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Nienburg 08.03.2020 Von Edda Hagebölling

192 Pflegeplätze nicht belegt

Die Stärkung der Pflegeberufe ist wichtig. Ohne Frage. Viel zu lange haben die Frauen und Männer, die in diesem Beruf arbeiten, viel zu wenig Geld bekommen. Das soll sich jetzt ändern. Die ersten Pflegeheime haben bereits das „Gesetz für bessere Löhne in der Pflege“ umgesetzt und mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Tarifverträge abgeschlossen. Sicherlich auch in der Hoffnung, als Arbeitgeber etwas attraktiver zu sein.

Immerhin sind im Landkreis Nienburg aktuell 192 Pflegeheimplätze nicht belegt. Der Grund: in vielen Fällen fehlt Personal. Das soll jetzt anders werden. Wie Andrea Braunack, beim Landkreis Nienburg für den Bereich Senioren und Pflege verantwortlich, berichtet, greifen in nächster Zeit drei Gesetze, die den Pflegeberuf attraktiver machen sollen.

  • 1. Das bereits erwähnte Gesetz für bessere Löhne in der Pflege.
  • 2. Die Regelung, dass die Auszubildenden nicht nur für ihre Ausbildung nicht mehr zahlen müssen, sie bekommen stattdessen sogar eine Ausbildungsvergütung
  • 3. Die Auszubildenden müssen erst im letzten Ausbildungsjahr entscheiden, ob sie künftig in der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege oder in der Altenpflege arbeiten möchten.

Hinzu kommt die Vereinbarung, dass Angehörige mit einem Jahreseinkommen von unter 100.000 Euro von der Beteiligung an den Heimkosten befreit sind.

„Wie großzügig“, habe ich damals schon gedacht. Aber auch damals schon die Frage aufgeworfen: Aber wer zahlt denn dann die Heimkosten? Die Bundestagsabgeordneten? Oder womöglich doch der Steuerzahler?

Im aktuellen Fall sind jedoch die Heimbewohner selbst die Leidtragenden. Da die Heime die steigenden Personalkosten in voller Höhe auf die Heimbewohner umlegen, können die Unterbringungskosten schon mal um 500 Euro steigen. Geld, das nur noch wenige Ältere selbst aufbringen können. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als Sozialhilfe zu beantragen. 90 Anträge sind bei Andrea Braunack allein in den Monaten Dezember, Januar und Februar eingegangen. Wie gemein.

Okay, laut Andrea Braunack werden bereits Gespräche mit den Pflegekassen geführt. Hätte der Gesetzgeber die Stärkung des Pflegeberufs jedoch gleich zuende gedacht, wäre vielen Seniorinnen und Senioren die Schmach, im Alter doch noch zum Sozialhilfeempfänger zu werden, erspart geblieben. Oder war man womöglich davon ausgegangen, dass die Alten das alles eh gar nicht so richtig mitbekommen?

Ihnen allen ein hoffentlich nicht zu verregneten Sonntag.

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Erstellt:
8. März 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

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