Silva und Mohammad befragten Katja Keul (von links). Foto: Nikias Schmidetzki

Silva und Mohammad befragten Katja Keul (von links). Foto: Nikias Schmidetzki

Nienburg 03.07.2021 Von Nikias Schmidetzki

Jugendliche Nienburger befragen Bundestagsabgeordnete Katja Keul

Die beiden jungen Geflüchteten Silva und Mohammad trafen die Grünen-Politikerin

So hatten sie sich eine Bundestagsabgeordnete nicht vorgestellt. Nachdem die 15-jährige Silva und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Mohammad Katja Keul interviewt hatten, waren sie auf jeden Fall positiv angetan.

Die Abgeordnete der Grünen aus Marklohe entsprach eben nicht den Erwartungen der beiden Jugendlichen, die – wie Silva zugab – eher einer Angela Merkel glichen. Mit dem Jugendigrationsdienst (JMD) hatten sie sich auf das Gespräch vorbereitet, das auf Video aufgezeichnet wurde und auf den Kanälen des CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) ausgespielt werden sollen.

Seit knapp sechs Jahren sind die beiden mit ihrer Familie hier. Und ja, sie haben Vorstellungen von Politikerinnen und Politikern. Aber was die so genau machen, wollten sie sich eben genau erklären lassen. Dass die Politik nicht nur entscheidet, sondern auch eine wichtige Kontrollfunktion habe, erklärte Keul auf die Frage nach ihren Aufgaben. Daher sei es auch in Ordnung, für die Tätigkeit mehr Geld zu bekommen, als der Durchschnitt. Jeder sollte ein politisches Amt ausführen können, betonte Keul.

„Reden Sie auch so umständlich wie andere Politiker?“ war eine weitere Frage, die Keul einfach anhand ihrer Antworten ganz pragmatisch zu beantworten versuchte – ohne viele hochgestochene Formulierungen. Ob ihr das aber im Politikalltag immer gelinge, vermochte sie nicht zu sagen. Sie hoffe aber, dass sie schwierige Texte gut übersetzen könne, wie sie es auch als Juristin gelernt habe.

Die Parallele sie es auch gewesen, die sie in die Politik gebracht habe, erklärte Keul auf eine weitere Frage. „Ich mag keine Ungerechtigkeit.“ Ob sie blind der Partei folge, wollten Silva und Mohammad wissen. Nein, das tue sie nicht, gab die Abgeordnete an. Sie müsse aber eben auch rechtfertigen können, wenn sie anderer Meinung ist als der Großteil der Partei. Schließlich, so betonte die 51-Jährige: „Ich habe keinen Chef, aber ein Gewissen.“

Demokratie funktioniert nur, wenn sich alle einbringen.

Katja Keul, Bundestagsabgeordnete

Wie sie Jugendliche mehr für Politik begeistern wolle, fragten die jungen Gesprächspartner. Einfach sei das nicht immer, gab Keul zu. Aber: „Demokratie funktioniert nur, wenn sich alle einbringen.“ Das könne auch nicht immer Spaß machen, sei aber wichtig. Insgesamt habe sie die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche an fast allem interessiert seien – besonders an Themen, die für ihre Zukunft wichtig seien. Dazu gehöre auch das Themenfeld Umwelt und Klimaschutz, dem Silva und Mohammad einen eigenen Fragenblock gewidmet hatten.

Der Klimaschutz gehöre derzeit zu den wichtigsten Punkten, meinte Keul. Aber auch Landwirtschaft sowie Abfall und Recycling gehörten dazu. Es müsse gesetzlich geregelt werden, dass sich auch Unternehmen in den Umweltschutz einbringen.

Viele Kinder und Jugendliche hätten Angst vor schlechten Noten, weil durch die Corona-Pandemie so viel Unterricht ausgefallen sei, erklärte Silva der Abgeordneten. Wie können sich aufholen lassen, was verpasst wurde? Und wie wolle Keul diese Ängste nehmen? Es sei eine Herausforderung, gab sie zu. Aber in erster Linie sei es durch motivierte Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen. Was die Leistungen und Noten angeht, sei wichtig, dass Unternehmen nicht so sehr auf Zensuren achten, weil die nicht immer so aussagekräftig seien.

Auch die Schulschließungen müssten hinterfragt werden, gab Keul an. Anfangs sei die Politik auf den Rat von Experten angewiesen gewesen, die aber auch nicht einer Meinung waren. Doch spätestens die Sommerferien im vergangenen Jahr hätte die Regierung nutzen sollen, um sich vorzubereiten. Das gelte jetzt wieder: „Wir können jetzt im Sommer erstmal aufatmen, müssen die Schulen aber vorbereiten, falls es im Herbst wieder schlimmer wird“, betonte Keul.

Für Vorteile für Geimpfte sprach sie sich aus. Die Rechte der Menschen dürften nur eingeschränkt werden, wenn die Gefahr da sei. Und das sei für Geimpfte nicht mehr der Fall. Daher sei es in Ordnung, wenn für diejenigen entsprechend wieder mehr erlaubt sei.

Ängste vor Vorurteilen und Krieg sprachen die beiden Jugendlichen ebenso an. „Vorurteile lassen sich abbauen, in dem man Menschen kennenlernt“, war die einfache Antwort Keuls. Mit Blick auf aktuell herrschende Kriege meinte sie: „Das Vereine Europa gibt viel Sicherheit. Wir müssen aber viel dafür tun, die Einigung und Demokratie zu stärken.

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Erstellt:
3. Juli 2021, 15:45 Uhr
Lesedauer:
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