HARKE-Chefredakteur Holger Lachnit in der verwaisten Redaktionsetage in Nienburg. Foto: Stüben

HARKE-Chefredakteur Holger Lachnit in der verwaisten Redaktionsetage in Nienburg. Foto: Stüben

Nienburg 18.03.2020 Von Holger Lachnit

Alle zu Hause

HARKE-Redaktion im Ausnahmezustand

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich jetzt morgens in die HARKE-Redaktion komme: Unsere Etage im ersten Stock des Verlagshauses ist nahezu verwaist.

Nur zwei Kolleginnen und ein Kollege sind noch dort, ihre Schreibtische meilenweit vom Newsdesk entfernt, an dem ich sitze. Das übrige Redaktionsteam macht Homeoffice. Kontakt halten wir in Echtzeit über ein browsergestütztes Programm – man kann es sich wie WhatsApp vorstellen. Die übrige Kommunikation erfolgt per E-Mail, selten über das Telefon.

Wie lange dieser Ausnahmezustand anhalten wird, vermag ich nicht zu sagen. Vorerst bis zum 19. April haben wir Homeoffice vereinbart – ich befürchte, dass es länger dauern wird. Ich bin stolz auf meine Redaktion, die jeden Tag aufs Neue enormen Einsatz zeigt!

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Oliver Hartmann, Online-Redaktion: „Die Arbeit in der Online-Redaktion hat den Vorteil, dass sie nicht abhängig von einem Arbeitsort ist. Wir nutzen bereits schon länger Werkzeuge für kollaborative Zusammenarbeit, die uns in der jetzigen Situation extrem helfen. Die beiden Katzen (im Bild Kater „Pepper“) freuen sich natürlich besonders über das Homeoffice.“

© Hartmann

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Matthias Brosch, Lokalredaktion: „Von zu Hause arbeiten, das hört sich komfortabel an. Technisch möglich, aber wenn die komplette Familie ebenfalls da ist und maximal in den Garten geschickt werden sollte, fällt es schwer. Dazu fehlt der direkte Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen. Wie wichtig er ist, fällt einem erst jetzt in dieser Situation richtig auf. Meinen Arbeitsplatz mit dem Laptop habe ich schon von der Küche in den Keller und
dann ins Wohnzimmer verlegt. Termine sind rar, die auf mein Handy umgeleitete Telefonnummer der Firma schweigt weitestgehend. Wir sind noch stark damit beschäftigt, uns zu organisieren. Und das bei dieser Nachrichtenlage. Toll ist, wie wir als Team arbeiten.“

© Brosch

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Jörn Graue, Südkreisredaktion: „Block, Stift, Computer und Telefon: Die Ausstattung ist wie immer und meine Tätigkeit an sich auch. Sowohl in der Kommunikation mit dem Leser als auch mit den Kollegen kommen aber neue Wege zur Anwendung – der viel zitierten Digitalisierung sei Dank. Ein weiterer Unterschied: Wenn ich aus dem Fenster schaue, blicke ich auf einen (noch kahlen) Walnussbaum: ein Stück Beruhigung in aufgeregten Zeiten.“

© graue

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Sabine Lüers-Grulke, Kulturredaktion: „Ich habe mein altes Homeoffice aus meiner Zeit als freiberufliche Journalistin wiederbelebt. Den nicht ganz so alten Rechner hochgefahren, der im ersten Stock unseres Hauses steht. Dort, im geräumigen Flur unterm Dachfenster, grenzten früher drei Kinderzimmer an, und ich hatte bei der Arbeit immer alles im Blick. Jetzt kann man dort ganz in Ruhe schreiben. Allerdings: Über Kultur gibt es zurzeit so gut wie nichts zu berichten, nur Absagen sind zu vermelden. Bleibt zu hoffen, dass der Kulturbetrieb die Corona-Krise übersteht.“

© LÜers-Grulke

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Stefan Schwiersch, Online-Redaktion: „Für die Mitglieder der Online-Redaktion ist das Arbeiten im Homeoffice nichts Neues, wir nutzen den heimischen Schreibtisch seit der Einführung unseres neuen Redaktionssystems im vergangenen Oktober. Homeoffice verkompliziert sich in meinem Fall ein wenig, wenn Corona dazu kommt. Denn: Auch meine Frau macht Homeoffice; sie arbeitet für eine Bremer PR-Agentur. Und nun stellen Sie sich noch drei agile Prinzessinnen von drei, sechs und acht Jahren vor, die durchs Haus düsen, weil aktuell Schule und Kita geschlossen sind. Muss aber ja für alles eine Lösung geben. Meine Frau belegt unser Büro von sehr, sehr früh bis morgens um elf Uhr, während ich als Dompteur die Kinder im Zaum halte. Anschließend tauschen wir die Rollen. Das klappt ganz gut.“

