Foto: Christian Wiediger / Usplash

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13.07.2021 Von Die Harke

15 Jahre Jogi Löw

Die Europameisterschaft 2020 hat einen schweren Abschied von Joachim Löw genommen. Nach 15 Jahren und 198 geleiteten Spielen beendete der Bundestrainer seine Ära, und obwohl seine letzten Monate schwierig waren, hat er definitiv eine unauslöschliche Spur in dieser Mannschaft hinterlassen.

Wenn es um Titel geht, hat Löw das Wichtigste für eine Auswahl erreicht: Weltmeister zu werden. Brasilien 2014 bescherte ihm einen seiner wichtigsten Momente als Trainer und er schaffte es, seinen Namen in goldenen Buchstaben in die Geschichte Deutschlands einzuschreiben, nachdem er Argentinien den Pokal entrissen hatte. Drei Jahre später fügte er seiner Vitrine eine weitere Trophäe hinzu, indem er die deutsche Mannschaft zum ersten Mal zum Gewinn eines Confederations Cups führte. Während seiner Zeit auf der Trainerbank seines Landes erreichte er beeindruckende Zahlen mit 124 Siegen, 40 Unentschieden und nur 34 Niederlagen, Zahlen, die mit 467 Toren für und 200 Gegentoren einhergingen.

Die Ankündigung von Joachim Löw, dass er nach der Europameisterschaft als Bundestrainer zurücktreten wollte, kam kaum überraschend. Nachdem die Titelverteidigung in der Gruppenphase endete, wurden Löw und sein Team der üblichen Mischung aus Schuldzuweisungen und Gewissenserforschung unterworfen. Löw behielt dennoch seinen Job und kam mit einem neuen Deutschland heraus, indem er einige Eckpfeiler des vergangenen Erfolgs, vor allem Thomas Müller, fallen ließ und junge Spieler in einem frischen Kader förderte. Unglücklicherweise für den Manager schlug die UEFA die Nations League mitten in seinen Fahrplan aus der Krise und sein Team musste sehr früh mit dem Scheitern konfrontiert werden. Das Jahr 2018 endete mit enttäuschenden Ergebnissen gegen Frankreich und die Niederlande, bevor es im letzten November in Sevilla eine 0:6-Niederlage gegen Spanien gab. Es war eine demütigende Niederlage für Löw - Deutschlands größte seit 89 Jahren - aber mittlerweile hat er alles gesehen, was man einem internationalen Manager vorwerfen kann.

Dabei fing seine Zeit im Spitzenjob so gut an. Nachdem er auf der Welle des Positiven gesurft war, die die WM 2006 im eigenen Land ausgelöst hatte, trat Löw aus dem Schatten von Jürgen Klinsmann und führte die Mannschaft auf dem kurzen Weg ins benachbarte Österreich und die Schweiz zur Euro 2008. Ein geschickter Abschluss von Fernando Torres im Finale verhinderte, dass Löw den perfekten Start erwischte. Es war Löws Pech, dass er es mit einer überragenden spanischen Mannschaft zu tun hatte, die ihrerseits die Verteidigung der Weltmeisterschaft vereiteln sollte.

Der Grundstein für Deutschlands zukünftigen Erfolg wurde 2010 auf dem Rasen in Südafrika gelegt. Der Verlust von Michael Ballack vor dem Turnier sah zu diesem Zeitpunkt wie ein schwerer Schlag aus, aber Löw konnte aus einem schnell wachsenden Pool an Talenten schöpfen. Mehr als die Hälfte des Kaders war 24 Jahre alt oder jünger. Einmal aufgewärmt, stürzte sich Deutschland in das Turnier und schlug England und Argentinien in den K.o.-Spielen, bevor es im Halbfinale zu einem Duell mit einem übermächtigen spanischen Team kam, das wiederum mit einem Tor Unterschied verlor.

Alle Hoffnungen, die Löw zwei Jahre später in Polen und der Ukraine hegte, wurden von Italien im Halbfinale zunichte gemacht. Ein Doppelpack des jungen Mario Balotelli reichte für Deutschland in Warschau. Nach den Leistungen in Südafrika und mit zwei weiteren Jahren in den Beinen der jüngeren Spieler, war Deutschland einer der Favoriten. Doch wie schon 2006 war Italien eine Nummer zu groß. Am Ende gewann Spanien sein drittes Turnier in Folge.

Löws Rekord von zwei Halbfinalen und einem Finale in seinen ersten drei Turnieren würde in den meisten Nationen begrüßt werden, aber für Deutschland war es nicht ganz genug. Irgendetwas war anders im Jahr 2014. Die Stars von 2010 waren jetzt Superstars und für die Legenden, die seit 2006 dabei waren, hieß es jetzt oder nie. Nachdem Spanien und Italien in der Gruppenphase ausgeschieden waren, musste Deutschland nicht gegen die Teams antreten, die es in den vergangenen drei Turnieren bezwungen hatten. Mit viel Kampfgeist überstand man die Gruppenphase, und der Schock gegen Algerien in der zweiten Runde war ein Weckruf vor den letzten drei Spielen.

Ein nervöser, aber solider Sieg gegen Frankreich im Viertelfinale sorgte für das Spiel des Turniers gegen den Gastgeber. Hätte Deutschland in Belo Horizonte gegen Brasilien verloren, wäre es vielleicht das letzte Spiel von Löw gewesen. Es wäre eine ziemliche Herausforderung gewesen, sich neu zu formieren und nach vier knappen Niederlagen wieder aufzustehen. Aber dies war kein gewöhnliches Spiel. Sami Khedira erzielte das fünfte deutsche Tor, bevor eine halbe Stunde gespielt war, und gab Löw die Möglichkeit, den Rest eines surrealen und tränenreichen Abends mit der Planung für das Finale im Maracanã zu verbringen. Nach 112 angespannten Minuten im Finale gegen Argentinien bescherte ihm ein Schlenzer von Mario Götze mit dem linken Fuß den Ruhm, dem er seit seinem Eintritt in die Nationalmannschaft ein Jahrzehnt zuvor nachgejagt war.

Foto: Diogo Brandao / Usplash

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Nun aber steht die deutsche Nationalmannschaft vor dem Beginn einer neuen Ära mit Hansi Flick. Deutschland wechselt den Bundestrainer relativ selten - Hansi Flick ist erst der elfte in einer überschaubaren Liste seit 1926. Löw überlässt seinem Nachfolger nun eine leichtere Aufgabe, als es 2014 der Fall gewesen wäre. Die Nationalmannschaft hat erfolglose Jahre hinter sich und ist in einer Sackgasse gelandet. Eine Nationalmannschaft ist ein großes Puzzle aus vielen verschiedenen Möglichkeiten, welches der Bundestrainer richtig zusammensetzen - und ganz wichtig - auch coachen muss. Beim FC Bayern hat Flick bewiesen, dass er das Händchen dafür hat und immer noch ein Faible für junge Leute. Schließlich verpflichtete Flick in seiner Zeit als Sportdirektor den erfolgreichsten DFB-Trainer der letzten Jahre.

Was auch immer mit der deutschen Elf passieren wird, Löw verdient Anerkennung. Seit knapp 15 Jahren stand er an der Spitze der deutschen Nationalmannschaft und schickte sein Team 198-mal auf die Reise, auf verschiedenen Kontinenten, in allen möglichen Wettbewerben und gegen alle möglichen Gegner. Wer so lange eine öffentliche Position innehat, muss mit Höhen und Tiefen rechnen, aber eine Siegquote von fast 65 Prozent ist nicht zu verachten.

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Erstellt:
13. Juli 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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