Autor

Zum Artikel

Veröffentlicht am

Erschienen in der HARKE von Montag, dem 24.04.2017 auf Seite 25

Rubrik: Sport-Kolumnen

Anzeige

Nienburg

Therapieflug ins All

Guten Tag

Daniel Schmidt
Da­niel SchmidtFoto: DH

In Paris explodieren Bomben während des Fußball-Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland. Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund könnte ins Fadenkreuz eines Irren geraten sein, der aus reiner Habgier versucht haben soll, möglichst viele Spieler der Dortmunder zu töten, um anschließend von einem Kurssturz der BVB-Aktie zu profitieren. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich – jedenfalls frage ich mich, was denn noch so alles in Zukunft geschehen wird?

Der Stadionbesuch als Familienerlebnis? Zweifel sind durchaus berechtigt. An Schmähgesänge und Plakate mit wüsten Beschimpfungen und schlimmen Beleidigungen hat man sich beinahe schon gewöhnt. Trainer Julian Nagelsmann, Shootingstar der Bundesliga, erlebt mit seiner Mannschaft der TSG Hoffenheim vor allem bei Auswärtsspielen immer wieder die Feindseligkeit sogenannter Fans, die den Verein aus dem Kraichgau zum Feind erklärt haben.

Oft ist ihnen Mäzen Dietmar Hopp ein Dorn im Auge, die Schmähgesänge gegen ihn – zuletzt wieder bei der Partie in Köln – machen fassungslos. Selbst Kölns Stadionsprecher wollte nicht mehr tatenlos zusehen und forderte dazu auf, die Beleidigungen zu unterlassen. Nagelsmann: „In dieser Zeit ist das noch unfassbarer, als es eh schon ist. Da sprengt einer einen Bus in die Luft, zwei Tage später wird der HSV-Bus beschmissen. Du fährst ins Stadion und jeder zeigt dir den Mittelfinger. Es ist generell schlimm, wie Menschen miteinander umgehen. Es ist dumm und peinlich, was wir Menschen aus dieser wunderschönen Welt machen.“

Vielleicht haben Sie es ja mitbekommen: Vor zwei Tagen wurde wieder der „Tag der Erde“ ausgerufen – dabei werden die Wertschätzung für die natürliche Umwelt und die Art des Konsumverhaltens in den Mittelpunkt gerückt. Eine andere Perspektive zu haben, auch mal den Blickwinkel zu wechseln – vielleicht ließen sich auf diese Weise Probleme wenigstens ein Stück weit lösen. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ließ 2014 während seiner ersten Mission ins All die Menschen auf der Erde immer wieder an seinen Beobachtungen teilhaben. In Interviews nach seiner Rückkehr hatte er regelmäßig von einer seiner eindrücklichsten Erfahrung gesprochen. „Der traurigste Blick war sicherlich, einen Krieg aus dem All zu sehen. Es ist grotesk von oben zu sehen, wie sich unten auf der Erde Menschen gegenseitig bekämpfen.“ Wären wir doch alle Astronauten …

Kommentare

Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen Kommentar abgeben zu können.