Nienburg 02.06.2019 Von Die Harke

Aktuell keine Fracking-Anfragen

Landrat war zu Gast bei „Stopp Fracking“

Der Attac-Arbeitskreis „Stopp Fracking“ hatte Landrat Detlev Kohlmeier kürzlich zur Erörterung aktueller Fracking-Fragen ins DGB-Haus eingeladen. Einleitend erklärte der Landrat, dass es derzeit keine Anfragen von Gas- oder Olförderfirmen – auch nicht zu Probebohrungen – gebe. Er gehe davon aus, dass das auch so bleibe und es weiterreichende, öffnende Regelungen des Gesetzgebers derzeit nicht geben werde. Aus seiner Sicht fänden diese in der Gesellschaft keine Akzeptenz.

Arbeitskreis-Sprecher Erfried Czaia gab zu Beginn einen Überblick zu den Aktivitäten der Gruppe, die inzwischen Mitglied des bundesweiten Netzwerks „Gegen Gasbohren“ ist. Dessen Ziel ist ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger, ein Import- und Handelsverbot von „gefrackten“ fossilen Energieträgern sowie ein Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der untertägigen Ablagerung (giftiger) Fluiden und Lagerstättenwässer, generell die Abkehr von fossilen Brennstoffen und ein konsequentes Umsetzen der Energiewende durch den Ausbau der erneuerbaren Engergien (Korbacher Resolution Mai 2013).

Der Arbeitskreis bedauerte, dass der Kreistag im Juli 2018 die erweiterte Resolution für ein „sofortiges, unbefristetes Verbot sämtlicher Formen von Fracking“ nicht angenommen habe. Gemeinsam wurde festgestellt, dass sich die weiter gültige Fracking-Resolution vom 6.Juli 2012 (nur) auf die für Leese von Exxon Mobil vorgesehene Probebohrung in Schiefergestein („unkonventionelles Fracking“) und derartige Vorhaben im Kreis bezog. Kohlmeier betonte, „dass damit aus Sicht der Kreistages die geltende Rechtslage umfassend erfaßt und bewertet ist.“

Czaia wies weiterhin auf das Erdbeben im Uchter Raum vom August 2018 hin, das auch nach Expertenauskunft auf frühere Erdgasförderungen zurückzuführen sei und wegen tektonischer Verwerfungen im tiefen Uchte-Stolzenau-Leese-Rehburger Untergrund eine Wiederholungsgefahr in sich berge. Er regte an, zur Information der Bevölkerung die für Erdbeben-Vorfälle eingerichtete niedersächsischen Schiedsstelle in den Landkreis einzuladen.

Weitere Fragen galten der Gesundheitsgefährdung beim Erdgas- und Erdöl-förderbetrieb, bei späteren Einlagerungen von Schlämmen aus der Förderung in Schlammgruben kontaminierter Gebiete wie aktuell in Rodewald sowie der Grundwasserverseuchung. Landrat Kohlmeier entgegnete, das Land Niedersachsen habe zur Frage der gesundheitlichen Folgen unter anderem in Rodewald im Rahmen einer landesweiten epidemiologischen Studie sorgfältig und transparent von Experten aufklären lassen. Zum anderen habe der Landkreis als Aufsichtbehörde die vollständige Sanierung des genannten ehemaligen Betriebsgeländes begleitet. Aus Sicht des Landkreises bestehe dort keine Gefahr im Verzug. Auch habe der Schutz des Grundwasser hohe Priorität, ein organisiertes Monitoring sei dort zur Kontrolle installiert.

Die Arbeitskreis-Mitglieder bezweifelten nicht vorhandene Gesundheitsschäden und regten regelmäßige Kontrollen auf und am sanierten Betriebsgelände an.

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Erstellt:
2. Juni 2019, 02:33 Uhr
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