Allein in Nienburg wurden im vergangenen Jahr 87 Unfälle mit Radfahrern von der Polizei aufgenommen. ADFC

Allein in Nienburg wurden im vergangenen Jahr 87 Unfälle mit Radfahrern von der Polizei aufgenommen. ADFC

Nienburg 12.08.2017 Von Die Harke

Abbiegefehler treiben Unfallzahlen hoch

ADFC: Radfahrern fehlt die Knautschzone – Schulterblick kann Unfälle vermeiden

Nach wie vor hohe Unfallzahlen im Fahrradverkehrsbereich bereiten den Verantwortlichen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ([DATENBANK=1376]ADFC[/DATENBANK]) in Nienburg Sorgen. Im aktuellen Bericht für 2016 wurden 87 Fahrradunfälle polizeilich aufgenommen (DIE HARKE am Sonntag berichtete). 63 Personen wurden dabei verletzt, neun davon schwer. „Bei leichten Verletzungen oder Unfällen ohne Personenschäden gehen wir von einer nicht unbedeutenden Dunkelziffer aus“, so Berthold Vahlsing vom örtlichen Fahrrad-Club. Das schreibt auch der Verband der Unfallversicherer in seinen Untersuchungen.

Unfallgegner bei Fahrradunfällen sind laut statistischem Bundesamt zu 75 Prozent motorisierte Fahrzeuge. Nach diesen Zahlen gilt der Radfahrer zu 25 Prozent als Schadensverursacher. Dreiviertel der Kollisionen gehen auf das Konto von unachtsamen Lenkern von motorisierten Fahrzeugen, für den Fahrradfahrer wegen der fehlenden Polsterung meist mit gravierenden Folgen, so der ADFC.

Bei den Unfallursachen folgt Nienburg dem bundesweiten Trend. Von den 87 gemeldeten Fahrradunfällen sind in der Kreisstadt 48 Ereignisse Abbiege-, Einbiege- oder Kreuzungsunfälle.

Ein Teil dieser Konflikte ließe sich durch einfache Verhaltensregeln vermeiden. „Von Autofahrern wird häufig der Schulterblick vergessen, den man in der Fahrschule noch beherrscht hat“, so Berthold Vahlsing vom ADFC.

In Nienburg weisen die Verdener Landstraße, die Celler Straße und die Hannoversche Straße eine deutliche Unfallhäufung mit Radfahrerbeteiligung aus. Der Polizeibericht nennt auch hier als häufigste Ursache der Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen und Fahrradfahren unachtsames Abbiegen.

„Leider tragen auch falsch fahrende Radfahrer zum Unfallgeschehen bei“, schreibt der ADFC. „Unerlaubtes Linksfahren auf Rad- oder Fußwegen fordert Unfälle heraus“, meint der Vereinssprecher. „Bei intensivem Verkehrsgeschehen fehlt dem Autofahrer häufig die Möglichkeit, auf unerwartete Geisterradler zu achten“.

In der Auswertung der Untersuchung der UDV wird der Sichtkontakt zwischen Autofahren und Radfahrern an den Einmündungen als besonders wichtig erachtet. Die Unfallforscher weisen allerdings auch darauf hin, dass die Infrastruktur dies gewährleisten muss. „Sichtdreiecke an Einmündungen müssen ausreichend frei bleiben“, fordert der Verband. „Leider können wir mit dieser Forderung nicht immer überzeugen“, so der ADFC- Wortführer.

Radfahrern empfiehlt der ADFC, an Straßeneinmündungen selbstbewusst zu fahren und nicht zu sehr zu zögern. „Autofahrer könnten das missverstehen“, meint der Vereinssprecher. „Zum eigenen Schutz sollte man aber nicht auf sein Vorfahrtsrecht bestehen.“

„Der aktuelle Unfallbericht der Polizeiinspektion ist für uns wieder ein Anlass, mit Stadtverwaltung, Polizei und Politik über sichere Radfahrerführungen zu sprechen“, schreibt der ADFC. „Die Ergebnisse der Umfragen zum Fahrradverkehr in den letzten Jahren für Nienburg, den Fahrradklimatests, unterstreichen das Sicherheitsbedürfnis der Radfahrer.“.

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Erstellt:
12. August 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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