Die Kommandeurrunde bei ihrem Treffen in Rheinbach.

Die Kommandeurrunde bei ihrem Treffen in Rheinbach.

05.10.2014

„Afghanistan – Erfolg oder Misserfolg?“

Kommandeurrunde der ehemaligen Panzerbrigade 3 traf sich in Rheinbach / Wolfgang Otto referierte

Nienburg/Rheinbach. „Ein ungebrochenes Zusammengehörigkeitsgefühl und gegenseitige Anerkennung binden nicht nur einen Blumenstrauß, der unseren Beruf adelt, sondern führen uns auch in diesem Jahr wieder zusammen“. Dies sagte Generalmajor a.D. Adalbert von der Recke, von 1980-1983 Kommandeur der ehemaligen Langendammer Panzerbrigade 3, während des Jahrestreffens 2014 der damals in Verantwortung stehenden Bataillonskommandeure und Abteilungsleiter des Stabes seines Großverbandes in Rheinbach. Mit seinem Vortrag „Das deutsche Engagement in Afghanistan – Erfolg oder Misserfolg“ beschrieb Wolfgang Otto als Befehlshaber des inzwischen aufgelösten Heeresführungskommandos die derzeitige Situation in Afghanistan und wagte eine Prognose für die weitere Entwicklung des Landes. Nach fast 14 Jahren ende am 31. Dezember die UNO-und NATO-Mission in Afghanistan. Pro Jahr habe Deutschland der Einsatz eine Milliarde Euro gekostet. Für die Bundeswehr laufe bereits eine logistische Aufgabe in größtem Umfang. 17 000 Kraftfahrzeuge müssten verschrottet werden, 7 100 Container würden für die Rückführung des Restgerätes benötigt. Eine Flugstunde für angemietete Transportflugzeuge koste 33 000 Dollar.

Als besonderen Erfolg des deutschen Engagements in Afghanistan bezeichnete Otto die Ausbildung von rund 157 000 Polizisten durch Deutschland. Sie führe zunehmend zu Erfolgen. Als Misserfolg bewertete Otto die mangelhafte Koordination von Aufgaben zwischen dem Auswärtigen Amt, dem Verteidigungsministerium, dem Innenministerium und dem Entwicklungsministerium. Hier hätten bei einer starken Führungsorganisation nachhaltiger Ziele erreicht werden können. So sei auch das Problem der zukünftigen Behandlung afghanischer Sprachmittler noch nicht befriedigend gelöst. Was nach dem Abzug der NATO-Kampftruppen bleibe, sei eine von den USA mit jährlich vier Milliarden Dollar finanzierte Armee von 200 000 Mann. Das Bildungssystem habe sich deutlich verbessert. Ungelöst bleibe die Drogenpolitik im Land. Jährlich würden 8 500 Tonnen Opium geerntet, was 90 Prozent der Weltproduktion entspriche. Die Volkswirtschaft bleibe nicht selbst tragend. Darüber hinaus habe eine Aussöhnung zwischen den Ethnien bisher nicht stattgefunden. Der Staat sei auf allen Ebenen korrupt. Dennoch hält Otto einen Rückfall in die Zeit vor 2001 für ausgeschlossen.

Ein Rundgang durch das ehemalige Regierungsviertel in Bonn und ein Abend im Gewölbekeller einer Winzergenossenschaft im Ahrtal rundeten das Treffen der ehemals in Nienburg stationierten Offiziere ab. DH

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5. Oktober 2014, 00:00 Uhr
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