100 Bewerbungen auf vier Ausbildungsplätze

100 Bewerbungen auf vier Ausbildungsplätze

Mike Plate ist Leiter des Rettungsdienstes beim DRK. DRK-Kreisverband

Fachkräftemangel: Manche Branchen klagen über Fehlzahlen von zehn bis 20 Prozent. Bei den Ausbildungen sieht es kaum besser aus: Es gibt Betriebe, die bekommen auf entsprechende Ausschreibungen keine einzige Bewerbung mehr. Um so erstaunlicher, was Mike Plate, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK, berichtet: Er hat für vier Ausbildungsplätze 100 Bewerbungen bekommen, teilt der DRK-Kreisverband mit. Die jungen Leute wollen Notfallsanitäter werden. Den Beruf gibt es erst seit 2014. Julius Guse war einer der ersten, die damals in die dreijährige Ausbildung starteten. Er ist nach DRK-Angaben noch immer begeistert von seinem Beruf: „Mehr Abwechslung ist kaum möglich. Es gibt keine zwei Tage, die einander gleichen“, sagt er. Und für ihn noch wichtiger sei: „Die Menschen sind wirklich dankbar für die Hilfe. Man ist ja nur für eine kurze Zeit mit der Person zusammen, der man hilft. Aber in dieser kurzen Zeit besteht ein großes Vertrauensverhältnis.“

Hinzu komme noch der fachliche Aspekt in Ausbildung und täglicher Arbeit: „Man lernt enorm viel über Medizin“, sagt der Nienburger Abiturient. Das müsse man auch, ergänzt sein Chef Mike Plate: „Vom richtigen Handeln eines Notfallsanitäters kann einiges abhängen.“

Das offensichtlich ausgeprägte Interesse junger Leute an einem Beruf als Lebensretter will das Kreis-Nienburger DRK nicht ungenutzt lassen. „Wir können in diesem Jahr keine weiteren Notfallsanitäter ausbilden“, sagt Kreisgeschäftsführer Martin Krone. „Also haben wir eine Alternative entwickelt.“

Die funktioniere über die Ausbildung zum Rettungssanitäter: „Das ist eine Art ,kleine Ausbildung‘, die nur 13 Wochen dauert“, erklärt Mike Plate das „Nienburger Modell“: „In diesem Bereich können wir viel flexibler und in größerer Zahl ausbilden, weil die entsprechenden Kurse in Goslar und Hannover das ganze Jahr über angeboten werden.“

Das vermittelte Fachwissen sei zwar lange nicht so umfassend wie das des Notfallsanitäters. Aber: „Zum einen ist das eine gute Möglichkeit für Interessenten, sich ein Bild von der tatsächlichen Arbeit als Notfallsanitäter zu machen“, erklärt Martin Krone. Zum Zweiten sei der Rettungssanitäter ideal für Studierende: „Unabhängig vom Studiengang kann man sich mit der Ausbildung in der Tasche in den Semesterferien prima einiges dazu verdienen“, sagt Mike Plate. „Und wer Medizin studiert, bekommt viel Fachwissen für Studium und lernt außerdem die Abläufe im Rettungsdienst kennen.“

Ganz ohne Hintergedanken sei das verstärkte Engagement für den Rettungssanitäter aber nicht, räumt Kreisgeschäftsführer Krone ein: „Wir haben natürlich die Hoffnung, dass wir den einen oder anderen, der die kleine Ausbildung bei uns macht, übernehmen können.“ „Damit“, ergänzt Mike Plate, „wollen wir uns personell langfristig gut aufstellen. Der Fachkräftemangel wird allerdings auch künftig ein Thema bleiben“.