70 Einsätze für Nienburgs Feuerwehren – und auch Frust

70 Einsätze für Nienburgs Feuerwehren – und auch Frust

So wie hier am Schlossplatz sah es nach den Unwettern vielerorts in Nienburg aus. Foto: Henkel

Auch wenn die Wetterdienste vor Starkregen und Gewittern am Wochenende gewarnt hatten, so hatte niemand diese Dimensionen erahnen können. Aus Osten kommend zog sich der Himmel am Freitag gegen 21.30 dunkel zu. Innerhalb kürzester Zeit kamen mit Sturmböen Hagel und Starkregen. Im Innenstadtbereich kamen über 40 Liter pro Quadratmeter Regen vom Himmel.

Um 21.45 Uhr alarmierte die Leitstelle Schaumburg die Ortsfeuerwehr Nienburg zu einem vollgelaufenen Keller. Während sich die ersten Einsatzkräfte im Feuerwehrhaus umzogen, ereilte ein weiterer Notruf die Feuerwehr. Eine Person sei von den Wassermassen in einer Kellergeschosswohnung eingeschlossen. Beim Eintreffen der Feuerwehr konnte dort aber schnell Entwarnung gegeben werden. Es drang zwar Wasser in den Wohnungsbereich ein – jedoch war keine Person Gefahr.

Die Einsatzkräfte pumpten das Wasser weg, sodass ein gefahrloser Zugang zur Wohnung möglich war. Von nun an ging es Schlag auf Schlag.

Immer mehr Meldungen über eindringendes Wasser erreichte die Feuerwehr. Hierbei waren nicht nur Keller und Garagen betroffen, auch Geschäftsräume in der Nienburger Innenstadt wurden von den Wassermassen geflutet. Die Unterführungen am Nordertorstriftweg sowie die der Verdener Landstraße musste zeitweise komplett wegen Überflutung für den Verkehr gesperrt werden.

Da für die Ortsfeuerwehr Nienburg diese Masse an Einsätze nicht allein mit Technik und Mannschaft abzuarbeiten war, wurden die Ortsfeuerwehren Erichshagen-Wölpe, Holtorf und Langendamm zur Unterstützung hinzualarmiert. Über 40 Einsatzstellen wurden bis in den frühen Samstagmorgen von den ehrenamtlichen Kräften abgearbeitet.

Nach einer sehr kurzen Nacht erfolgte wieder eine Alarmierung zu einem vollgelaufenen Keller. Vor Ort war jedoch die Wassermenge zu gering für einen Einsatz der Feuerwehr.

Um 8.25 Uhr meldete sich ein Geschäftsmann vom Schlossplatz bei der Feuerwehr. Das Kellergeschoss war voll Wasser gelaufen. Auch hier wurden die Einsatzkräfte aktiv. Mit mehreren Pumpen wurde über zwei Stunden das Wasser hinausbefördert. Parallel dazu meldeten sich immer mehr Personen, die erst mit dem neuen Tag Wasser in ihren Gebäuden festgestellt hatten oder durch den erneut einsetzten Starkregen betroffen waren. Da auch hier die Masse zunahm, wurden die Ortsfeuerwehren Erichshagen-Wölpe, Holtorf und Langendamm erneut hinzugezogen. Speziell forderte ein großes Kellergeschoss in der Langen Straße die Einsatzkräfte über fünf Stunden.

Dass die Feuerwehr nicht nur Wasser pumpen kann, stellte sie ganz beiläufig unter Beweis. Neben den vielen Unwettereinsätzen unterstützte die Ortsfeuerwehr Nienburg noch die Werkfeuerwehr Industriepark Nienburg (IPN) bei einem kleineren Einsatz, fuhr zweimal zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage und leistete technische Hilfeleistung bei zwei schweren Verkehrsunfällen im Bereich Rodewald.

Wir können uns nicht nach den Terminen der Betroffenen richten, sondern kommen sofort oder man muss sich selber helfen.

Stadtbrandmeister Stephan Ottens

Es gab aber neben den zahlreichen Einsätzen auch Frust. „Manch ein betroffener Bürger meinte, der Feuerwehr einen Termin zu geben, wann man zum Leerpumpen des Kellers kommen könne!“ so Stadtbrandmeister Stephan Ottens. „Wir können uns nicht nach den Terminen der Betroffenen richten, sondern kommen sofort oder man muss sich selber helfen.“

Was zudem zu Frust bei der Feuerwehr geführt hat, sind die Bürger, die selbst einen feuchten Teppich von den Einsatzkräften getrocknet haben wollten. „Da hört unser ehrenamtliches Engagement auf! Wir sind nicht bei ,Schöner Wohnen’, sondern helfen Menschen in Not!“ betonte Marc Henkel als Pressesprecher der Stadtfeuerwehr Nienburg.

Bis Samstag gegen 19 Uhr hatten die vier Ortsfeuerwehren der Stadt Nienburg über 70 Einsätze in nicht mal 24 Stunden abgearbeitet – teilweise bis zur absoluten Erschöpfung.