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Erschienen in der HARKE von Montag, dem 12.02.2018 auf Seite 27

Rubrik: Sport-Kolumnen

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Nienburg

Selektiv-Speicher des Gehirns

Guten Tag

Stefan Schwiersch
Stefan SchwierschFoto: DH

Willkommen zum kleinen Wissensquiz! Los geht’s. Wer war die erste Frau im Weltall?
Das war die russische Kosmonautin Walentina Tereschkowa.
Wie heißt die Frau, die 1983 einen neuen Weltrekord über die 800-Meter-Distanz aufstellte, der noch heute Gültigkeit hat und damit der älteste offiziell anerkannte und noch bestehende Freiluft-Weltrekord der Leichtathletik ist?

Jarmila Kratochvílová – die Tschechin legte damals in München einen Lauf für die Ewigkeit hin, nachzuverfolgen auf verschiedenen youtube-Videos.

Nun könnten Sie fragen: Will uns der Schwiersch zeigen, wie toll er googlen kann? Eben nicht, denn die Namen Tereschkowa (seit der sechsten Klasse) und Kratochvílová (seit eben jenem live am TV verfolgten Rennen) haben sich in mein Gedächtnis quasi eingebrannt, fragen Sie mich nicht warum. Was umso erstaunlicher ist, weil ich heutzutage im Schnitt zwei von vier Dingen, die ich für meine liebe Frau aus dem Supermarkt mitbringen soll, binnen Sekundenbruchteilen wieder vergesse. Das Gehirn entscheidet eben selbst, was es speichert und was es für entbehrlich hält, und ich habe das Gefühl, mit den Jahren wird das Sieb immer durchlässiger.

Dabei soll man doch neuen Dingen offen gegenüberstehen, und Voraussetzung ist nunmal ein aufnahmebereiter Bregen. Nehmen wir die Digitalisierung. Die soll das Leben immer mehr vereinfachen, angeblich sind wir doch nur noch einen Wimpernschlag entfernt vom multimedialen Kühlschrank, der eigenverantwortlich die Milch nachbestellt. Da muss man erstmal Schritt halten.

Wenn ich heute meiner lieben Mama erkläre, dass ich für das Freitagsspiel der Bundesliga nicht einfach nur den Fernseher anknipse, sondern erstmal die Eurosport-App auf dem Smartphone aktivieren muss, dann das Live-Bild auf die kleine schwarze Set-Top-Box streame, die wiederum an das TV-Gerät angeschlossen ist und das Bild sozusagen spiegelt, dann kann ich davon ausgehen, dass Frau Mama spätestens nach „Set-Top-Box“ aus dem Gespräch ausgestiegen ist. Kennen Sie noch die Zeit, als die Fernbedienung noch nicht erfunden war und man selbst eine war? Papa zum Sohnemann: „Stefan, geh mal zum Fernseher und drück auf 1.“

Apropos Selektiv-Speicher des Gehirns: Ich erinnere mich – thematisch passend – an einen netten Witz aus den Achtzigern, ebenfalls eingebrannt. Zwei Männer stehen neben einer laufenden Flimmerkiste. Der Linke: „Schau, ich habe das Fernsehen erfunden!“ Der Rechte: „Und was läuft im Zweiten?“

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