Im Landkreis Nienburg fehlen schon heute 11,5 Haus- und 5 Fachärzte. Marco2811/Fotolia

Im Landkreis Nienburg fehlen schon heute 11,5 Haus- und 5 Fachärzte. Marco2811/Fotolia

15.08.2015

Aktuell fehlen 11,5 Haus- und 5 Fachärzte

Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen: Ein Hausarzt für 1 671 Einwohner, ein Augenarzt für 20 664

Von Edda Hagebölling

Landkreis. Im Landkreis Nienburg sind aktuell 11,5 Hausarzt- und fünf Facharztstellen frei. Die Region gilt damit zwar noch nicht als unterversorgt, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Altersdurchschnitt der Ärzte in der Region bei über 56 Jahren liegt und eine große Anzahl von Ärzten in den nächsten zehn Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden wird, muss allerdings schon heute gehandelt werden. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die Detlef Haffke, Leiter der Stabsabteilung Kommunikation und Information bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), der Harke am Sonntag übermittelt hat. Zur konkreten Situation im Landkreis Nienburg schreibt der KVN-Sprecher:

Für den hausärztlichen Versorgungsbereich (Hausärzte) ist seit dem 1. Juli 2013 der Landkreis Nienburg in folgende Mittelbereiche aufgeteilt:

In den Bereich Nienburg mit den Gemeinden Balge, Bücken, Drakenburg, Eystrup, Gandesbergen, Hämelhausen, Haßbergen, Hassel, Heemsen, Hilgermissen, Hoya, Hoyerhagen, Marklohe, Nienburg, Rodewald, Rohrsen, Schweringen, Steimbke, Stöckse, Warpe und Wietzen. Dort betreuen 35,5 Hausärzte betreuen 68 092 Einwohner. Versorgungsgrad liegt damit bei 86,4 Prozent. Hier sind zehn weitere Neuniederlassungen möglich.

Und in den Stolzenau mit den Gemeinden Binnen, Diepenau, Estorf, Husum, Landesbergen, Leese, Liebenau, Linsburg, Pennigsehl, Raddestorf, Rehburg-Loccum, Steyerberg, Stolzenau, Uchte und Warmsen. Dort betreuen 33,5 Hausärzte 51 756 Einwohner. Der Versorgungsgrad beträgt 106 Prozent. Dort sind 1,5 Neuniederlassungen möglich.

Zusammengefasst bedeute das: Der Bereich Nienburg hat einen hohen Bedarf an weiteren Hausärzten (10). Der Bereich Stolzenau ist gut versorgt. Beide Bereiche sind nicht unterversorgt (nach der Definition der Bedarfsplanung).

Für den fachärztlichen Versorgungsbereich gilt nach Auskunft von Detlef Haffke nach wie vor der komplette Landkreis Nienburg als Betrachtungsraum (Einwohnerzahl 119 848 ):

Im Landkreis Nienburg gibt es zurzeit:

• Augenärzte (6 Augenärzte/Versorgungsgrad 102 Prozent/ 0,5 Neuniederlassungen möglich)

• Chirurgen (5 Chirurgen/Versorgungsgrad 157 Prozent/ keine Neuniederlassungen möglich)

• Frauenärzte (10,5 Frauenärzte/Versorgungsgrad 105 Prozent/0,5 Neuniederlassungen möglich)

• HNO-Ärzte (4,5 HNO-Ärzte/Versorgungsgrad 119 Prozent/ keine Neuniederlassungen möglich)

• Hautärzte (3,5 Hautärzte/Versorgungsgrad 116 Prozent/ keine Neuniederlassungen möglich)

• Kinderärzte (5 Kinderärzte/Versorgungsgrad 94 Prozent/ 1 Neuniederlassung möglich)

• Nervenärzte (4 Nervenärzte / Versorgungsgrad 104 Prozent/ eine Neuniederlassung möglich)

• Orthopäden (5 Orthopäden / Versorgungsgrad 99 Prozent / eine Neuniederlassung möglich)

• Psychotherapeuten (21 ärztliche und psychotherapeutische Versorger / Versorgungsgrad 105 Prozent / eine Neuniederlassung möglich)

• Urologen (3 Urologen / Versorgungsgrad 116 Prozent / keine Neuniederlassungen möglich)

Zusammengefasst bedeute das: Der Landkreis Nienburg ist mit Fachärzten gut versorgt. Es gibt 5 weitere Niederlassungsmöglichkeiten für Fachärzte.

Detaillierte Angaben darüber, in welchen Orten welche Ärzte ihre Praxis haben, sind im Internet unter www.arztauskunft-niedersachsen.de zu bekommen.

Für die Frage, wieviel Ärzte sich in einer Region niederlassen dürfen, gelten nach Auskunft von Detlef Haffke folgende Kriterien:

Ärzte oder Psychotherapeuten, die gesetzlich versicherte Patienten ambulant behandeln möchten, benötigen einen freien Arztsitz. Wie viele es davon in einer Region gibt, regelt die so genannte Bedarfsplanung. Die Bedarfsplanung ist im Sozialgesetzbuch V geregelt. Die Richtlinien dazu hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GEMBA) in Berlin erarbeitet. Der GEMBA besteht aus Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen. Zum 1. Juli 2013 ist die Bedarfsplanung grundlegend reformiert worden. Es gab einen neuen Zuschnitt der Betrachtungsräume und neue Verhältniszahlen „Bevölkerung zu Ärzten“ einer Fachrichtung.

Für niederlassungswillige Ärzte und Psychotherapeuten ist von Bedeutung, ob der für sie in Frage kommende Planungsbereich „offen“ oder „gesperrt“ ist. Liegt der Versorgungsgrad einer ärztlichen Fachrichtung in einem Zulassungsbezirk unter 110 Prozent, können sich in der Regel dort weitere Ärzte einer Fachrichtung niederlassen. Wieviel dies sind, hängt vom Versorgungsgrad ab.

Der Versorgungsgrad berechnet sich aus der Einwohnerzahl in einer Region und der jeweiligen Anzahl von Ärzten einer Fachgruppe. Zur Berechnung liegt immer eine Verhältniszahl zugrunde (zum Beispiel 1 Hausarzt soll 1 671 Einwohner versorgen, 1 Augenarzt 20 664 Einwohner). Die Verhältniszahlen können in den einzelnen Bereichen variieren. Je niedriger der Versorgungsgrad, umso mehr Ärzte der Fachrichtung können sich dort niederlassen. Oder anders ausgedrückt. Versorgungsgrade unter 100 Prozent zeigen einen Bedarf auf.

Ein Planungsbereich gilt als überversorgt und damit gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert über 110 Prozent erreicht. Es gilt ein Zulassungsstopp.

Ärzte und Psychotherapeuten können sich dort nur dann neu niederlassen oder anstellen lassen, wenn ein anderer Arzt oder Psychotherapeut seine Zulassung zurückgibt und damit ein Arztsitz in der Fachgruppe frei wird.

Sinkt der Versorgungsgrad unter 75 Prozent, sprechen wir von Unterversorgung. Dann muss die KVN dort einen Arzt etablieren, da sie den Sicherstellungsauftrag hat.

Zurzeit gibt es in Niedersachsen keinen Planungsbereich, der unterversorgt (unter 75 Prozent) ist. Es gibt aber zahlreiche Planungsbereiche, die sich vom optimalen Versorgungsgrad (100 Prozent) in Richtung Unterversorgung (75 Prozent) bewegen.

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Erstellt:
15. August 2015, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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