28.04.2013

1939 nach England geflüchtet

Zwei der insgesamt zehn neuen Stolpersteine sollen an das Ehepaar Feist erinnern

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Wie berichtet, wurden im Februar in Nienburg zu den bisher bestehenden neun zehn neue Stolpersteine verlegt. Zwei davon sollen an Henriette und Alfred Feist erinnern. Nienburgs Archivarin Patricia Berger konnte Folgendes in Erfahrung bringen: An der Langen Straße 76 hatte Isaak Feist einst sein Geschäft für Herrenbekleidung und Schuhwaren: „Feist – Schuhe und Konfektion. Das Haus der größten Auswahl“. Nach seinem Tod am 12. November 1923 übernahm seine Frau Henriette – sie war zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt – das Geschäft, später dann unterstützte sie ihr Sohn Alfred.

Henriette Feist war eine geborene Blankenburg und stammte aus Eberswalde. 1886 hatte sie in Kassel ihren Mann Isaak Feist geheiratet, die beiden zogen nach Nienburg und erwarben im gleichen Jahr ihr Wohn- und Geschäftshaus. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Elfriede, Jahrgang 1901 und Alfred, am 5. Mai 1902 in Nienburg geboren.

Elfriede Feist siedelte bereits 1932 nach Tel Aviv über. Henriette und Alfred Feist verließen zu Beginn des Jahres 1938 Nienburg und zogen nach Hannover, ihr Haus hatten sie verkauft. Vielleicht hofften sie, in der Anonymität der Großstadt sicherer zu leben oder suchten die Möglichkeit einer Emigration. Alfred Feist wurde nach der Pogromnacht 1938, wie viele andere jüdische Männer auch, festgenommen und inhaftiert. Während eines Besuchs seiner Schwiegereltern in Hannoversch-Münden, war er in das Gerichtsgefängnis nach Göttingen gebracht und sechs Wochen festgehalten worden.

Seine Mutter, Henriette Feist, zuletzt in Hannover-Ahlem interniert, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Mit ihr waren etwa 800 weitere, zumeist ältere, gebrechliche Menschen aus den Regierungsbezirken Hannover und Hildesheim zusammengetrieben worden. Das Konzentrationslager mit dem zynischen Eingangsschild „Arbeit macht frei“ war für die meisten eine Durchgangsstation auf dem Weg in die Vernichtungslager.

Henriette Feist wurde von dort am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka gebracht und ermordet. Sie war 80 Jahre alt. Ihr Name mit dem Hinweis auf ihre Deportation und Ermordung findet sich auf dem Grabstein ihres Ehemannes Isaak auf dem hiesigen jüdischen Friedhof.

Alfred Feist gelang 1939 die Flucht nach England, später siedelte er in die USA um. 1975 war er der erste ehemalige Nienburger jüdischen Glaubens, der auf Einladung der Stadt Nienburg seine frühere Heimatstadt besuchte.

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Erstellt:
28. April 2013, 00:00 Uhr
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