Autor

Zum Artikel

Veröffentlicht am

Erschienen in der HARKE von Montag, dem 08.05.2017 auf Seite 25

Rubrik: Sport-Kolumnen

Anzeige

Nienburg

Alles nur eine Frage der Zeit

Guten Tag

Daniel Schmidt
Da­niel SchmidtFoto: DH

Nein, diesmal hat es noch nicht wirklich funktioniert – die Weltrekordzeit über die Marathon-Distanz liegt zudem auch weiterhin bei 2:02,57 Stunden, aufgestellt vom Kenianer Dennis Kimetto 2014 in Berlin. Mit Zersenay Tadesa (Eritrea), Lelisa Desisa (Äthiopien) und Olympiasieger Eliud Kipchoge aus Kenia gleich drei Weltklasse-Läufer „beauftragt“, erstmals überhaupt den Marathon unter zwei Stunden zu absolvieren. Der amerikanische Sportartikelhersteller Nike hatte für das Projekt „Breaking2“ keine Kosten und Mühen gescheut. Der Versuch fand auf der Rennstrecke in Monza statt, die Tempomacher wurden auf dem 2,4-Kilometer langen Rundkurs nach jeder Runde ausgewechselt – vor allem auch deshalb war bereits vorher klar, dass der Leichtathletik-Weltverband IAAF einen möglichen Rekord offiziell wohl nicht würde anerkennen. Abgesehen davon ist die Zeit von Kipchoge fraglos unglaublich – als Schnellster der drei Läufer fehlten ihm mit einer Endzeit von 2:00,25 std. nur wenige Sekunden, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Der alte Rekord besteht also auch weiterhin – es ist aber sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann der erste Mensch diese Hürde nehmen wird.

Ich kann mich noch erinnern, als sich die Ausdauerspezialisten über die Triathlon-Langdistanz regelmäßig an der Acht-Stunden-Marke versuchten und scheiterten – später folgte ein Rekord nach dem anderen und der Deutsche Jan Frodeno pulverisierte 2016 in Roth geradezu den bis dahin geltenden Weltrekord um fast sechs Minuten; er benötigte für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Radfahren und einen anschließenden Marathon 7:35,39 std.

„Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut“ – diese Zeilen gibt Sänger Tim Bendzko in einem seiner Lieder zum Besten. In Anbetracht der erwähnten Leistungen stelle ich mir aber tatsächlich die Frage, wo die Grenzen des Menschen sind und was in diesem Fall auch der Sport und die Athleten bereit sind dafür zu geben, um die Grenzen auszuloten. Ganz bestimmt eine Menge. Wie sagte doch einst Haile Gebrselassie, ehemaliger Langstreckenläufer aus Äthiopien: „Ein Marathon-Weltrekord fühlt sich unbeschreiblich an. Am besten ist es, Sie probieren es selbst einmal aus.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen vor allem eine sportliche Woche.

Kommentare

Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen Kommentar abgeben zu können.