Nikias Schmidetzki DH

Nikias Schmidetzki DH

Kolumne 23.09.2017 Von Nikias Schmidetzki

Ab durch die Hecke!

Über ein halbes Jahr, ganze sieben Monate, sollten Hecken nach Möglichkeit vom Schnitt verschont bleiben. Denn Hecken bieten nicht nur Sichtschutz vor neugierigen Nachbarn und Passanten, sie bieten kleinen Tieren auch die Möglichkeit, dort zu nisten, zu brüten und zu hausen. Sogenannte Form- und Pflegeschnitte sind zwar erlaubt, vorausgesetzt, der fleißige Gärtner hat sich zuvor vergewissert, dass sich tatsächlich kein zwitscherndes oder piepsendes Leben im Grün befindet. Aber das ist bald vorbei. Das Warten hat ein Ende. Die Langeweile ist vorbei. Am 1. Oktober endet die Schonzeit, und Hecken dürfen wieder geschnitten werden, dass es nur so kracht.

Wer nun also noch das Argument des Naturschutzes anführt, um der Schnittarbeit zu entgehen, hat noch weniger als eine Woche Zeit, sich etwas Neues auszudenken. Schlimmer Rücken wäre was. Oder andere Gebrechen.

Es kann nämlich sein, dass ein besonders korrekter Nachbar auf den Heckenschnitt besteht, falls der vorgeschrieben Abstand zum Nachbargrundstück nämlich nicht eingehalten wird.

Wer sich als Tierfreund beweisen will, darf ja an anderer Stelle etwas für den Artenschutz tun. Igel etwa beginnen bereits im Oktober damit, ein Nest für die kalte Jahreshälfte anzulegen. Sie mummeln sich nämlich schon bald ein und halten Winterschlaf von November bis zum Frühling. Das kann schon bis in den April hinein dauern.

Wer die stachligen Mitbewohner unterstützen möchte, kann ihnen im Garten einen Unterschlupf bieten. Ein Reisighaufen macht sich zum Beispiel gut – nicht ganz zentral, sondern etwas abgelegen. Experten raten sogar dazu, noch aus Ziegelsteinen eine Art „Schutzraum“ zu bauen, über die Äste drapiert werden. Wenn also künftig jemand über die Unordnung und überall herumliegendes Gehölz im Garten lästert, kann die Antwort nur lauten: „Wir unterstützen damit die heimische Tierwelt.“ Da wird kaum jemand etwas gegen sagen können.

Übrigens: Jungtiere der Igel sind mitunter noch recht lange in den Herbst hinein im Garten unterwegs, weil sie noch Futter suchen, um noch das ein oder andere Gramm zuzunehmen. Experten raten davon ab, diese Tiere vorschnell in Pflege zu nehmen, solange sie einen gesunden und fitten Eindruck machen. Man stelle sich mal vor, nur weil der eine oder die andere nicht zur üblichen Zeit – soll ja gerade an diesem Wochenende vorkommen – zuhause verschwunden ist, sondern sich noch über die Straßen bewegt, wollen andere Mitbürger sie direkt mit nach Hause nehmen. Unvorstellbar. Lediglich dann, wenn ein Igel unterernährt und kränklich wirkt, sollte man ihn in Obhut nehmen und einen Tierarzt aufsuchen. Und auch da sind gewisse Parallelen zum Wochenende erkennbar.

Einen schönen Sonntag!

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Erstellt:
23. September 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 20sec

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