02.06.2013

Abenteuer „Samen Tatje“

Diplom-Ökonom Jörg Mecke rettete Immobilie aus dem Jahr 1898 vor dem Verfall

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Für die Menschen „vom Dörpe“ war das Geschäft in der Jahnstraße eine Institution. Man ging zu „Samen Tatje“, wenn man im heimischen Garten Möhrchen säen, Gurken legen oder Bohnen pflanzen wollte. Das ist Jahre her. Immer weniger Stadt- und Kreis-Nienburger haben einen eigenen Gemüsegarten, Sämereien gibt es längst auch in den Supermärkten. „Samen Tatje“ hatte sich überlebt, war zwischenzeitlich sogar vom Einsturz bedroht, weil einer der Findlinge, die das Fundament für das stattliche Gebäude bildeten, bei Bauarbeiten entfernt worden war. In den nächsten Wochen zieht das Mütterzentrum bei „Samen Tatje“ ein. Fünf der insgesamt sieben über zwei Etagen verteilten Wohnungen sind mittlerweile wieder bewohnt. Jörg Mecke, der neue Besitzer der Immobilie, schilderte beim Treffen mit der Harke am Sonntag die Geschichte vom „Abenteuer Samen Tatje“. Der Diplom-Ökonom aus Laatzen war durch einen ehemaligen Studienfreund auf das Objekt mit einer Grundstücksfläche von gut 200 Quadratmetern und einer vermietbaren Fläche von rund 450 Quadratmetern aufmerksam gemacht worden. Und schnell zu der Überzeugung gekommen: aus diesem im Jahre 1898 errichteten und heute in der Fußgängerzone angesiedelten Gebäude lässt sich etwas machen.

Befreundet ist Mecke mit dem Studienfreund heute nicht mehr. Dafür hat ihn ein befreundeter Anwalt vor dem Ruin gerettet. Zumindest für den Laien zu undurchsichtig war zunächst das Kleingedruckte, das dem Erwerb der Immobilie zugrunde lag, die Baupläne für den zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren leerstehenden Altbau mit seinen Holzböden und Holzdecken waren nicht mehr vorhanden. Das Genehmigungsprozedere zog sich hin, die Elektrik und sanitären Anlagen mussten komplett erneuert, Wände zuhauf versetzt werden. „In der gut dreijährigen Umbauphase änderten sich ständig die Bauvorschriften, allen voran der Brandschutz“, so Investor Jörg Mecke. Doch dank seiner Kontakte zur Feuerwehr in Hannover, dank der Handwerker, denen er 100-prozentig vertrauen konnte, und dank der Erfahrung eines Nienburger Architekten ging es schließlich voran. Wohnung um Wohnung wurde renoviert und in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Makler vermietet.

In den einstigen Laden im Erdgeschoss zieht in den nächsten Wochen, wie berichtet, das Mütterzentrum ein. Dort freut man sich schon seit Wochen auf die großzügigen, hellen und frisch renovierten Räume im ehemaligen „Samen Tatje“.

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Erstellt:
2. Juni 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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