In der AfD gibt es verschiedene Strömungen, die politisch weit auseinander liegen. Foto: Daniel Karmann/dpa

In der AfD gibt es verschiedene Strömungen, die politisch weit auseinander liegen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Berlin 25.06.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

AfD-Aussteiger bieten tiefen Einblick

Rassistische Äußerungen, brutale interne Machtkämpfe und ein aus ihrer Sicht zu großer Einfluss der Rechtsaußen-Strömung in der AfD, haben zwei junge Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen zum Austritt veranlasst.

Ihre mit unappetitlichen Auszügen aus Chat-Protokollen garnierte Geschichte erzählen sie jetzt in einem Buch, das im Europa-Verlag erschienen ist. An „Im Bann der AfD“ hat der Journalist Wigbert Löer mitgewirkt, der einige Jahre für den „Stern“ über die AfD berichtete.

Zitiert wird in dem Buch auch aus einer Online-Veranstaltung von Angehörigen der Parteijugend mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen im vergangenen April. Meuthen habe dort gesagt, in der AfD gebe es verschiedene Strömungen, die politisch weit auseinander lägen. „Trotzdem sind wir unter einem Dach“. Es gebe Zeiten, in denen man diese Sachauseinandersetzung führen müsse, um zu schauen, wo man steht. Und es gebe Zeiten, wie jetzt im Wahlkampf, „in denen das ruhen muss“. Auf die Frage, wie die Abgeordneten in der nächsten Bundestagsfraktion angesichts so großer Meinungsverschiedenheiten zusammenarbeiten könnten, sagte der AfD-Vorsitzende der Deutschen Presse-Agentur: „Das haben sie in der bisherigen Fraktion getan, und ich gehe davon aus, dass sie es auch in der nächsten Fraktion tun werden.“

Nicolai Boudaghi war stellvertretender Bundesvorsitzender der Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA). Im September 2020 verließ er die AfD. Er beschreibt, warum es manchen Mitgliedern trotz Bedenken und Kritik schwerfällt, sich von der Partei zu lösen. Boudaghi erklärt, für diese Menschen werde die AfD regelrecht zur Lebenswelt. „Sie begeben sich hinein in ein Milieu, in dem sie sich verstanden und unter ihresgleichen fühlen. Irgendwann versinken sie darin. Draußen erkennen sie dann überwiegend Feinde.“

Alexander Leschik hat der AfD im vergangenen April den Rücken gekehrt. Er hatte sich als Jugendlicher dem AfD-Nachwuchs angeschlossen und räumt ein, damals auch Kontakt zu Mitgliedern der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) gehabt zu haben. „Das bleibt nicht aus, wenn man sich in AfD- und JA-Kreisen bewegt“, stellt er fest. Er habe die IB in Münster 2015 allerdings erst einmal nicht als extrem rechts verortet.

Leschick meint: „Wenn gemäßigte AfD-Politiker es auch künftig an der Seite der extrem rechten Flügler aushalten wollen, müssen sie dafür den Preis dauerhafter Selbstverleugnung bezahlen.“ Er kenne einige,


die sagten, dass sie dazu nicht bereit seien. Einige dieser AfD-Mitglieder hätten Mandate in einem Landtag inne oder wollten in den nächsten Bundestag. Sie überlegten ernsthaft, ihrer Partei nach der Bundestagswahl den Rücken zu kehren. Um diesen moderaten Kräften eine Rückkehr in die Gesellschaft außerhalb der AfD zu erleichtern, sei es wichtig, dass politische Gegner aufhörten, „alle Mitglieder der AfD oder gar ihre Wähler dauerhaft zu diffamieren“.

Erst vor wenigen Tagen hatte Frauke Petry ein Buch über ihre Zeit in der AfD veröffentlicht. Die frühere AfD-Vorsitzende hatte die Partei 2017 verlassen.

© dpa-infocom, dpa:210625-99-146150/3

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Erstellt:
25. Juni 2021, 17:55 Uhr
Lesedauer:
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