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Erschienen in der HARKE am Sonntag vom 14.05.2017

Rubrik: Sport-Kolumnen

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Guten Tag

Kinder und ihr Konsum

Guten Tag

Stefan Schwiersch
Ste­fan SchwierschFoto: DH

Mensch, da stehen ja entspannte Fernsehabende ins Haus. Diese brutale Nervenanspannung, wenn meine Bayern im DFB-Pokal und der Champions League um die großen Pötte spielen, die bleibt mir in diesem Jahr gottseidank erspart; Schwein gehabt. Ich freue mich schon auf entspannte Abende vor dem Bildschirm mit einem kühlen Weizen in der Hand und überlege dann spontan, wer denn gewinnen soll, Juves Keeper Buffon würde ich‘s schon gönnen.

Apropos Fernsehen: Läuft bei Ihnen die Kiste auch zu oft? Statistisch gesehen flimmert das TV-Gerät in jedem Haushalt täglich 223 Minuten, also knapp vier Stunden. Knapp vier Stunden!

Nun hat sich bei uns die Minutenzahl deutlich reduziert, seitdem K1 bis 3 den entsprechenden Wohnbereich für sich reklamieren, um Bilder zu malen, Schmetterlinge zu basteln oder einfach Unordnung jedweder Art zu schaffen. Seitdem gilt die Grundregel: Ein bisschen Kinderfernsehen ist erlaubt, aber nicht jeden Tag und nie mehr als 20 Minuten; für die Umsetzung der Richtlinie verantwortlich ist vornehmlich meine liebe Frau.

Die hat sich nun richtig schlau gemacht und einem Vortrag in Hoya gelauscht, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt: Kinder und ihr Medienkonsum. Und obgleich sie viele Punkte erwartet hatte, so gab es doch ebenso unerwartete wie einleuchtende Erkenntnisse.

Wie diese: Bei keiner Aktivität wird weniger Energie verbraucht als beim Fernsehen, zudem ist Fernsehzeit eine Zeit, in der sich Kinder nicht weiterentwickeln. Die Empfehlung des Moderators: die dreifache Länge des TV-Glotzens mit richtiger Aktivität ausgleichen. Also zehn Minuten fernsehen = 30 Minuten bolzen. Kein gutes Haar ließ Herr Brüning an Smartphones im Kindesalter und noch viel weniger an den darin enthalteten Spielen. Seine Kritik: „Diese Spiele sind so konzipiert, dass sie Erfolgserlebnisse auf niedriger Ebene ermöglichen. Die Kinder verlernen, für wichtige Dinge im richtigen Leben ausdauernd zu kämpfen.“

Ziemlich einleuchtend war auch dieser Rat: Laufen Sie in der Umgebung Ihrer Kinder nicht immer mit dem Handy vor der Nase herum. Kinder lernen vom Vorbild und denken automatisch: „Das muss ja was Tolles sein, das will ich auch.“

Nun will Herr Brüning das Rad der Zeit nicht zurückdrehen: Gegen den digitalen Fortschritt zu sein, sagt er, sei genauso wie gegen das schlechte Wetter zu sein. Vielmehr müssen Kinder lernen, sich mit der realen Welt auseinanderzusetzen, ehe sie sich in der virtuellen verlieren. Bei uns liegen die Handys jedenfalls ab sofort in der Schublade.

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