Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Jihène Abid genießt es, Nienburg mit dem Fahrrad zu entdecken. Foto: Helios

Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Jihène Abid genießt es, Nienburg mit dem Fahrrad zu entdecken. Foto: Helios

Nienburg 07.08.2021 Von Die Harke

Ablenkung durch Arbeit

Jihène Abid ist eine der ersten ausländischen Pflegekräfte, die jetzt fest im Team des Krankenhauses ist

Jihène Abid hat als eine der ersten ausländischen Pflegekräfte, die für die Helios-Kliniken Mittelweser im Kampf gegen den Pflegemangel gewonnen werden konnten, zeitgerecht ihre Anerkennungsprüfung absolviert und ist nun ein festes Teammitglied auf der Intensivstation. Das hat das Nienburger Krankenhaus mitgeteilt.

In ihrem Heimatland Tunesien hatte sie nach Konzernangaben zuvor studiert und Berufserfahrung gesammelt. Jetzt habe sie das erreicht, was sie sich immer gewünscht hatte: Sie lebt mit ihrer Familie in Nienburg und kann ihren Kindern eine stabile Lebensumgebung fernab der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ihres Heimatlandes bieten.

Als der Fachkräftemangel in der Pflege immer deutlicher zu spüren war, haben sich die Helios Kliniken Mittelweser entschlossen, qualifizierte Kräfte aus dem Ausland zu engagieren. Gemeinsam mit darauf spezialisierten Agenturen wurden diese Kolleginnen und Kollegen ausgewählt, interviewt und bereits im Heimatland auf die Zeit in Deutschland vorbereitet. Dazu zählte auch das Absolvieren eines Deutschkurses im Level B2.

Kindern eine bessere Zukunft bieten

Für Jihène Abid, die als eine der ersten tunesischen Pflegekräfte im Oktober 2019 nach Nienburg gekommen war, stand fest: Sie wollte nicht nur für sich selbst einen sicheren und zuverlässigen Arbeitsplatz, sondern auch ihrem Sohn Yaakoub und ihrer Tochter Kenza eine bessere Zukunft bieten. „Die Lage in Tunesien ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch unsicher“, erläutert Jihène Abid. Doch um ihr Ziel zu erreichen, musste sie auf viel verzichten.

„2014 habe ich geheiratet, ein Jahr später wurde mein Sohn und zwei Jahre später meine Tochter geboren. Die ersten Monate in Deutschland habe ich meine Kinder, damals gerade einmal vier und zwei Jahre alt, nicht sehen können – und dank Corona durfte man dann überhaupt nicht mehr reisen. Wir haben den Kontakt über Videotelefonie gehalten, doch trotzdem war es für mich als Mutter unglaublich schwer“, so Jihène Abid.

Sie lenke sich ab mit viel Arbeit. „Deutsch hatte ich glücklicherweise schon im Abitur, daher war das für mich nicht schwer“, beschreibt die 32-jährige Tunesierin. Auch den Anerkennungslehrgang und die praktischen Einsätze auf der Station habe sie mühelos geschafft. „Hier hatte ich auch wirklich tolle Unterstützung vom Bildungszentrum und dem Integrationsteam“, sagt sie.

„Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten alle höchstprofessionell und haben mich sofort in ihr Team integriert." Jihène Abid

Beruflich hatte Jihène Abid sich nach ihrem Pflegestudium in Tunesien zunächst auf den sehr anspruchsvollen Bereich der Organspende spezialisiert und hatte dazu auch mehrere Lehrgänge in Frankreich absolviert. „Ich wollte gerne wieder zurück in den Bereich der Intensivmedizin und bin froh, dass das in der Nienburger Klinik geklappt hat.“ Auch mit ihrem Team rund um die Leitung Jakob Figoluschka sei sie sehr zufrieden. „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten alle höchstprofessionell und haben mich sofort in ihr Team integriert.“

In Nienburg fährt sie gerne mit dem Fahrrad. „Die Landschaft ist wirklich schön, alles ist so viel grüner als in Tunesien“, sagt die Gesundheits- und Krankenpflegerin. Auch einkaufen geht sie gerne. „Durch die Stadt zu bummeln und in den Geschäften zu stöbern, hat mir immer schon Spaß gemacht“, lacht die junge Frau. Seit Juli 2020 hat sie eine eigene Wohnung, in der sie jetzt auch mit ihrer Familie lebt.

„Mein Sohn ist seit März im Kindergarten und spricht schon jetzt sehr gutes Deutsch. Es ist unglaublich, wie schnell Kinder die Sprache lernen“. Ihr Ehemann ist Ingenieur und war in Tunesien Abteilungsleiter in einem Unternehmen in der Lebensmitteltechnik. Arbeiten kann er noch nicht, da er zunächst das Deutsch-C1-Level bestehen muss. „Ab September geht der Kurs los. „Aufgrund von Corona hat sich alles sehr stark verzögert und die Plätze waren begrenzt. Er kann es kaum abwarten, denn auch er möchte endlich wieder zurück ins Berufsleben“, sagt Jihène Abid.

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Erstellt:
7. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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