Karim Iraki bei seinem Besuch in der Redaktion.

Karim Iraki bei seinem Besuch in der Redaktion.

18.01.2015

„Achtet auf eure Kinder“

Nienburgs Stadtratsmitglied Karim Iraki berichtete in Berlin erneut, wie Integration gelingen kann

Von Edda Hagebölling

Nienburg/Berlin. Mit dem guten Gefühl, die Menschen mit seiner Botschaft auch erreicht zu haben, ist jetzt Nienburgs Stadtratsmitglied Karim Iraki aus Berlin zurückgekehrt. Der gebürtige Palästinenser, der im Alter von 17 Jahren aus seiner Heimat geflüchtet ist und mit seiner Familie seit mittlerweile 15 Jahren in Langendamm wohnt, war zum einen Gast des libanesischen Botschafters. Zum anderen hatte ihn die jordanische Gemeinde nach einer ersten Begegnung im November vergangenen Jahres erneut gebeten, noch einmal seine Gedanken zum Gelingen von Integration vorzutragen. „Achtet auf eure Kinder. Und legt Wert auf Bildung und gute Sprachkenntnisse“, so eine der Botschaften von Karim Iraki, unter anderem als Integrationsmentor für den Landkreis Nienburg nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Iraki weiß aus eigener Erfahrung, dass Sprachkenntnisse und Bildung die Schlüssel zum Erfolg sind. Und dazu beitragen, akzeptiert zu werden.

Klar ist für den geborenen Palästinenser und heutigen stellvertretenden Bürgermeister von Langendamm außerdem: „Wenn Kinder zu Selbstmordattentätern werden und den Verlockungen der IS-Terroristen erliegen, ist im Elternhaus etwas schief gelaufen.“

Integration bedeutet für Iraki, sich in seiner neuen zweiten Heimat unaufgefordert in die Gesellschaft einzubringen, sich ehrenamtlich zu engagieren und die Gesetze des Landes zu respektieren. „Es gibt so viele Möglichkeiten, den richtigen Weg zu gehen“, so der Langendammer.

Iraki hat vor den Vertretern der jordanischen Gemeinde in Berlin außerdem dazu aufgerufen, sich deutlich von dem Terroranschlag von Paris zu distanzieren. Gegenüber der Harke am Sonntag bat er aber auch eindringlich darum, nicht alle über einen Kamm zu scheren. „Es gibt 1,6 Milliarden Moslems auf der Welt. Der Anteil derer, die den Koran für ihre Zwecke missbrauchen, liegt jedoch bei weit unter einem Prozent“, so Karim Iraki.

„Mit Botschafter Dr. Mustapha S Adib habe ich in Berlin rund eineinhalb Stunden über Gott und die Welt gesprochen“, so Iraki weiter. Unter anderem darüber, dass mittlerweile 2,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien im rund fünf Millionen Einwohner zählenden Libanon eine Zuflucht gefunden haben. „Zu den 400 000 Palästinensern, die ja ohnehin schon im Land sind“, gibt der Integrationsmentor zu bedenken. Und führt zum Vergleich an: In der Bundesrepublik mit ihren 90 Millionen Einwohnern leben rund 130 000 Flüchtlinge.

Darüber, dass die Pegida-Bewegung in Nienburg noch nicht angekommen ist, ist der gebürtige Palästinenser natürlich mehr als froh. „Den in Nienburg lebenden Muslimen geht es gut. Sie wissen durchaus zu schätzen, dass sie hier in Frieden leben können“, so Karim Iraki abschließend.

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Erstellt:
18. Januar 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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