Gestütshauptwärter Heinrich Schumacher wurde in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Schwöbel

Gestütshauptwärter Heinrich Schumacher wurde in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Schwöbel

Landesbergen 15.06.2020 Von Die Harke

Abschied vom Pferdeflüsterer

Gestütshauptwärter Heinrich Schumacher in den Ruhestand verabschiedet

Seinen Abschied in den Ruhestand hat sich Heinrich Schumacher anders vorgestellt. Wegen der Pandemie musste die große Abschiedsparty mit Züchterfreunden ausfallen. Landstallmeister Dr. Axel Brockmann reiste nun jüngst nach Hahnenberg, um den beliebten Landesbergener Deckstellenleiter mit tief empfundenen Respekt in den Ruhestand zu verabschieden.

1971 hat Schumacher im niedersächsischen Landgestüt angefangen. Drei Jahre wurde er in Westercelle von Manfred Lopp ausgebildet und war als „junger Mann“ bereits eine Saison in Landesbergen. Auch wenn er heute allen eher als Fahrer im Gedächtnis ist, so ritt er in der Westerceller Zeit Junghengste und war später mit der 24 Quadrille sogar zu einem Auftritt in Aachen. Badbergen, Bundeswehr, Stedebergen und ab 1978 für vier Jahre in Hepstedt und später in Celle sind weitere Stationen in seiner Laufbahn.

In dieser Zeit entdeckte er auch seine Vorliebe für das Fahren. Lehrgänge, Fahrwartprüfung, bronzenes und silbernes Fahrabzeichen folgten. Und da das Landgestüt damals auch über ausreichend Hengste verfügte, konnte man sich als Fahrenthusiast richtig ausleben. Tandem, Random, Quadrom (zwei, drei und vier Hengste voreinander gespannt), Zwei-, Vier-, Sechs- und Achtspänner gehörten zu Schumachers Repertoire.

Auch solche Besonderheiten wie die ungarische Anspannung, ein Einhorn (ein Pferd vorne, zwei nebeneinander dahinter) oder der legendäre 13er Zug wurden von ihm pilotiert. Nur einmal fuhr er im grünen Römerwagen, ansonsten war seiner immer weiß. Das war schon ein besonderes Erlebnis, wenn er „Full Speed“ mit rumpelnden Rädern vom Platz donnerte. Durch eine Knieverletzung musste er die Römerwagenkarriere 2003 an den Nagel hängen und unterstützte dann auch nach und nach die nachrückenden Kollegen. Ab 2015 übernahm Elmar Sicke auch den Mehrspänner von Heinrich Schumacher.

Fragt man Änne Schumacher, wo sie ihren Heinrich denn kennengelernt hätte, kommt die spontane Antwort: auf dem Schützenfest in Brietlingen. Dahin hatte Schumacher mit seinem Kollegen Dieter Conrad, der aus Brietlingen stammte, einen Ausflug unternommen. 1982 wurde sein Sohn Matthias geboren, Rene folgte 1985.

1982 übernahm Heinrich Schumacher die Deckstation in Landesbergen und erarbeitete sich durch seine direkte gradlinige, aber durchaus herzliche Art schnell das Vertrauen der Züchterschaft. Drei Mal ist er in dieser Zeit mit der Deckstelle umgezogen, zwei Mal innerhalb Landesbergens und zuletzt nach Hahnenberg zum Betrieb von Claus Höltje.

14 Hengste waren oder sind in dieser Zeit seine Begleiter, unter ihnen Gardeulan II, Mister A, Pommery oder Perpignon. Letzterer blieb mit seinen 29 Jahren in diesem Jahr in Celle. Für ihn kam Londontime auf die Station. Seit 2017 sind auch Kaltblüter hier aufgestellt, zuerst, der leider viel zu früh eingegangene Franzl II und danach der imposante Harry.

Nach 38 Jahren kam Heinrich Schumacher nicht allein, sondern brachte seinen Nachfolger Gestüthauptwärter Detlev Müller mit. So ganz werden die Züchter der Region auf dieses Urgestein des niedersächsischen Landgestüts, ,,ihren“ Heinrich, nicht verzichten müssen. Ab und zu wird er noch im Auftrag des Hannoveraner Verbandes zu Eintragungen zurückkommen, hat er versprochen.

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Erstellt:
15. Juni 2020, 16:41 Uhr
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