Setzte sich mit 3:1 gegen den Franzosen Jules Rolland durch: Kay Stumper. Foto: Xu Bingjie/XinHua/dpa

Setzte sich mit 3:1 gegen den Franzosen Jules Rolland durch: Kay Stumper. Foto: Xu Bingjie/XinHua/dpa

Chengdu 07.10.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

„Wahnsinn“: Tischtennis-Team ohne Topstars im WM-Halbfinale

Timo Boll fehlt, Dimitrij Ovtcharov fehlt, Patrick Franziska fehlt: Trotzdem steht ein völlig neuformiertes deutsches Team bei der Tischtennis-WM jetzt im Halbfinale. Und wieder gab es einen Krimi.

Solche WM-Momente kannte die vermeintlich zweite deutsche Tischtennis-Reihe bislang nur von der Tribüne: Benedikt Duda stand mit weit hochgerissenen Armen am Tisch. Und seine beiden Mitspieler liefen von der Bank aus jubelnd auf ihn zu. Auch ohne die Topspieler Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov hat die deutsche Nationalmannschaft bei der Team-Weltmeisterschaft in China ihren Platz im Halbfinale und damit auch mindestens schon die Bronzemedaille sicher. Und genau wie die deutschen Frauen am Tag zuvor gegen Hongkong gewann sie ihr Viertelfinale gegen Frankreich nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2. Halbfinal-Gegner ist jetzt am Samstag Südkorea. Roßkopf: „Wahnsinn, dass wir eine Medaille haben“„Deutschland ist nie zu unterschätzen - egal, mit welcher Truppe wir kommen“, sagte der Einzel-Europameister Dang Qiu. „In so einer starken Tischtennis-Nation und bei so einer großen Tischtennis-Historie hat man natürlich mehrere gute Spieler. Wir haben unsere Chance hier bekommen - und gezeigt, dass wir es auch können!“ Dass gleich beide deutschen Teams eine WM-Medaille holen, gab es zuletzt 2010 in Moskau und davor 1997 in Manchester. Dass jedoch Dang Qiu (Borussia Düsseldorf), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt) und der erst 19-jährige WM-Debütant Kay Stumper (Borussia Düsseldorf) ähnlich weit kommen, wie dies der Rekord-Europameister Boll, der Olympia-Dritte Ovtcharov (beide Trainingsrückstand) und der gerade zum ersten Mal Vater gewordene Patrick Franziska sonst verlässlich taten, ist eine Überraschung. „Es ist Wahnsinn, dass wir schonmal eine Medaille haben“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Südkorea ist natürlich ein sehr schwerer Gegner, die spielen hier echt gut.“ Gegen Frankreich setzten seinem Team zunächst die erst 19 und 16 Jahren alten Brüder Alexis und Felix Lebrun stark zu. Alexis schlug Duda nach einem 0:2-Satzrückstand mit 3:2. Gegen „den Kleinen“ (Roßkopf über Felix Lebrun) hatte danach selbst Europameister Dang keine Chance (1:3). Die Wende leitete das bei seiner ersten WM noch immer ungeschlagene deutsche Toptalent Stumper gegen Jules Rolland (3:1) ein. Danach besiegten auch Dang und Duda die beiden Lebrun-Brüder - diesmal nur in umgekehrter Konstellation. Boll, Ovtcharov und Franziska schicken Grüße„Das ist Sport“, sagte der 28 Jahre alte Duda. „Es war eine harte Niederlage zum Auftakt und ich war sauer auf mich. Aber ich wusste: Wir kommen zurück und ich kriege noch unser fünftes Match. Niemand spielt beim Stand von 2:2 gern. Aber mir war klar: Das Momentum ist auf unserer Seite, die Franzosen sind etwas angeknackst. Das Ende war unglaublich.“ Der Verlauf dieser WM spiegelt die Entwicklung im internationalen Tischtennis wieder. Viele Teams stellen sich mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris neu auf. Gerade in Europa sorgen junge Spieler wie Dang Qiu mit seinem EM-Titel, der Schwede Truls Möregardh mit Platz zwei bei der Einzel-WM oder die Lebrun-Brüder für Aufsehen. Auch beim Halbfinal-Gegner Südkorea sind vier der fünf Spieler nicht älter als 24 Jahre. Nur beim Gastgeber und Topfavoriten China stehen weiterhin der Einzel-Weltmeister Fan Zhendong und der Einzel-Olympiasieger Ma Long am Tisch. Ihre deutschen Dauerrivalen Boll, Ovtcharov und Franziska flogen am Donnerstagabend nach China, um dort bei mehreren WTT-Turnieren Weltranglisten-Punkte für die Olympia-Qualifikation zu sammeln. Vor diesen Turnieren auch noch eine WM zu spielen, hätten sie nicht geschafft. Dafür schickten sie in den sozialen Netzwerken Grüße an Duda, Dang und Co. Besser hätten sie es bei dieser WM auch kaum machen können.

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Erstellt:
7. Oktober 2022, 10:39 Uhr
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