Nienburg

Sätze, die ich gern hören würde

Stefan Schwiersch
Ste­fan SchwierschFoto: DH

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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 05.03.2017 auf Seite 13

Rubrik: Sport-Kolumnen

Ich schüttelte dem Mann von der Lottogesellschaft kräftig die Hand, bat ihn herein, wir setzten uns in die Küche. Er lächelte mich an. „Herr Schwiersch, wissen Sie denn schon, was sie mit dem ganzen Geld machen werden?“, fragte er, ohne übermäßig neugierig zu wirken; es schien ihm einfach Freude zu bereiten, gute Nachrichten zu überbringen. Dann zupfte jemand an meinem Ärmel. „Papa, ich kriege das Zopfband von meiner Barbie nicht ab“, säuselte K1. Der bezaubernde Traum endete also, noch bevor ich meine liebe Frau umarmen und den ersten Porsche bestellen konnte.
Gibt es eigentlich schönere Sätze als „Ich darf sie herzlich zu ihrem Lottogewinn beglückwünschen“, selbst wenn sie im Traum fallen? Natürlich. Zum Beispiel, wenn der Hausarzt sagt: „Stefan (mein Doc und ich sind gemeinsam zur Schule gegangen, daher duzen wir uns), an dir verdiene ich nichts, du hast ja die Konstitution eines 20-Jährigen Ausnahmeathleten.“

Wenn wir schon mal am Träumen sind, würde ich auch gern diesen Satz von Jogi Löw hören: „Stefan, Du gehst zwar stramm auf die 50 zu, aber der Müller trifft im Moment nicht und der Gomez hat immer die Haare im Gesicht – jetzt brauche ich Deine geballte Erfahrung als Stoßstürmer, Du bekommst im nächsten Länderspiel eine Chance.“ Worauf ich erstmal entgegnen müsste: „Jogi, lass mich das kurz mit meiner Frau abstimmen, ob der Termin passt.“

Können Sie sich vorstellen, dass Spargel-Chef Fritz Bormann vor der Saisoneröffnung nicht den üblichen, sondern diesen Satz sagt: „Liebe Leute, viele Jahre hatten wir Glück, aber dieses Jahr, ihr seht ja selbst das miese Wetter, ist der Spargel nicht so gut, er schmeckt ein wenig holzig. Nächstes Jahr ist er bestimmt wieder besser.“ Ist natürlich Nonsens, um nichts in der Welt muss man sich geringere Sorgen machen als um die Qualität des Nienburger Spargels.

Einen Satz gibt es noch, den ich liebend gern zu Lebzeiten einmal hören würde. Und zwar, wenn meine Kinder sagen: „Lieber Papa, natürlich packen wir unsere Schuhe ohne dreifache Aufforderung ins Regal, hängen die Jacken an den Haken und räumen dann unsere Zimmer auf und natürlich respektieren wir Dich als Familienoberhaupt.“
Vermutlich ist die Geschichte mit dem Lottogewinn etwas näher dran an der Realität.

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