© Schwiersch

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Anke Jessen, Blattplanung: Sie schafft die Voraussetzungen, dass täglich eine Heimazeitung erscheinen kann. Mit ihrem Rechner werden die Druckprodukte angelegt undan das Redaktions- und Anzeigensystem übergeben. Außerdem ist Anke Jessen für den Anzeigenumbruch zuständig. Falls dieser Aufgabenbereich virusbedingt ausfallen sollte, hätte die Redaktion ein echtes Problem. Deshalb ist die Position der Blattplanung auch doppelt besetzt: Edda Hagebölling ist die zweite im Bunde – und im sicheren Homeoffice weit weg von Nienburg untergebracht.

© Stüben

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Arne Hildebrandt, Lokalredaktion: „Ich arbeite noch in der Redaktion, alles lässt sich eben doch nicht von zu Hause machen. Diese Ruhe und Leere hat man in der Redaktion nur am Wochenende. Marion König und ich sitzen weit auseinander, halten Abstand so gut es geht. Homeoffice? In meinen 39 Jahren als Redakteur erlebe ich so etwas zum ersten Mal. Die Situation ist beklemmend. Als Lokalredakteur braucht man den direkten Kontakt zu den Menschen. Doch gerade der ist jetzt wochenlang eingeschränkt. Kein gutes Gefühl.“

© Stüben

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Sebastian Schwake, Lokalredaktion: „Homeoffice über Landesgrenzen hinweg, das geht – erstaunlich gut sogar. Mein Büro ist nicht mehr im Medienhaus in Nienburg, sondern in Porta Westfalica. Im Arbeitszimmer im Obergeschoss habe ich nun meinen Arbeitsplatz. Immer am Mann: Laptop und Handy, um recherchieren und den Kontakt zu den Kollegen halten zu können, der mir schon nach wenigen Tagen sehr fehlt. Während der Rest der Familie bei traumhaftem Frühlingswetter im Garten baggert und buddelt, grabe ich nach Infos, schließlich naht der Redaktionsschluss.“

© Schwake

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Kristina Stecklein, Online-Redaktion: „Links von mir steht eine Schale Erdbeeren, rechts daneben höre ich ein wohliges Schnarchen meiner Katze ,Emma‘ – das Homeoffice könnte durchaus schlechter sein. Nur die Umstände, würde ich mir wünschen, wären andere. In der Online-Redaktion kennen wir das Zu-Hause-Arbeiten durchaus. Alle Kollegen jetzt aber in einer Art Online-Büro zu erleben, ist sicherlich etwas komisch – doch absolut machbar.“

© Stecklein

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Marion König, Terminverwaltung und Redaktionssekretariat: Unter „normalen“
Umständen steht ihr Telefon selten still – wer Kontakt mit der HARKE-Redaktion aufnehmen will und keine direkte Durchwahl wählt, landet bei Marion König. Außerdem ist sie für die Pflege des Terminkalenders auf der täglichen Serviceseite verantwortlich. Zurzeit ist an ihrem Arbeitsplatz deutlich weniger los als üblich. Davon profitiert jetzt das Büro der Verlagsleitung: Marion König ist dort nämlich mit einem Teil ihrer Arbeitszeit tätig, den sie jetzt ausgeweitet hat.

© Harke

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Helge Nußbaum, Sportredaktion: „Im Moment springe ich zwischen Homeoffice und Büro im vierten Stock des HARKE-Gebäudes hin und her. Mein Kollege Philipp Keßler und ich wechseln uns dort täglich im Büro ab. Unser Sport-Volontär Syam Vogt befindet sich noch im Urlaub in Thailand, er muss sehen, wie er jetzt nach Deutschland zurückkommen kann. Im Sportbereich ist natürlich gerade wenig los, doch wir möchten unseren Lesern trotzdem jeden Tag eine Lokalsportseite bieten. Homeoffice ist für uns alle die sicherste Alternative, und der Weg zur Kaffeemaschine ist zu Hause nicht mehr so weit wie im Verlagsgebäude - vom vierten Stock müssen wir Sportler dort immer bis in den Keller. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder in den Hallen oder auf den Sportplätzen im Kreis.“

© Nußbaum

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Sebastian Stüben, Lokalredaktion: „Was soll ich sagen: Die Umstände sind ein wenig unheimlich, aber es gibt Schlimmeres, als bei Sonnenschein auf der Terrasse zu sitzen, den Hund auf dem Schoß sitzen zu haben und zu recherchieren. Die Kinder können mit ihrem Musizieren, Jammern („Laaaaangweilig!“) und Betteln („Dürfen wir zocken?“) die Konzentration ein wenig auf die Probe stellen, aber es ist auszuhalten. Ich würde trotz der angenehmen Arbeitsumgehung gerne die Kollegen wieder von Angesicht zu Angesicht treffen. Die Redaktion ist nämlich ein echt gutes Team.“

