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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 07.05.2017 auf Seite 13

Rubrik: Sport-Kolumnen

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Kolumnen

Wenn Legenden gehen...

Helge Nußbaum
Helge NußbaumFoto: DH

Gerne spricht man im Fußball von Legenden und Vereinsikonen. Die Treue zu einem Verein ist im heutigen Geschäft um das runde Leder vom Profiteam bis hin in die Niederungen des Amateursports ein Fremdwort geworden und doch gibt es sie, die Heroen, die ihren Klub über Jahrzehnte begleiten oder begleitet haben. Einer dieser Fußballer, die man untrennbar mit einem Team verbindet, gab in dieser Woche seinen Rücktritt bekannt – der Italiener Francesco Totti. Der ewige Römer hört als Spieler bei seinem AS Rom, für den er seit 1989 ununterbrochen kickte, auf.

Gut, diese Nachricht kommt jetzt nicht so überraschend wie ein Ausbruch der italienischen Vulkane Vesuv oder Ätna, aber trotzdem schockierte sie die Tifosi. Er ist der Treueste der Treuen: Mit 16 Jahren debütierte Totti, „il Re di Roma“ (der König von Rom), in der Serie A. Später blieb er trotz lukrativer Angebote und womöglich weitaus besserer Titelchancen. Die Roma ohne Totti? Kaum vorstellbar und doch bald Realität: Totti wird im September bereits 41 Jahre alt.

Dem Verein wird der jahrelange Capitano aber wohl ab Sommer als Sportdirektor treu bleiben. Mit 40 Jahren ist es für Totti nunmal an der Zeit, „arrivederci“ zu sagen. Die Einsatzzeiten wurden über die Jahre immer weniger. Trotzdem brachte es der Mittelfeldspieler bisher auf 783 Einsätze für seinen AS und erzielte dabei sagenhafte 307 Tore. Ihm bleiben nun noch vier Spiele, diese Bilanz auszubauen.

Doch warum erzähle ich Ihnen das? Wir Deutschen pflegen seit Jahrzehnten eine Hassliebe zum italienischen Fußball. Erst mal haben uns Totti & Co. mit ihrem Sieg über uns im Halbfinale bei unserer Heim-WM 2006 den Titel im eigenen Land verwehrt – ich weiß noch, wie mir die Tränen über die Wangen liefen beim Public Viewing im Waterloo-Biergarten in Hannover – und zum anderen konnten wir sie bei großen Turnieren jahrzehntelang nicht schlagen. Erst bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr triumphierte Deutschland im Elfmeterschießen des Viertelfinals mal wieder über die Tifosi.

Mit Totti geht ohne Frage ein ganz Großer des Fußballs in die wohlverdiente Rente. Spieler wie ihn wird es in den kommenden Jahren nur noch wenige geben, dafür sind die monetären Angebote aus China, England oder der großen Klubs zu verlockend für Berater und Spieler. Im hiesigen Kreis fällt mir da nur Heiko Schrage vom RSV Rehburg ein. Und lieber Herr Totti: Er knipst auch mit 42 Jahren noch regelmäßig für seinen RSV.

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