Döbereinersches Platinfeuerzeug, um 1830, aus einem Nienburger Haushalt, Weißblech, Messing, Öl-Lackmalerei. Museum Nienburg

Döbereinersches Platinfeuerzeug, um 1830, aus einem Nienburger Haushalt, Weißblech, Messing, Öl-Lackmalerei. Museum Nienburg

Nienburg 04.06.2019 Von Die Harke

Feuer aus der Dose

Monatsobjekt: Döbereinersches Platinfeuerzeug

Lange Zeit bereitete es den Menschen Schwierigkeiten, das Feuer zu kontrollieren, zu bewahren und neu zu entzünden. Noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein wurde zur Nachtzeit das Feuer auf der Herdstelle nicht gelöscht, um es am anderen Morgen sofort wieder zur Verfügung zu haben, schreibt das Nienburger Museum. War das Feuer aber doch einmal erloschen, so schickte man die Magd oder ein Kind zum Nachbarn hinüber, um von dort Feuer zu holen, da das Feueranzünden mit Hilfe des Feuersteines, des Stahles und des Zunders doch recht mühsam und zeitraubend war.

Die Unzulänglichkeiten der Feuererzeugung ließen den menschlichen Erfindergeist nicht ruhen. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner (1780 bis 1849) entdeckte bei der Untersuchung von praktischen chemischen Problemen die katalytische Wirkung des Platins.

Mit der Entzündung eines Knallgasgemisches unter dem Einfluss von Platinschwamm gelang ihm eine der wichtigsten Entdeckungen der frühen Katalyse-Chemie. Sie führte 1823 zur Erfindung des Döbereinerschen Platinfeuerzeugs.

In diesem zylindrischen Tischfeuerzeug befindet sich in einem Glasgefäß verdünnte Schwefelsäure und in einer darin eintauchenden Glasglocke ein Zinkstück. Am oberen Ende wird die Glasglocke durch ein Ventil verschlossen; öffnet man dieses durch Betätigen eines Hebels, strömt das Gas in der Glasglocke durch eine Düse nach draußen, die Säure steigt auf und reagiert mit dem Zink, wobei Wasserstoffgas entsteht. Dieses strömt durch die Düse auf einen „Platinschwamm“ (feinverteiltes Platin).

Dieses katalysiert die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff (Knallgasreaktion); durch die dabei freiwerdende Wärme wird das Gasgemisch entzündet. Lässt man den Hebel los, wird das Ventil wieder geschlossen, das Wasserstoffgas kann nicht mehr nach oben entweichen und drückt die Säure aus der Glasglocke zurück in das Vorratsgefäß.

Leichter und schneller als mit diesem Gerät konnte kein Feuer erzeugt werden; und so ist es kein Wunder, dass das Döbereinersche Platinfeuerzeug Eingang in viele bürgerliche Haushalte fand. Reich verziert war sie ein Schmuckstück in der Stube.

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Erstellt:
4. Juni 2019, 10:19 Uhr
Lesedauer:
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