Edda Hagebölling DIE HARKE

Edda Hagebölling DIE HARKE

Nienburg 22.12.2018 Von Edda Hagebölling

30 km/h, nicht 60

Puh. Schw... gehabt. 108,50 Euro und ein Punkt. Vom Führerschein war gottlob nicht die Rede. Die „gute Nachricht“ kam rechtzeitig vorm Fest. Per Einschreiben. Obwohl: keine Rechnung über 108,50 Euro und kein Punkt wären natürlich noch besser gewesen. 55 km/h war ich gefahren, wo ich fast jeden Morgen fahre.

Auf dem Weg zur Arbeit noch kurz beim Jibi anhalten. Die Aushänge am Offenen Bücherschrank aktualisieren und noch schnell einkaufen. Doch dieses Mal stand der Infrarotblitzer des Landkreises im Wald gegenüber von Schule und Kindergarten. 30 km/h ist dort seit einiger Zeit vorgeschrieben.

„Ob ich die Ordnungswidrigkeit zugebe“, wurde ich kurz darauf in einem Schreiben des Straßenverkehrsamtes gefragt. Natürlich. War ja auch mein Fehler. „Das ist überhaupt nicht selbstverständlich“, berichtete später die zuständige Mitarbeiterin am Telefon. Etwas falsch machen und dann nicht dazu stehen? Hm.

Welche Auswüchse die Liebe des Deutschen zu seinem Auto annehmen kann, berichtete ebenfalls in diesen Tagen ein Anlieger der B 209 in Heemsen. Die Straße war für den Durchgangsverkehr voll gesperrt worden, damit die Arbeiter die Sanierung der Seitenräume vornehmen können, ohne dass ihnen der Hintern abgefahren wird. Die Anlieger durften sich dagegen vorsichtig durchschlängeln, hieß es aus dem Rathaus. Das mit dem Durchschlängeln hatte sich offenbar auch bis den benachbarten Heidekreis herumgesprochen. Allerdings ganz offenkundig ohne den Zusatz „vorsichtig“. „An einem Tag sind von der Polizei bis zu 40 Verstöße festgestellt worden“, berichtete besagter Anlieger. Geschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern seien keine Seltenheit gewesen. Die gesperrte B 209 war zur Rennstrecke geworden.

Mittlerweile ist die Straße fast fertig. 40 darf gefahren. Weil die Fahrbahn-Markierungen noch fehlen. Wie erholsam. Könnte eigentlich so bleiben.

Erholsam ist auch für Sie hoffentlich der heutige 4. Advent. Ein Stückchen Stollen, ne CD mit Weihnachtsliedern, die vierte Kerze auf dem Adventskranz, morgen nur noch ein paar Kleinigkeiten besorgen und schon ist Weihnachten da. Nirgendwo steht, dass es perfekt sein muss.

Doch wie gerne lassen wir uns von dem Wunsch, den perfekten Weihnachtsbaum und das leckerste Weihnachtsessen "ever" anbieten zu müssen, stressen. Und verschließen uns in unserer Freude auf das Fest vor der Tatsache, dass es auch in diesem Jahr in unserer Umgebung zahlreiche Menschen geben wird, denen vor dem Fest der Liebe eher graust.

Zum Artikel

Erstellt:
22. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.