© Stüben

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Manon Garms, Lokalredaktion: „Ich habe mir meinen Homeoffice-Platz in der Küche eingerichtet. Dort fällt der Arbeitsbeginn morgens leicht, denn die Sonne scheint direkt ins Fenster und auch Kaffee ist immer in der Nähe. Trotzdem möchte ich nicht ständig im Homeoffice arbeiten, denn der direkte Kontakt zu den Kollegen in der Redaktion ist wichtig. So lange es aber nicht anders möglich ist, tauschen wir uns auf digitalem Weg aus.“

© GArms

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Edda Hagebölling, HARKE am Sonntag: „Ich
hatte noch nie von zu Hause aus eine HamS zusammengebastelt, aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Dankenswerterweise hat mir unser IT-Fachmann meinen Firmenrechner nebst Zweitbildschirm im heimischen Arbeitszimmer eingerichtet. Damit war zumindest vom Equipment her die gewohnte Arbeitsumgebung hergestellt. Komisch ist es trotzdem. Hat man sich bisher vor Ort mit den Leuten getroffen, über die man berichten wollte, werden die Gespräche jetzt ausschließlich am Telefon geführt. Okay, meine Gesprächspartner waren per E-Mail vorgewarnt, als bei ihnen das Telefon zwischen 8.30 und 9.30 Uhr klingelte und meine private Nummer auf dem Display erschien, ein bisschen unheimlich war es trotzdem. Und das mulmige Gefühl, das sich schon seit Tagen breitmacht, werde ich auch im geschützten Bereich des Homeoffice nicht los. Hoffentlich ist der Spuk schnell wieder vorbei.“

© Hagebölling

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Annika Büsching, Südkreisredaktion: „Ungewohnt ist es, so ruhig, kaum einer klingelt, keiner klopft. Neben mir Glitzerstifte, Lego und Hausaufgaben vom Kindsvolk, mittendrin ich und mein Rechner, die Schnittstelle zu allen, die Sie hier sonst noch auf der Seite sehen. Die mag ich alle ganz gerne, der persönliche Kontakt wäre mir auch lieber. Aber bis das wieder gefahrlos möglich ist, kann ich dem Homeoffice durchaus etwas abgewinnen. Zwischendurch einen Kaffee in der Sonne und: Kaum einer klingelt, keiner klopft.“

© Büsching

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Heidi Reckleben-Meyer, Südkreisredaktion: „Ungewohnt ist es, morgens nicht ins Büro zu fahren und dennoch nicht frei zu haben. Fahrtzeiten zu den wenigen Terminen schätze ich derzeit entweder zu großzügig oder zu knapp ein, weil ich sonst von einem anderen Punkt aus starte. Absprachen untereinander sind aufwendiger und nicht auf Zuruf möglich. Hatte ich mir in einigen hektischen Momenten in jüngster Zeit ein ums andere Mal doch weniger Arbeit gewünscht, hoffe ich nun, dass es wieder so wird, wie an den Tagen, als der Wunsch aufkeimte.“

© Reckleben-Meyer

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Philipp Keßler, Sportredaktion: „Der Weg vom Schlafzimmer führt zwar nun direkt ins Büro, ohne Autofahrt, aber der direkte Austausch mit den Kollegen und der Smalltalk im Büro fehlen mir schon. Immerhin kann ich während des Schreibens der Artikel daheim jetzt die Musik so laut aufdrehen, wie ich will, ohne dass es jemanden stört.“

© Keßler

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Nikias Schmidetzki, Lokalredaktion: „Eigentlich ist Homeoffice der Traum, wenn die Kinder aufgrund von geschlossenen Schulen und Kitas zu Hause bleiben müssen. Aber Träume sind nicht immer schön. Der Start ist holprig. Länger als zwei, drei Stunden habe ich in dieser Form noch nicht gearbeitet, seit ich Familie habe. Doch schon am zweiten Tag sortiert sich die Situation nach und nach. Ich pendle samt Laptop zwischen Küchen- und Schreibtisch. Zeitweise klappt die Arbeit zusammen mit den Kindern gut. Wenn ich es ruhiger brauche, ziehe ich mich zurück. Klar, kann passieren, dass ich während der Konferenz noch schnell einen Klecks Milch vom Esstisch entfernen muss – das passiert mir im normalen Tagesgeschäft glücklicherweise nicht so häufig. Dafür spielt dort in der kreativen Pause auch niemand mit mir Fußball. Wäre mal eine Idee.“

© Schmidetzki


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Erstellt:
18. März 2020, 21:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 23sec

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