Die UEFA visiert den Start einer dritten europäischen Liga an. Nicht besonders prickelnd, findet HARKE-Redakteur Philipp Keßler. Foto: adobestock

Die UEFA visiert den Start einer dritten europäischen Liga an. Nicht besonders prickelnd, findet HARKE-Redakteur Philipp Keßler. Foto: adobestock

Nienburg 07.12.2020 Von Philipp Keßler

Alle dürfen nach Europa

Guten Tag – eine (Sport-)Kolumne

Europapokal mit Flutlicht, internationale Gästefans und Abertausende Zuschauer an den TV-Geräten – eine ganze Saison spielen Fußballklubs darum, um im Folgejahr solche Abende erleben zu dürfen.

Besonders die Champions-League ist das große Ziel, die Europa-League ist aufgrund geringer Einschaltquoten und Erlöse schon deutlich weniger interessant, finanziell liegen Lichtjahre zwischen den beiden Wettbewerben.

Noch vor kurzer Zeit habe ich mich auf jeden Spieltag in Europas Elite-Wettbewerben gefreut wie ein kleiner Junge auf einen großen Schoko-Eisbecher. Doch der durch Corona zusammengestraffte Terminkalender hat diesen besonderen Reiz spürbar abklingen lassen.

Schließlich spielt momentan gefühlt jede Woche Dortmund gegen Paris und Leipzig gegen Rom, oder andersherum. So ist es mir vergangenen Dienstag erstmals passiert, dass ich den anstehenden Gruppenspieltag der Champions-League glatt vergessen habe – und mich darüber nicht einmal geärgert habe.

Und am Donnerstag hat mir das Endergebnis der Europa-League-Begegnungen mit deutscher Beteiligung vollkommen ausgereicht. Denn mal ehrlich: Duelle von Molde FK und Dundalk FC interessieren mich so sehr wie die Sofafarbe meines Nachbarn – nämlich gar nicht.

Offenbar muss ich mit meiner Wahrnehmung ziemlich alleine dastehen. Die UEFA plant nämlich einen weiteren internationalen Wettbewerb. Wie toll ...

Die „Europa-Conference-League“ soll ab kommenden Sommer an den Start gehen und sozusagen die dritte Spielklasse hinter den beiden bestehenden Ligen werden. Sie soll ein Wettbewerb für die kleinen Klubs werden – damit die Großen unter sich bleiben können.

Bislang haben 32 Mannschaften an der Gruppenphase der Champions League teilgenommen, 48 waren in der Europa League dabei – zusammen also 80. Künftig sollen in allen drei Turnieren jeweils 32 Teams spielen, was eine Gesamtzahl von 96 bedeutet.

Im Klartext: Es wird noch mehr belanglose Duelle zwischen mittelmäßigen Klubs aus ganz Europa geben, der Reiz internationaler Pokalabende schmilzt weiter. Für Vereine kleinerer Länder wird es noch schwerer, eines Tages in die Champions-League zu kommen, um einmal gegen Real Madrid spielen zu dürfen. Die finanzielle Lücke zwischen den großen und kleinen Klubs im europäischen Fußball bleibt nicht nur bestehen, sie wird weiter wachsen.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 04:46 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 04sec

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