Die „Nienburger Jungs“ heute (von links): Michael Rehaag, Siegfried Block, Gerd Ostwald, Gerhard Stadick, Wolfgang Schmitz, Dieter Isensee und Diethard Mücke. Nienburger Jungs

Die „Nienburger Jungs“ heute (von links): Michael Rehaag, Siegfried Block, Gerd Ostwald, Gerhard Stadick, Wolfgang Schmitz, Dieter Isensee und Diethard Mücke. Nienburger Jungs

Nienburg 29.05.2019 Von Die Harke

100 Jahre „Nienburger Jungs“

Kegler feiern besonderes Jubiläum mit Fahrt nach Franken/Aktive treffen sich im Restaurant „Am Bürgerpark“

Ein dreifaches „Gut Holz“ konnten die „Nienburger Jungs“ anlässlich eines besonderen Jubiläums auf ihren Kegelclub ausbringen. Grund dazu hatten sie allemal: Denn welcher Kegelclub im Landkreis Nienburg kann auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken? Alles begann am 20. März 1919, als sich eine Schar ehemaliger Pennäler des damaligen Preußischen Progymnasiums, heute Albert-Schweitzer-Schule, in „Lehmanns Bierstuben“, einem ausgesprochenen Herrenlokal, traf. Auch „Pauker“ tranken hier ihr Bierchen. Liebespaare hingegen schätzte Ernst Lehmann in seinem Lokal nicht. Heute steht auf dem Grundstück an der Langen Straße 95 eine Filiale der Bäckerei Andreas Ledig. Ein Teil der Pennäler war glücklich aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt. Und was lag da näher, als dass man alte Bande wieder fest knüpfen wollte. So reifte bei diesem Treffen der Plan, einen Kegelclub zu gründen: die „Nienburger Jungs“.

Der Club sollte vorrangig der Pflege von Geselligkeit dienen und weniger den Charakter eines Sportclubs haben. Zu den Clubgründern zählten Heinrich Gosewisch, Ernst F. May, Emil Twele und Hans Ernsting, der auch erster Kegelvater war. Das Kegeln begann im Hotel „Zum Anker“ am westlichen Weser-ufer, ein damals beliebtes Ausflugslokal, das 1967 abgerissen wurde. Heute ist das Grundstück an der Oyler Straße 17 mit einer Eigentumswohnanlage bebaut. Das Interesse, Mitglied bei den „Nienburger Jungs“ zu werden, wuchs von Jahr zu Jahr. Und so stießen in den 1920er Jahren auch Hans Rübenack und Friedrich Göllner zu den Keglern. Aber ohne sportlichen Ehrgeiz ging es nicht. So wurde es bis heute zur Tradition, ein jährliches Königskegeln zu veranstalten.

An einem Abend 100 Schub in die „Vollen“ verlangt von allen Akteuren auch heute noch höchste Konzentration und körperliche Anstrengung. Der Sieger wird mit der Königskette gekürt, auf die der Club besonders stolz ist. Befinden sich doch an der Kette alle „Könige“ in Form von angehefteten Münzen mit eingraviertem Namen und Jahreszahl der erlangten Königswürde. Erster Kegelkönig wurde am 18. August 1920 Uhrmachermeister Ernst May, auch Ernie genannt. Viele Namen sind aus der Geschichte Nienburgs und besonders seiner Kaufmannschaft nicht wegzudenken: Herbert Wömpner, Hans Hauschildt, Willi Dobberschütz oder Claus Hansen.

Anfang der 30er Jahre wechselte man das Kegellokal und ging zu Harry Henkel an der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße. In den folgenden Jahren erlebten die Aktivitäten des Clubs tiefe Einschnitte. Besonders die Kriegsjahre waren nicht dazu angetan, altgewohnte Geselligkeit und unbeschwerte Kegelfreuden zu pflegen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste das Kegeln zunächst eingestellt werden, weil die Kreissparkasse das gesamte Lokal Henkel bezogen hatte. Die eigenen Räume, das heutige Beratungszentrum der Sparkasse Nienburg am Goetheplatz 1, waren von der damaligen britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden.

1948 wurde der gewohnte Kegelbetrieb wieder aufgenommen. Inzwischen hatte sich die Technik beim Kegeln weiter entwickelt, so dass die „Nienburger Jungs“ am 24. Januar 1962 erstmalig auf einer vollautomatischen Bahn kegeln konnten. Es folgten Jahre mit wöchentlichen Kegelabenden auf den Bahnen der „Bürgerhalle“, im Gasthaus Dierks und im „Nienburger Kegelcenter“. Daneben führten viele Gemeinschaftsveranstaltungen und Reisen die Kegelbrüder in deutsche Lande, aber auch nach Norwegen und Frankreich.

Der Zahn der Zeit nagte aber an den in die Jahre gekommenen Keglern. Nachwuchs aus den eigenen Familien war für den Club nicht zu gewinnen. Darüber hinaus gehörte Kegeln nicht unbedingt zur Freizeitgestaltung der jüngeren Menschen. So zählt der Kegelclub heute nur noch sieben Aktive. Neben Gerd Stadick als derzeitigem Kegelvater, der im Jubiläumsjahr Kegelkönig mit respektablen 671 Holz wurde, gehören Siegfried Block, Dieter Isensee, Diethard Mücke, Gerd Ostwald, Michael Rehaag und Wolfgang Schmitz den „Nienburger Jungs“ an.

Auch in Zukunft wollen sie auf den Bahnen im „Restaurant am Bürgerpark“ in die „Vollen“ gehen. Von ihrer Jubelfeier in Franken, einer Region kultureller Höhepunkte, aber auch der guten Biere und Weine, kehrten die fröhlichen Kegler vor wenigen Tagen zurück.

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Erstellt:
29. Mai 2019, 09:42 Uhr
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