Der Hamelner Historiker und Pädagoge Bernhard Gelderblom ist der Kurator der Ausstellung. Polizeiakademie

Der Hamelner Historiker und Pädagoge Bernhard Gelderblom ist der Kurator der Ausstellung. Polizeiakademie

Nienburg 17.11.2017 Von Die Harke

40 Jahre nach der „Schlacht um Grohnde“

Neue Sonderausstellung im Polizeimuseum eröffnet / Morgen erste kostenlose Führung

Geschichtlich interessierte Besucher begrüßte der Direktor der [DATENBANK=5544]Polizeiakademie Niedersachsen[/DATENBANK] [DATENBANK=1296]Dieter Buskohl[/DATENBANK] zur Ausstellungseröffnung „40 Jahre ‚Schlacht um Grohnde‘“ am Donnerstagabend im [DATENBANK=668]Polizeimuseum in Nienburg[/DATENBANK]. Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2018 zu Gast. Während der Laufzeit bietet das Polizeimuseum verschiedene Veranstaltungen an. Bereits diesen Sonntag, 19. November, und am Dienstag, 21. November, finden kostenlose Führungen statt. Die Ausstellung befasst sich mit den Geschehnissen vom 19. März 1977: Damals eskalierte ein Polizeieinsatz zur Räumung des besetzten Baugeländes des Atomkraftwerks Grohnde. Die gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei ist heute als „Schlacht um Grohnde“ bekannt. Der Hamelner Historiker und Pädagoge Bernhard Gelderblom hat die Ausstellung im Auftrag der Regionalkonferenz „AKW Grohnde abschalten“ entwickelt. Sie fußt vornehmlich auf Zeitzeugenberichten mit verschiedenen, teils kontroversen, Sichtweisen auf das Geschehen.

Akademiedirektor Buskohl bezeichnete die Bedeutung der Ereignisse vom 19. März 1977 als ein „nicht abgeschlossenes Kapitel niedersächsischer Polizeigeschichte“: „Der Einsatz in Grohnde (...) war ein Schock für die Polizei“, sagte Buskohl. Eine solche Gewalterfahrung im Zuge zivilen Protestes habe die Polizei in Niedersachsen bis dahin nicht gemacht. Der Einsatz habe sich in einer Zeit ereignet, die für die Polizei von der ersten Welle linksterroristischer Gewalt als auch durch das Bestreben nach mehr Bürgernähe geprägt war. „Das Besondere an der Geschichte der „Schlacht um Grohnde“ ist, dass sie durch die zahlreichen Zeitzeugen heute noch erlebte Geschichte ist.“ so Buskohl. So befanden sich unter den Gästen der Ausstellungseröffnung auch einige der damals Beteiligten.

Abschließend betonte Buskohl die positive Entwicklung, dass nach über 40 Jahren mit dieser Ausstellung eine Brücke geschlagen werde: „Eine Brücke, die alte und tiefe Gräben in der Erinnerung überwinden helfen soll.“ Mit einem kritischen Blick in die Gegenwart erinnerte er jedoch auch an den G20-Gipfel von Hamburg und stellte fest, dass gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und demonstrierenden Bürgern keine nur historische Erscheinung sei.

Der ebenfalls anwesende Kurator Gelderblom knüpfte in seiner Einführung in die Ausstellung an die Worte Buskohls an. Er habe in den Fokus der Ausstellung Erfahrungsberichte von Beteiligten gestellt. Die einzelnen Berichte formten sich zu einer sehr komplexen Thematik rund um die gewalttätigen Ereignisse vom 19. März 1977. „Von beiden Seiten ging große Gewalt aus. Es ist wohl nur dem Glück zu verdanken, dass es keine Toten gab.“ so Gelderblom. Die Ausstellung erstrecke sich vom Beginn des Widerstands 1973 über den gewalttätigen Höhepunkt bis in das Jahr 1986. Gelderblom freue sich über die Präsentation seiner Ausstellung im Polizeimuseum mit einem sehr ansprechenden Begleitprogramm.

Einen Bogen in die polizeiliche Gegenwart spannte Uwe Albers, Leiter des Studiengebiets „Einsatz- und Verkehrslehre, Organisationswissenschaften“ an der Akademie. In seinem Vortrag beschäftigte er sich mit den aktuellen Anforderungen an die Einsatzbewältigung. Unter anderem gab er dem Publikum einen Einblick in rechtliche Grundlagen, strategische Leitlinien und verschiedene taktische Überlegungen bei Einsätzen. Ebenso betonte er die vielfältigen Anforderungen – auch die gesellschaftlichen – denen sich die Polizei bei Einsätzen stellt. „Die Polizei plant Einsätze auf der Grundlage aktueller Lagebilder. Bei den Konzepten spielt das Streben nach langfristigem Vertrauensaufbau zur Bevölkerung und die Gewaltprävention eine Rolle“, so Albers. „Auch der Fürsorgeaspekt für Einsatzkräfte ist ein wichtiger Punkt.“

Bei der Ausstellungsbesichtigung im Anschluss stießen vor allem die Zeitzeugenberichte über die „Schlacht um Grohnde“ auf reges Interesse. Bei vielen Gesprächen zeigte sich, wie stark sich die Ereignisse ins Gedächtnis der damaligen Beteiligten eingeprägt haben. Museumsleiter [DATENBANK=4145]Dr. Dirk Götting[/DATENBANK] zog eine positive Bilanz des Abends: „Unsere Idee, die wir mit dieser offenen Ausstellungseröffnung hatten, ist aufgegangen.“

Die ersten öffentlichen Führungen finden am morgigen Sonntag um 15 Uhr und am Dienstag um 16 Uhr statt: Der pensionierte Polizeibeamte und Zeitzeuge Joachim Ulber wird von seinen Erlebnissen bei der „Schlacht um Grohnde“ berichten. Der Eintritt ist frei.

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Erstellt:
17. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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