Nienburg 26.11.2017 Von Die Harke

347 Millionen Euro für Reisen

Appell an heimische Bundestagsabgeordnete: „Tourismus nicht teuer machen“

Reiselust steht hoch im Kurs: Die Menschen aus dem Landkreis geben fast 347 Millionen Euro pro Jahr für den Tourismus aus – von der Landpartie bis zur Pauschalreise und von der Radtour bis zum Städtetrip. Das geht aus einer regionalen Tourismus-Analyse hervor, die das Pestel-Institut erstmals für die Initiative „Auf Zukunft gebucht“ der Tourismuswirtschaft gemacht hat. Diese wollte wissen, wieviel das touristische Erleben den Menschen in der Region wert ist. Die Pro-Kopf-Ausgaben für den Tourismus betragen im Landkreis 2900 Euro im Jahr. „Egal, ob es der Flug zur Ferieninsel oder das Essen am Urlaubsort ist: Rund 18 Prozent vom Geld, das die Kreis-Nienburger ausgeben, fließt in den Tourismus. Zum Vergleich: Elf Prozent sind es für Nahrungsmittel. Bundesweit liegt die Ausgabe hier bei durchschnittlich 1800 Euro pro Kopf und Jahr“, sagt Matthias Günther. Für den Leiter des Pestel-Instituts ist der Tourismus damit ein starker Wirtschaftsfaktor.

Die Attraktivität des Tourismus’ wäre noch zu steigern. Er könnte Urlaubern mehr fürs Geld bieten, sagt der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). Dies fange bei der unterschiedlich hohen Besteuerung von Speisen an: „Es ist nicht einzusehen, warum frisch zubereitetes Essen in Restaurants nicht geringer besteuert wird – nämlich mit sieben statt der bislang fälligen 19 Prozent Mehrwertsteuer. Dies ist bei fertigen Produkten aus dem Supermarktregal oder von der Ladentheke in Bäckereien und Metzgereien, die ‚auf die Hand‘ verkauft werden, völlig normal“, sagt BTW-Generalsekretär Michael Rabe.

Die Tourismuswirtschaft kritisiert, dass der Staat an der Preisspirale beim Reisen drehe. Allen voran durch die Luftverkehrssteuer, die Deutschland im Alleingang erhebe. Sie werde immer dann fällig, wenn ein Flugzeug von einem deutschen Flughafen abhebe und mache das Reisen so jährlich um gut eine Milliarde Euro teurer.

Auch die Luftsicherheitsgebühren wälze der Staat auf die Reisenden und Unternehmen ab. „Hier geht es um Passagier- und Gepäckkontrollen – und um bundesweit fast 700 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Dabei ist Terrorismusbekämpfung und Gefahrenabwehr eine staatliche Aufgabe“, sagt Rabe.

Die Branche appelliert in einem Brief an die heimischen Bundestagsabgeordneten, sich für ein „günstigeres Reiseklima“ einzusetzen. „Es wird Zeit, die Stellschraube staatlicher Kostentreiber im Tourismus zurückzudrehen. Es trifft den Großteil der Bevölkerung im Landkreis, wenn der Staat einen starken ‚Steuer- und Gebühren-Aderlass‘ beim Tourismus betreibt“, sagt Rabe. Die Tourismusbranche spricht sich in dem Brief zudem für ein bezahlbares Bahnfahren aus.

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Erstellt:
26. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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