Luciana Tardivo im Eiscafé 1986. Fotos: Tardivo

Luciana Tardivo im Eiscafé 1986. Fotos: Tardivo

Liebenau 18.05.2021 Von Die Harke

40 Jahre italienisches Eis in Liebenau

Familie Tardivo blickt aus dem Ruhestand zurück auf ihre Zeit als Cafébetreiber an der Aue

Eine Eisdiele mit dem Namen „Eiscafé Diana“ gibt es noch immer in Liebenau. Die langjährige Betreiberfamilie Tardivo genießt aber nach der Schließung ihres Traditionslokals vor zwei Jahren ihren Ruhestand in Ostwestfalen. Nach der Berichterstattung über die neue Eisdiele gleichen Namens blicken die Tardivos in der HARKE noch einmal zurück auf ihre fast 40-jährige Eismacher-Laufbahn an der Aue.

Der Italiener Ezio Panigehl hatte 1980 das Eiscafé an der Langen Straße in Liebenau eröffnet. „Er benannte es nach seiner Tochter Diana“, schreibt Tardivo-Sohn Mario, der seine Eltern Luciana und Olindo Tardivo viele Jahre in der Eisdiele unterstützte.

1982 übernahm Vittorio de Bortoli das Café mit seiner Lebensgefährtin. „Er erkannte das Potenzial der kleinen Eisdiele und plante eine Vergrößerung“, schreibt Mario Tardivo: „Das ließ sicher allerdings nur mit der Unterstützung aus der Familie realisieren.“

Kunst der Eisherstellung in Italien, Deutschland und der Schweiz erlernt

De Bortolis Schwester Luciana Tardivo und ihr Mann Olindo hatten wie er die Kunst der Eisherstellung an verschiedenen Orten in Italien, Deutschland und der Schweiz erlernt. So kam im Jahr 1984 die Familie Tardivo aus dem Rheinland nach Liebenau. Das Lokal wurde vergrößert und hatte nun fast 70 Sitzplätze. Die Tardivos erinnern sich: „Eine Außenbestuhlung kam dazu, und Vittorio de Bortoli fuhr mit seinem geliebten Eiswagen übers Land, um die kalte Köstlichkeit aus Liebenau ins Umland zu bringen.“

Luciana und Olindo Tardivo genießen ihren Ruhestand.

Luciana und Olindo Tardivo genießen ihren Ruhestand.

1995 starb de Bortoli nach kurzer schwerer Krankheit. Mario Tardivo: „Die Familie hatte nicht nur ein Familienmitglied verloren, sondern auch einen echten Künstler, was die Eisherstellung anbelangte.“ So entschied sich Mario Tardivo, der die Eisherstellung von seinem Onkel erlernt hatte, von seinem Musikstudium in Wien nach Liebenau zurückzukehren, um die Familie zu unterstützen. Er studierte in Hannover an der dortigen Hochschule für Musik weiter und konnte somit im elterlichen Betrieb helfen.

Es gab immer viel Arbeit. Die Belohnung waren viel Eis und die selbst gemachte Lasagne meiner Mutter. Mario Tardivo

„Die Produktionstechniken im Eislabor wurden auf den neusten Stand gebraucht und effiziente und schnelle Pasteurisier- und Eismaschinen angeschafft“, schreibt Mario Tardivo: „Wenn Studienkollegen zu Besuch kamen, mussten alle mithelfen. Es gab immer viel Arbeit. Die Belohnung waren viel Eis und die selbst gemachte Lasagne meiner Mutter.“

Als Mario Tardivo sein Studium beendet hatte, war auch der jüngere Bruder Marco soweit, dass er die Eisproduktion übernehmen konnte. Zusätzlich besuchte er die Eisfachschule in Longarone in Norditalien. „Das Eiscafé war mittlerweile eine Institution über die Ortsgrenzen von Liebenau hinaus geworden“, sagt Mario Tardivo: „Der Renner war damals der Nussbecher. Dafür wurden die Halsenüsse selber im Backofen geröstet und ein spezieller Haselnusseierlikör aus Italien verwendet. Die Erdbeersoße wurde immer selber frisch hergestellt – ebenso die Karamellsoße.“

Sohn Marco Tardivo beim Eismachen 1999.

Sohn Marco Tardivo beim Eismachen 1999.

Das Entscheidende sei immer die Herstellung des Eises gewesen, sagen die Tardivos. Es gab Schokoladeneis, in dem echte Schokolade war, oder ein Vanilleeis mit richtigen Vanilleschoten. „Wenn man Eis auf diesem Niveau herstellt, ist es teuer“, sagt Mario Tardivo: „So wurde es gerade in den letzten Jahren immer schwieriger für unsere Familie, kostendeckend zu arbeiten. Hinzu kamen die immer älter werdende Einrichtung der Eisdiele und der Zustand der angemieteten Räumlichkeiten. Die hätten dringend renoviert werden müssen. Es wären gewaltige Investitionen notwendig gewesen.“

Im Oktober 2019 fiel die Entscheidung, das Eiscafé zu schließen

Sohn Marco wollte sich dieser Aufgabe und dem Risiko nicht stellen. „Somit fiel im Oktober 2019 die Entscheidung, das Eiscafé zu schließen“, schreibt Mario Tardivo. Es gab keinen Nachfolger, und die Tardivos zogen zu ihrem älteren Sohn.

„Aus der Zeitung haben die beiden dann erfahren, dass Frau Gülendam Öksüz-Tavan das Eiscafé ohne eigene Eisherstellung weiterführen wird“, schreibt Mario Tardivo: „Meine Familie möchte sich noch einmal bei ihren treuen Kunden und Weggefährten bedanken und gleichsam verabschieden.“ Den Kontakt zu ihren Kunden vermissen die beiden nach eigenen Worten sehr, aber jetzt genießen sie ihren Ruhestand in Ostwestfalen.

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Erstellt:
18. Mai 2021, 19:45 Uhr
Lesedauer:
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