Die kurdische Version des nebenstehenden Textes. CJD

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Nienburg/Stolzenau 23.06.2019 Von Die Harke

1984 als Gastarbeiter angekommen

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: Die Geschichte von Sherin B. und ihrer Familie

Im Mittelpunkt der heutigen Folge des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“ steht die Geschichte von Sherin B. und ihrer Familie. Das Gespräch mit ihr führte CJD-Mitarbeiterin Nurten Akan. Sie schreibt:

Mein Name ist Sherin B. Ich bin 39 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und zwei Kindern in Stolzenau. Wir sind 1986 von Salzgitter nach Stolzenau gezogen. 1984 sind wir als Gastarbeiter nach Deutschland gereist. Unsere Heimat war die Türkei. Mein Mann hat dann in einer Firma in Salzgitter angefangen zu arbeiten und ich war die ersten sechs Monate zu Hause. Danach habe ich auch angefangen, in der Firma zu arbeiten. 1986 bekam ich dann mein erstes Kind.

„Ich war sehr zufrieden“

Nach der Geburt meines Sohnes sind wir nach Stolzenau umgezogen. Eine Dame Namens Sabine hat uns geholfen, uns in Stolzenau einzuleben. Sie hat uns bei den Anmeldungen und allen Formalitäten geholfen. Wir wollten nach Stolzenau, weil die Familie meines Mannes hier lebte. 1989 bekam ich dann meine Tochter. Ab hier musste ich mich dann um die Kinder kümmern, und mein Mann hat dann in einer Gärtnerei angefangen zu arbeiten. Wir bekamen zusätzlich noch finanzielle Hilfe vom Staat.

In der Anfangszeit war natürlich alles fremd für uns, da unsere Familien aber vor uns schon ein paar Jahre in Stolzenau gelebt haben, war es nicht so schwer, sich einzuleben. Und ich war an einem Punkt angelangt, dass ich als Hauptjob Mutter bin. Ich war sehr zufrieden.

Kiosk in Stolzenau

Ich wollte, dass meine Kinder selbstständig werden. Kindergarten, Schule und eine abgeschlossene Ausbildung waren meine Wünsche und Ziele. Heute haben beide Kinder eine abgeschlossene Ausbildung. Mein Sohn ist Betriebswirt und meine Tochter ist Einzelhandelskauffrau und hat mittlerweile auch eine eigene Familie.

Nachdem meine Kinder groß waren, habe ich natürlich wieder angefangen zu arbeiten. Da ich in der Heimat keine Schule besucht habe, hatte ich es sehr schwer, Deutsch zu lernen. Ich hatte in Deutschland auch keine Möglichkeit, Sprachkurse zu besuchen, weil ich zwei Kinder erziehen musste. Durch deutsche Freunde habe ich dann auch gelernt, Deutsch zu sprechen. Meine Termine habe ich dann immer alleine wahrgenommen, damit ich ohne Hilfe im Leben zurecht komme.

In Stolzenau haben wir 2000 einen kleinen Kiosk aufgemacht und waren dann etwa sieben Jahre selbstständig. Im Großen und Ganzen haben wir uns hier sehr gut eingelebt. Auch haben wir als Familie bei der Zuwanderung der Migranten in den letzten Jahren in unserem Landkreis sehr viel ehrenamtlich geholfen.

Wir haben hier in unserer Samtgemeinde und auch in unserem Landkreis bei der Übersetzung unterstützt. Es war ein schönes Gefühl, zu helfen, weil wir in den Anfangsjahren, als wir nach Deutschland kamen, auch Hilfe bekommen haben, ohne was dafür zahlen zu müssen.

Heute geht es uns gut. Wenn wir unsere Heimat und Freunde vermissen, dann versuchen wir dort auch mal hinzufliegen. Wir haben dort zwar keine Familie mehr, aber sehr gute Freunde, die uns auch sehr vermissen. Erfolg im Leben zu haben ist eine Lebenseinstellung. Ich war damals, als wir hergereist sind, der festen Überzeugung, dass ich meinen Zielen nachkommen kann.

Heute bin ich froh, dass es uns gut geht, meine Kinder schulisch erfolgreich waren und mittlerweile je eine kleine Familie haben.

Das nächste Begegnungscafé der Nienburger Kirchengemeinde St. Martin findet am kommenden Dienstag ab 16 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz statt. Alle sind willkommen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration (BAMF) gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Ein Foto aus der Region, in der Sherin und ihre Familie gelebt haben, bevor sie als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. CJD/ Sherin B.

Ein Foto aus der Region, in der Sherin und ihre Familie gelebt haben, bevor sie als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. CJD/ Sherin B.

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Erstellt:
23. Juni 2019, 08:23 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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