Minden 12.07.2019 Von Die Harke

„Alle Varianten sind möglich“

Ausbau der Bahnstrecke: Enak Ferlemann spricht von „langem Prozess“

An dem geplanten Neubau einer neuen ICE-Trasse zwischen Biefeld und Hannover gibt es Kritik. Dort sollen nach Fertigstellung ICEs mit bis zu 300 Stundenkilometern fahren können.

Doch welche Trasse wird gebaut? Während in Berlin die Überlegungen dahingehend laufen, formiert sich in Minden Protest – eine Bürgerinitiative nutzte die Eröffnung des Regioports, um bei dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, Gehör zu finden. „Uns geht es um Herrn Ferlemann“, sagt Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn (Bigtab). Der Staatssekretär hatte zuletzt den Zorn auf sich gezogen, weil er sich für verschiedene Neubautrassen ausgesprochen hat, zunächst entlang des Mittellandkanals, dann parallel zur Autobahn 2.

Ferlemann bestreitet auf Nachfrage des Mindener Tageblattes, sich auf eine der Varianten festgelegt zu haben. Alle Möglichkeiten seien in der Diskussion, der vierspurige Ausbau der Trasse ebenso wie zwei neue Gleise. Selbst der so umstrittene Tunnel durch den Jakobsberg sei nicht endgültig vom Tisch.

Nachdem ein Neubau von Löhne über Hameln verworfen wurde, sei eines sicher: „Wir müssen durch diese Region.“ Als Grund nennt er den Deutschlandtakt: Die großen Knoten wie Hannover sollen im Fernverkehr verlässlicher zu festen Zeiten angefahren werden.

Zudem wolle das Ministerium die Bahn gegenüber dem Luftverkehr stärken – und dafür müsse die Marke von vier Stunden Fahrzeit zwischen Köln/Bonn und Berlin unterboten werden. Wie diese Ziele erreicht werden können, soll im zweiten Halbjahr 2019 feststehen, dann soll der zweite Entwurf vorliegen. Damit will Ferlemann in den Bürgerdialog gehen, der dem Planfeststellungsverfahren vorgeschaltet werden soll.

Ferlemann rechnet mit mindestens dreieinhalb Jahren, bis ein Planfeststellungsbeschluss auf dem Tisch liegt. Und der kann beklagt werden. Rippke bezeichnet den Bürgerdialog als Farce, weil sich das Ministerium festgelegt habe. Er spricht von einem „wahnsinnigen Schnellfahrprojekt“, sagt aber auch, dass die Bürgerinitiative klar für den Ausbau der Bahn sei, allerdings entlang der bestehenden Trasse: „Bahn: ja – aber trassennah.“

Ferlemann betont die Bedeutung der Bahn in den künftigen Planungen. Für die Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 stünden 271 Milliarden Euro bereit, so der Staatssekretär, 40 Prozent davon seien für Bahnprojekte reserviert. Bis zu ersten Entscheidungen brauche es aber noch Geduld: „Das wird noch ein langer Prozess.“ hwa

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Erstellt:
12. Juli 2019, 05:23 Uhr
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