubildende ihr zweites und drittes Lehrjahr begonnen. Sie kommen aus den Regionen Nordenham, Bissendorf, Hainsfarth/Donau und Zeven. „Mehr über Kühe wissen heißt auch, dass die Prüfer noch was lernen sollen“, ist das Motto von Conny Derboven.

Wer über das weitläufige Hofgelände zwischen den offenen und hohen Stallgebäuden schlendert, hört auch den typisch norddeutschen Gruß „Moin“, allerdings mit dem Akzent eines Praktikanten aus Österreich..

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