Paul Hill/Fotolia

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Liebenau/Nienburg 09.03.2018 Von Andreas Wetzel

Grillparty war aus dem Ruder gelaufen

Liebenauer musste sich vor Gericht verantworten, weil er Rettungsassistentin verletzte

Ende Mai hatten sich einige Freunde in Liebenau zusammengefunden, um das erste schöne Wetter zu nutzen und eine Grillparty zu feiern. Wie es sich für eine zünftige Grillparty gehört wurde dort auch reichlich Alkohol getrunken, so viel Alkohol, dass eine junge Frau letztlich bewusstlos liegenblieb und für sie ein Rettungswagen gerufen werden musste. Die Geschehnisse jenes Tages hatten nun ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Nienburg. Als der Rettungswagen am Ort des Geschehens eingetroffen war und sich um die junge Frau kümmern wollte, war sie jedoch soweit wiederhergestellt, dass sie jedes weitere Hilfsangebot ablehnte. Das rief wiederum ihren Freund auf den Plan, der seinerseits ebenfalls reichlich unter Alkoholeinfluss stehend in das Geschehen eingriff und die Besatzung des Rettungswagens aufforderte, seiner Freundin zu helfen.

Der Freund konnte oder wollte nicht verstehen, dass die Rettungswagenbesatzung die junge Frau nicht so ohne weiteres gegen ihren Willen in den Rettungswagen geschweige denn ins Krankenhaus bringen konnte. Das erzürnte ihn dann derart, dass er die Rettungswagentür aufriss und damit der Rettungsassistentin gegen die Schulter schlug, sodass sie ein großes Hämatom an der Schulter erlitt.

Nach diesem Angriff flüchteten die Rettungssanitäter in ihren Rettungswagen, verschlossen diesen, was den jungen Mann noch weiter in Rage brachte, sodass er gegen die geschlossene Fensterscheibe mit einem Feuerzeug schlug und den Rettungsassistenten drohte: „Ich ziehe euch beiden die Haut ab! Ich bringe euch um!“ und diese zudem beleidigte.

Die Rettungsassistenten sahen keine andere Möglichkeit mehr, als die Polizei zu Hilfe zu rufen. Bei der Aufnahme des Tatbestandes stellten die Polizeibeamten fest, dass der junge Mann 1,8 Promille Atemalkohol aufwies.

In der Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Nienburg zeigte sich der junge Mann reumütig und räumte die Taten, soweit er sich daran erinnern konnte, vorbehaltlos ein. Er wollte sich bei der Rettungsassistentin entschuldigen, was jedoch nicht möglich war, da sie durch einen unglücklichen Umstand nicht vor Gericht erscheinen konnte.

Auf Anregung des Gerichts sollte das Strafverfahren gegen eine Geldauflage zugunsten der Rettungsassistentin eingestellt werden. Hierzu unterbrach das Gericht zunächst die Verhandlung, um mit der Rettungsassistentin zu telefonieren und um ihr Einverständnis einzuholen für die Einstellung.

Die Staatsanwaltschaft, die zunächst eine Bestrafung für erforderlich hielt, erklärte sich letztlich doch mit dieser Maßnahme einverstanden, sodass das Verfahren eingestellt werden konnte.

Durch Staatsanwaltschaft und das Gericht wurde dem Angeklagten mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass, sollte es zu einem weiteren Vorfall dieser Art kommen, er mit keinerlei Nachsicht mehr rechnen könne. Es sei absolut nicht zu tolerieren, dass Menschen, die helfen wollen, in der Art und Weise wie geschehen attackiert würden.

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Erstellt:
9. März 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

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