Die Preise für landwirtschaftliche Flächen im Landkreis Nienburg gehen steil nach oben. Foto: LGLN

Die Preise für landwirtschaftliche Flächen im Landkreis Nienburg gehen steil nach oben. Foto: LGLN

Landkreis 15.01.2021 Von Die Harke

Ackerland wird immer teurer

Flächengröße und Flächenlage sind preisentscheidend / Neue Bodenrichtwerte für landwirtschaftliche Flächen beschlossen

Der Gutachterausschuss Sulingen-Verden hat die neuen Bodenrichtwerte (Stichtag: 31. Dezember) für landwirtschaftliche Flächen bereits beschlossen.

In 246 Kaufverträgen wurden insgesamt 480 Hektar landwirtschaftliche Flächen mit einem Gesamtumsatz von 16,8 Millionen Euro gehandelt. Das hat Gerd Ruzyzka-Schwob, Dezernatsleiter beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) und Vorsitzender des Gutachterausschusses, mitgeteilt.

Der Geldumsatz der landwirtschaftlichen Immobilien sei bei rückläufiger Fläche um 34 Prozent gesunken. Teilweise hätten aber Sonderverhältnisse den Flächenumsatz erheblich beeinflusst. So sei im Vorjahr eine große forstwirtschaftliche Fläche veräußert worden, in diesem Jahr seien einige ganze Höfe komplett verkauft worden. In rund 78 Prozent der Fälle treten Privatpersonen als Erwerber auf, zu sieben Prozent sei es die öffentliche Hand und zu 15 Prozent übrige Gesellschaften.

Der mittlere Preis für den Quadratmeter Ackerland betrage 4 Euro. Grünland habe im mittleren Preis 1,70 Euro gekostet. In der Preisentwicklung für Ackerland sei im Landkreis Nienburg eine weitere Preiserhöhung von etwa 2 Prozent in der Geest und 6 Prozent in der Marsch festzustellen. Gegenüber dem Jahr 2010 hätten sich die Preise für Ackerland damit mehr als verdoppelt. Eine Trendwende sei nicht zu erkennen, obwohl die Preissteigerung etwas geringer ausfalle als in den Jahren von 2010 bis 2016.

Einfluss auf die Preisfindung habe insbesondere die Größe des Schlages. Große Flächen von etwa 10 Hektar würden 8 Prozent über dem Richtwert gehandelt, der sich auf zwei Hektar große Flächen bezieht. Kleinere Flächen müssten hingegen entsprechende Abschläge hinnehmen. Einen Einfluss hätten weiter die Bodengüte und die Nähe zum Ort.

Die Bodenrichtwerte für Ackerland liegen im Landkreis Nienburg zwischen 2,10 Euro je Quadratmeter im Raum Lichtenhorst / Lichtenmoor und 4,80 Euro in Hoya. Den größten Anstieg um 50 Cent habe es in der Richtwertzone Uchte gegeben, in anderen Bereichen erfahren die Richtwerte gegenüber dem Vorjahr nur geringe Veränderungen.

Beim Grünland liegen die Richtwerte im gesamten Landkreis zwischen 1,10 Euro im Lichtenmoor und 2,00 Euro im Bereich Hoyerhagen, hier gab es gegenüber dem Vorjahr nur geringe Veränderungen.

Die aktuellen Diskussionen in der Landwirtschaft um die Reduzierung des Einsatzes von Dünger in den „roten Gebieten“ und die Einschränkung von Unkrautvernichtungsmitteln hätten sich bisher noch nicht in den Kaufpreisen widergespiegelt. Der anteilige Umsatz in diesen Bereichen habe der anteiligen Fläche entsprochen. Auch auf die Preise sei in diesen Gebieten bisher kein Einfluss festzustellen. Eher wirkten sich die Verdrängung der landwirtschaftlichen Nutzung durch Neubaugebiete, Leitungstrassen mit Umspannwerken und Kiesabbaugebiete in steigenden Preisen aus.

Im Grundstücksmarktbericht werden auch die bekannt gewordenen Pachten für landwirtschaftliche Flächen analysiert. Auch hier wirke sich neben der Lage vor allem die Größe des Schlages in der Pachtwertfindung aus. Je größer die Fläche, desto höher sei die Pacht je Hektar. Die mittlere Pacht für Ackerland liege im Landkreis Nienburg bei 400 Euro je Hektar. Das Pachtpreisniveau sei weitgehend unverändert. Insbesondere bei den neu vereinbarten Pachten sei eine große Streuung festzustellen. Neben der Lage, Größe und Bodengüte wirkten hier auch persönliche Verhältnisse zwischen Verpächtern und Pächtern in der Preisgestaltung mit. Grünland werde im Mittel für etwa 230 Euro je Hektar und Jahr verpachtet.

Die Bodenrichtwertsitzungen finden jährlich statt. Aufgrund der Coronalage seien in diesem Jahr alle Richtwertsitzungen in hybrider Form als Videokonferenz mit wenigen anwesenden Teilnehmern durchgeführt worden. Die beschlossenen Bodenrichtwerte für landwirtschaftliche Flächen und für Bauland werden im Bodenrichtwertinformationssystem (BORIS-NI) veröffentlicht.

Dies ist im Internet unter www.gag.niedersachsen.de zu finden und werde in wenigen Wochen mit den aktuellen Werten freigeschaltet. Ab diesem Berichtsjahr sind alle Richtwerte und der Grundstücksmarktbericht im Internet gebührenfrei einzusehen. Künftig soll die Anwendung auch als „Boris-mobile“ auf mobilen Geräten zur Verfügung stehen. Hierdurch sollen die telefonischen und schriftlichen Anfragen in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses zurückgehen.

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Erstellt:
15. Januar 2021, 15:15 Uhr
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