Marion Schaper, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Nienburg. Foto: Archiv

Marion Schaper, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Nienburg. Foto: Archiv

Nienburg 25.12.2021 Von Die Harke

Alle Jahre wieder – Gedanken zum Weihnachtsfest von Diakonie-Geschäftsführerin Marion Schaper

Alle Jahre wieder…

… soll Weihnachten das schönste Fest des Jahres sein. Egal, ob christlich geprägt oder nicht, traditionell trifft man sich mit Menschen, die einem am Herzen liegen, unterm Tannenbaum, tauscht Geschenke aus und lässt es sich gut gehen.

Die Werbung tut das Ihre dazu, bei den Menschen genau diese Vorstellung zum Idealbild eines gelungenen Weihnachtsfestes zu machen.

Aber Vorsicht, Weihnachten wirkt wie ein Brennglas – Ent-Täuschung vorprogrammiert.

Wer an Weihnachten alleine ist, wird sich noch einsamer fühlen als sonst.

Wer wenig Geld hat, wird sich an Weihnachten noch ärmer fühlen, denn ein gelungenes Weihnachtsfest wird gerne mit kulinarischem Konsum und vielen Geschenken verknüpft.

Wer es schwer hat mit sich und dem Leben, wird dies in der Weihnachtszeit noch stärker spüren. Die Weihnachtszeit ist eine emotional aufgeladene Zeit im Jahr und begünstigt dies.

Wo ohnehin schon Konflikte in der Familie schwelen, ist Weihnachten, insbesondere unter Pandemiebedingungen, prädestiniert, sie zu befeuern und zum Ausbruch bringen.

Leider weisen Statistiken immer wieder auf, dass sich Verschlimmerungen von psychischen Erkrankungen, Suizide und Gewalt in der Familie in der Weihnachtszeit häufen.

Will ich mit solchen Gedanken Weihnachten mies machen? Nein, keinesfalls. Ich möchte vielmehr einen Anstoß geben, Weihnachten, beziehungsweise die Erwartungen, die an dieses Fest geknüpft werden, etwas auf den Teppich holen.

Wir feiern mit Weihnachten die Geburt eines Kindes. Eines Kindes, das unter ärmlichsten Verhältnissen geboren worden ist und im Laufe seines Lebens und Wirkens die Welt einschneidend verändert hat.

Weihnachten fällt in eine Zeit mit besonderer Energie. Schon vorchristliche Völker wussten um die Kraft dieser Zeit und viele Traditionen, und Mythen erzählen heute noch davon.

Und dann steht uns auch noch ein Silvester bevor, ganz anders als gewohnt, schon zum zweiten Mal. Keine Knallerei (die Tiere wird’s freuen) und keine Parties (besonders den jungen Menschen wird‘s fehlen).

Sei es, dass die Tiere in der Heiligen Nacht sprechen können, dass in den Rauhnächten zwischen der Wintersonnenwende und dem 6. Januar das Tor zur Anderswelt weit offensteht, oder, dass man zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche waschen soll, weil Wotan und Frau Holle mit dem wilden Heer unterwegs und sehr ärgerlich sind, wenn sie sich in Wäscheleinen verfangen.

Der Geschichten, Traditionen und Rituale gibt es viele, auch einige, bei denen sich heidnische und christliche Ursprünge mischen, wie zum Beispiel beim Weihnachtsmann.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir unsere Art, Weihnachten zu feiern, einfach einmal auf den Prüfstand stellen. Was ist denn wirklich das, was uns wichtig ist, was sind womöglich völlig überholte Rituale und Traditionen, die mehr lähmen als Freude bringen und was suggeriert uns die Werbung, wie Weihnachten zu sein hat?

Kann ja durchaus sein, dass auf dem Prüfstand herauskommt, dass es Traditionen gibt, die uns berühren, die uns sehr am Herzen liegen und auf die wir auf keinen Fall verzichten wollen. Und die sollten dann gelebt werden.

Wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappt, ist das vielleicht ein Posten fürs nächste Jahr.

Und dann steht uns auch noch ein Silvester bevor, ganz anders als gewohnt, schon zum zweiten Mal. Keine Knallerei (die Tiere wird’s freuen) und keine Parties (besonders den jungen Menschen wird‘s fehlen).

Ich bekenne mich an dieser Stelle dazu, dass ich an Silvester einem heidnischen Brauch fröne und exakt drei Böller zünde, um die bösen Geister zu vertreiben – zugegeben, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Das zum Thema „liebgewonnene Traditionen“.

Das geht in diesem Jahr nicht, dabei wäre aktuell auch wieder eine Menge böser Geister zu vertreiben. Auf jeden Fall sehe ich für die Menschen, mit denen wir arbeiten, noch düstere Zeiten aufziehen, denn die ganzen aktuellen und noch anstehenden Teuerungen werden sie bis ins Mark treffen. Die Pandemie entzweit uns als Gesellschaft immer mehr, die Welt ächzt unter Klimaproblemen… Meine Liste wäre lang, auch wenn ich natürlich weiß, dass da ein paar Böller nichts helfen.

Wie dem auch sei, ich wünsche Ihnen, dass Sie bei dem Weihnachtsfest, das Sie feiern, wie immer es aussehen wird, mit sich im Einklang sind. Das ist das Entscheidende, und nicht, was uns suggeriert wird, wie Weihnachten zu sein hat. Vielleicht springt ja sogar ein Funke der Magie, die diese Zeit des Jahres in sich trägt, auf Sie über, wenn Sie es zulassen mögen.

Und für das neue Jahr wünsche ich Ihnen, dass Sie die Kraft und die Geduld haben, sich allen Herausforderungen, die diese spezielle Zeit erfordert, zu stellen und, dass es trotz allem, was schwierig ist, immer wieder schöne und herzerwärmende Momente für Sie gibt.

In diesem Sinne – frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Marion Schaper,

Diakonisches Werk

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Erstellt:
25. Dezember 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

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